Meine Reisen

z.Zt. Daueraufenthalt in Japan

Jobsuche und “I am Computer Music”

Da bin ich wieder, ich melde mich aus den Untiefen des Ohne-Internet-Seins. Starbucks habe ich inzwischen so satt, dass ich sogar auf das Wifi verzichten kann. Nie wieder Kaffee. Nie wieder Matcha Grüntee Latte. Nie wieder Karamel irgendwas. Dazu bin ich doch nicht nach Japan gekommen!

Von meinen abgeschickten Bewerbungen kam bis jetzt weder Anruf noch Mail noch sonst irgendwas. Deshalb lohnt es auch gar nicht, ins Internet zu gehen. Also mache ich mich auch nicht weiter fertig. Ich sollte mich niedergeschlagen fühlen. Aber das mache ich natürlich nicht. „Maemuki“ nennt man das hier, „nach vorne schauen“.

Am Freitagnachmittag habe ich mich erst mal auf japanische Trink-Kultur eingestellt und ein paar Gläser Bier im Izakaya, in einer typisch japanischen Kneipe geleert. Abends kam dann noch ein Anruf von einem Freund, der früher bei einer Bank gearbeitet hat – er wird mich im Laufe der kommenden Woche begleiten und mir dabei helfen, vielleicht doch noch ein Konto zu bekommen. Ein Dank geht hier wieder an meinen englischen Freund Chris, der mir diesen Kontakt ermöglicht hat. Ich bin wirklich dankbar, dass ich so viel Unterstützung bekomme.

Nach diesem Anruf und drei Asahi ging es mir dann erheblich besser, zu Hause wartete zusätzlich mein Gastvater mit Shochu, japanischem Sake und dann konnte ich auch erst mal sorglos einschlafen. Ich passe mich hier schnell dem japanischen Leben an – Stress wird einfach weggetrunken.

Gestern stand ich dann früh auf, am Wochenende ist meine kleine Schwester immer noch eine Weile da, sodass wir zusammen frühstücken können. Während sie Englisch lernt, tippe ich diesen Blog. Ab- und zu schaue ich rüber und sehe, wie sie alles richtig macht und wie gut ihre Aussprache ist. Dann bin ich sehr stolz. Sie ist halt mein Lieblingskind.

Auch wenn sich bis jetzt noch nichts ergeben hat, ich habe das Gefühl, ich bin nicht allein. Jeder bietet mir hier Hilfe an, nicht nur meine Familie, auch meine Freunde machen mir Mut. „Wenn es irgendetwas gibt, was wir für dich tun können…“ heißt es da. Selbst Menschen, die ich nicht so gut kenne, wollen mich ständig unterstützen. Letztens bat mir jemand auf der Straße einfach sein Pocket Wifi an. Natürlich habe ich das nicht angenommen. Aber ich wüsste, ich hätte es ohne weiteres benutzen können. Japaner sind so wunderbar. In gewisser Weise sehr selbstlos und auf jeden Fall verlässlich. Ich hätte wahrscheinlich schon das Handtuch geworfen, wäre ich hier komplett allein aufgeschlagen.
Aber noch geht es mir gut. Und von der kommenden Woche verspreche ich mir viel.

Morgen düse ich erst mal zum Job Center für Ausländer in Shinjuku. Dienstag habe ich ein Bewerbungsgespräch bei der Arbeitsstelle meiner Mutter. Mittwoch oder Donnerstag dann endlich die Bank. Vielleicht habe ich sogar schon Ende dieser Woche eine anständige Internet-Verbindung. Man wird ja noch träumen dürfen.

Bis dahin genieße ich noch ein wenig. Gestern Abend war ich in Shinjuku, für ein Konzert von meiner Lieblingsband „Floppy“. Live habe ich sie noch nie erlebt und deshalb war das für mich gestern ein besonderes Highlight. Meine beste Freundin, die gleich um die Ecke vom Konzerthaus arbeitete, überraschte mich noch nach Feierabend, als ich schon für den Einlass anstand. Als sie mir von weitem entgegen kam, standen mir Tränen in den Augen. Mitten in der Stadt, in Tokyo war mir das mehr als peinlich. Ich kenne sie seit ich 16 bin, damals, als ich noch Schülerin war, haben wir fast jeden Tag zusammen irgendwas unternommen. Und noch immer treffen wir uns, wenn ich in Japan bin, immer kümmert sie sich um mich oder hilft mir, wenn ich etwas nicht verstehe. Sie kommt nicht mit rein in die Halle, sie wartet, bis ich aufgerufen werde und fährt dann den langen Weg von Shinjuku bis Chiba nach Hause. Ich winke zum Abschied und verschwinde dann im Keller eines weißen, pompösen Gebäudes.

Das Shinjuku Loft war geräumiger als die meisten Konzerthallen, die ich bis jetzt in Japan besucht habe. Es gab sogar Schließfächer, in denen ich meinen Krempel verstauen konnte, das war besonders praktisch nachdem ich erneut die Hälfte des Merchandise-Standes leer gekauft hatte. Meine Freundin Tarama schrieb mir vor dem Konzert noch „Pass bloss auf, bei Floppy gibt’s so tolle Sachen.“

Diese Warnung hat mich natürlich nicht abgeschreckt und jetzt sitz ich hier auf Schmuckbox, Spiegel, Schlüsselanhänger, Armband und CD. Aber das war es mir wert. Glaube ich jedenfalls.

Die Halle war gut besucht und das Publikum war gemischt. Neben Floppy-Fans fanden sich auch etwas ältere Herrschaften, die für den zweiten Live-Gig gekommen waren.
Die Sängerin nach Floppy war eine etwas pummelige, in Lolita-Kleidern gehüllte lallende Sängerin mit ausdrucksstarker Stimme, aber sehr langsamer Zunge. Sie entschuldigte sich für ihren Alkohol-Konsum und das Publikum war etwas betreten. Ob das ihr Image war oder sie sich unabsichtlich besoffen auf die Bühne gesetzt hat, weiß ich nicht. Ich war amüsiert, denn was sie erzählte war wirklich feinster, besoffener Müll. Aber das Publikum klatschte nur verlegen, ab und zu hustete jemand unangenehm laut. Irgendwann nahm ich dann auch den Sänger von Floppy neben mir wahr, der sich die Liveshow nach ihm nicht entgehen lassen wollte. Ein bisschen hatte ich damit gerechnet, deshalb stand ich immer ganz hinten, gleich neben dem Ausgang. Trotzdem war ich dann ziemlich aufgeregt, als der 4 Zentimer größere (!) blonde Japaner neben mir stand. Mein Fangirl-Herz schlug höher, anmerken lassen habe ich mir nichts. Ich bin ja professionell. :P
Floppy sind ähnlich wie Susumu Hiraswa New Wave/Punk/Chip Rock Musiker. Der Sänger, ein großer Fan von Kraftwerk, legte mit „I am Computer Music“ sogar ein kraftwerk-ähnliches Stück hin, wobei die ganze Menge mitging. Ich fand es wunderbar. Wie immer stand ich ganz hinten, aber ließ mich deshalb nicht weniger mitreißen. Nach dem Konzert besuchte ich noch einmal den Merchandise Stand und verließ dann die Halle.

Nachts durch Shinjuku ist immer so eine Sache.

Vor allem, wenn sich das pompöse weiße Gebäude über der Konzerthalle als Hostclub entpuppt. Sofort wird man angequatscht (da gibt es auch keine Sprachhemmungen) ob man den nicht Lust hat, mit den Jungs was trinken zu gehen. Das sind zwar alles hübsche, junge Kerle, aber die wollen für das Trinken bezahlt werden. Shinjuku ist auch immer ein bisschen Rotlichtviertel. Angst habe ich als 180 cm große, blonde Ausländerin nicht. Aber das Angequatsche ist natürlich lästig.

Ich lehne freundlich ab und spurte zum Bahnhof, meine Familie wartet ja auch schon zu Hause.

Heute hab ich nochmal frei und werde mich in ein paar Minuten nach Harajuku begeben. Meine Haare wollen geschnitten werden und ich habe dort meinen Stammfrisör, der immer frei ist und von dem ich fast annehmen muss, dass er nur auf mich wartet.

Mein Bruder wird auch gerade wach, an seinem Wasser-Konsum kann ich erkennen, dass es bei ihm gestern Abend auch spät wurde.

Nun dann, auf einen neuen Tag in Tokyo.

 

 

(Wie immer hundertausend Fotos, die ich nicht hochladen kann. Sumimasen.)

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Und jeden Tag ein Starbucks Kaffee…

Da mein Internet immer noch instabil bis gar nicht vorhanden ist, beschränke ich mich vorerst auf diese Blog-Updates.
Hier kann ich sicher sein, dass jeder mal lesen kann, wenn er möchte und Zeit dazu hat. (Der Link wird ja immer schön in alle SNS wie die Pest verbreitet.)

Gerade sitze ich in Soka, das ist eine Station neben Yatsuka, da wo ich wohne und seit gestern offiziell gemeldet bin.
Es gibt ein paar Anfangsschwierigkeiten, an denen ich gerade arbeite. Ich war wohl etwas naiv, als ich dachte, ich kann hier gleich losstarten. Aber ich lasse mich nicht unterkriegen.
Zum Beispiel wollte ich ein Ticket für das FLOPPY Konzert am Samstag. Das war noch am einfachsten zu lösen, weil ich dafür nur Geld ausgeben musste. (Gestern erledigt!)

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Das Floppy-Ticket. Selbst gekauft im Supermarkt.

Aber ich habe noch kein Internet und werde so schnell ohne Bankkonto kein Vertrag bekommen. Bei meiner Familie zu Hause gibt es kein Wlan, sowas ist in Japan bei voll internet-fähigen Handys nicht üblich. Ein Handy krieg ich ohne Bankkonto auch nicht. Ein Teufelskreis.
Deshalb renne ich ständig durch Tokyo, auf der Suche nach ein paar funktionierenden Hotspots. Wenn ihr mich vermisst – ich vermisse euch auch. ;)

Existenzielle Probleme tun sich jedoch gerade dadurch auf, dass ich zwar offiziell in Tokyo, Adachi-ku gemeldet und eingetragen bin, aber trotzdem keinen Bankkonto bekomme. Dazu muss ich entweder schon 6 Monate in Japan verbracht haben oder sofort eine Arbeit vorweisen können. Das war mir gestern natürlich noch nicht möglich, als ich auf den kuscheligen Stühlen der Mizuho Bank in Kita-senju saß. Mein japanischer Papa hatte mich extra dahin begleitet, da Japaner bei solchen offiziellen Anträgen keine Unterschriften erlauben, durfte ich mir sogar den Familienstempel ausleihen. Ich bin halt eine echte Sakurai. Trotzdem musste mir die freundliche junge Dame leider mitteilen, dass ich kein Konto eröffnen konnte, deshalb zog ich unverrichteter Dinge wieder ab und suchte mir den nächsten Starbucks.
Ich habe in mein meinem ganzen Leben noch nie so viel Starbucks Kaffee gesoffen. Ehrlich.

Gern geschehen!

Gern geschehen!

Hier ist der einzige Standort, an dem ich stabiles, funktionierendes Internet habe und deshalb sitze ich manchmal 4 Stunden an meinem Caramel Macchiato, der mir eigentlich nicht schmeckt um in Ruhe Mails beantworten zu können und nach möglichen Jobs zu suchen.

Heute habe ich es endlich mal geschafft und zwei Bewerbungen abgeschickt. Einmal für ein Unternehmen, in dem professionelle Deutsch-Englisch-Japanisch-Übersetzer gesucht werden, dann eine weitere Bewerbung an eine japanische Schule, die Englisch-Lehrer benötigt. Vielleicht schreibe ich noch eine dritte Bewerbung, aber dann warte ich erstmal ab. Nicht, dass ich noch den Überblick verliere. Ich sollte es langsam angehen. Das meinte eine japanische Freundin zu mir gestern. Ich bin gerade mal vier Tage zurück in Tokyo.

Trotzdem – auch wenn ich für die anfängliche Zeit genug Geld mitgenommen habe und ich auch immer auf meine Familie zählen kann – genau die sind es auch, die mich mehr oder weniger unter Druck setzen. Das machen sie natürlich nicht absichtlich.
Aber wenn alles schon um 5 Uhr aufsteht, zur Arbeit und zur Uni wetzt und ich alleine noch lange ausschlafen kann, dann fühle ich mich nicht gerade gut. Alles hetzt und rennt durch Tokyo, jeder ist beschäftigt und selbst wenn sie kurz im Starbucks sitzen, um sich auszuruhen, dann geht das nur mit einem Buch, mit dem Laptop, mit der mitgebrachten Arbeit. Meine kleine Schwester lernt jeden Tag von 6 Uhr bis 22 Uhr abends, ich sehe sie kaum und wir wechseln kaum ein Wort miteinander. Das ist okay, wenn man selber beschäftigt ist. Aber leider bin ich zur Zeit noch Tourist. Und ich hasse dieses Rumsitzen, diese Langeweile, dieses Stillstehen. Inzwischen habe ich meinen Jetlag überwunden und stehe meist auch mit um 5 Uhr auf. Dann kann ich mit der Familie frühstücken und wenigstens das Geschirr abwaschen, wenn alle anderen schon geschäftig das Haus verlassen.

Manchmal schlafe ich dann nochmal ein. Sonst ist der Tag viel zu lang.
Heute war es ähnlich. Meine liebe Oma ist dann immer noch da, wenn ich wach werde, kocht sie mir Tee und bringt mir Yakult, Joghurt oder Mandarinen. Dann frühstücke ich Reis, fermentierte Sojabohnen und Suppe vor dem morgendlichen Fernsehprogramm, putz mir die Zähne und verlasse gegen 10 oder 11 Uhr das Haus.

Das ist jedoch ein Abendessen. Kein Frühstück.

Das ist jedoch ein Abendessen. Kein Frühstück.

Immer beschäftigt. Meine Familie.

Immer beschäftigt. Meine Familie.

Gestern war ich nach langer Zeit wieder in meinem Lieblingsgeschäft in Harajuku. Das hatte ich nach dem Rückschlag mit der Bank auch nötig. Im untersten Stockwerk des Kaufhauses Laforet gibt es den Laden “Super Lovers”, der nicht nur meine Lieblingsklamotten-Marke verkauft, sondern in dem auch ein Freund arbeitet. Glücklicherweise war er gestern auch da und hat sich gefreut, mich nach so langer Zeit wiederzusehen. Eine Weile standen wir im Laden und schwelgten in Erinnerung, bevor ich mich für zwei Oberteile entschied und mich bis zum nächsten Mal verabschiedete. Das nächste Mal wird am 25. oder 26. sein, wenn der Laden für einen großen Sale extra Klamotten aus der Mottenkiste fischt. ;)

Ich muss da immer was kaufen. Ich muss.

Ich muss da immer was kaufen. Ich muss.

Vielleicht habe ich bis dahin schon einen Job oder wenigsten eine Zusage, um mein Geld nicht mit großer Unsicherheit aus dem Fenster werfen zu müssen. Denn ausgeben werde ich es weiterhin. Vor allem wenn ich einen Blick auf die anstehenden Konzerte werfe…

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Ankunft in Japan und HYBRID PHONON

Ich bin gelandet. Und wie.
Kein Taifun, kein Regen. Also hatte ich mal wieder viel Glück gehabt. Beim Einreiseverfahren drückte mir die etwas unfreundliche Beamte (ja, das gibt’s!) meinen Ausweis in die Hand. Auf den bin ich so stolz, da konnte ich über ihre unwirsche Miene sogar hinwegsehen. Beschwingt und voller Motivation verließ ich den Flughafen. Mein Skyliner nach Nippori kam sofort und dort wartete wiederum mein japanischer Papa, der mich und meine unmöglich schweren Gepäckstücke einsackte. Schnell nach Hause, Oma begrüßt, Gepäck abgestellt. Das geht in Japan zum Glück immer alles ganz schnell. Man hat nicht diese ganze Wiedersehensemotionalität, das Gedrücke und Geknutsche. Man nickt nur kurz und das war’s.

„Bin wieder da.“

Ehrlich, ich mag das.

Vielleicht.

Naja, fragt mich in einem Jahr nochmal, was ich an Deutschland vermisse.

Dann, wieder schnell ins Auto und noch ein Stück gefahren, bis zum nächsten Udon-Laden. Dadurch, dass ich übernächtigt und ungeduscht war, habe ich auch keine Fotos gemacht. Es war für mich schon anstrengend genug, das leckere Essen in einer sauberen Umgebung einzunehmen, wenn man selber noch ganz versifft von dem langen Flug ist. (In Japan versifft sein ist ein No-go.)

Udon, das sind japanische Nudeln, die man kalt oder warm genießen kann und die man mit Tempura, fritiertem Gemüse oder Fisch zu sich nimmt. Nach der etwas traurigen Essensauswahl an Bord der Aeroflot-Maschine genau das Richtige. Schnell inhaliert und dann wieder heim. Geduscht, wie ein neuer Mensch gefühlt und aufgebrezelt. Und sofort wieder zum Bahnhof. Ich hatte nicht mal Zeit, kurz Luft zu holen. Aber ich kenne den Weg, ich muss nicht mal nachschauen, wie ich zur Halle komme. Von Yatsuka bis nach Ueno. Selbst die Ansagen im Zug werden noch von der gleichen niedlichen Frauenstimmt gemacht.

Das Konzert heute findet genau neben meiner ehemaligen Schule statt, ich fahre also meinen Schulweg, um dort hin zu gelangen. Im ruhigen, überfüllt-warmen Zug schlafe ich fast ein. So fest, dass mich wirklich nur die Ansage „Nächste Station Ueno“ aus dem Schlaf reist.

Ich springe auf, steige um, in die Yamanote-Linie und bin nicht der Meinung, heute erst angekommen zu sein. Ich wohne hier schon immer. Alles ist so vertraut, viel vertrauter als in Berlin. Die Werbung an den Zugtüren, die ruhigen, vorsichtigen Menschen, die sich langsam neben einen setzen, der Duft nach Soja und Seife. Alles sauber, alles übersichtlich und nichts ist gefährlich.

Dann Shinagawa. Ich kenne das Hotel, ich laufe langsam darauf zu, will aber trotzdem gerne mein Japanisch anbringen und versichere mich bei einem Mädchen, dass auch so aussieht, als hätte es das gleiche Ziel, ob ich denn richtig sei. Ich weiß, ich mache dabei Fehler, aber ich genieße es, immer wieder zu üben. Vielleicht klappt es ja beim hundertsten Mal. Sie nickt, versteht mich und lächelt.

Punktlandung.

Ich stelle mich für das Merchandise an, ordentlich in Reihe und Glied, ein japanischer Angestellter im schicken Anzug weist uns ein, immer nur 10 Leute in den kleinen Raum, in dem die CDs und DVDs des Künstlers ausgestellt sind. Mein Herz schlägt schneller. Es wird wahr, es wird endlich wahr. Fehlt nur noch das Ticket.

In meiner Verzweiflung, diesen Künstler unbedingt live sehen zu wollen, habe ich mich im Fanclub (gebührenpflichtig) angemeldet, um dann später mitzubekommen, dass trotzdem alle Konzertkarten ausverkauft sind. Dann rettete mich, wie so oft, Twitter. Ein User bat mir seine übrig-gebliebene Karte an. Nr. 1180, eine recht schlechte Nummer, wenn man nacheinander aufgerufen wird, bei etwa 2000 Gästen.
Aber für mich gerade recht, denn ich bin so groß, mir ist es mehr als unangenehm, wenn ich in der ersten Reihe den Japanern den Blick versperre.
Zurück zum Merch, ich kaufe die halbe Belegschaft leer, zücke freudig mein Portmonee und schicke ein kurzes Dankegebet an meine Arbeitgeber in Potsdam, deren Geld nun hier, in japanische Yen, für Schirm, Anstecker, Handtuch und anderen schönen Schnulli flöten geht. (Für Hirasawa-Fans: Es gab Halycon-Anstecker. Wer hätte da “Nein” sagen können?)

Dann wieder raus, am verabredeten Ort (ein großes Karussell) spricht mich ein junger Japaner an,
„Sind sie Rika-san?“
„Und sind sie meine Eintrittskarte?“ Gesagt. Getan.
Ich krieg die Karte noch günstiger, als im Internet und verschachere das übrig gebliebene Geld nach dem Konzert für einen weiteren Anstecker. Man lebt ja nur einmal.

Die neue Bekanntschaft verabschiedet sich von mir, er hat eine bessere Nummer gezogen und darf schon eher rein. Inzwischen werden alle übrigen Konzertbesucher in einen kleinen Raum sortiert. Unglaublich, was man in Japan alles schafft. Das Konzert befindet sich mitten in einem gut besuchten Zentrum, zwischen Shopping-Center und Hotel ist kein Platz für 2000 Leute. Das wissen auch die Japaner, deshalb werden wir in Nummern aufgeteilt, in einem naheliegenden Raum gruppiert und dann einzeln durch einen Untergang zum Konzerthaus geleitet. Das sind nochmal 50 Meter. Niemand rennt, jeder hält sich an seine Nummer. Genial.

Neben mir ein Mädchen aus Ehime, mit dem ich mich schnell anfreunde. Die erste Frage ist immer „Und was liebst du so an diesem Sänger/dieser Band?“

Ich liebe Susumu Hirasawa schon seit ich 14 bin, damals bin ich durch den Berserk-Anime-Soundtrack auf ihn aufmerksam geworden. Nun, wo ich auch alle anderen Bands höre, die in die Richtung New Wave / Chip Pop / Elektro Rock gehen, gehört Hirasawa-san für mich genau so dazu wie FLOPPY, Metronome und ADAPTER. Und Hirasawa-san ist in Japan das Vorbild für diese Art von Musik. Gestern Abend war es dann auch so, dass von genau diesen anderen genannten Bands Mitglieder im Publikum waren, die Hirasawa-san live erleben wollten. Tokyo ist ja so klein.

Dafür die Konzert-Halle riesig. Ich war kurz überwältigt. Man sieht mein überwältigtes Gesicht wahrscheinlich auch auf der DVD, die gestern aufgezeichnet wurde, denn als Fanclub-only Veranstaltung war ich die einzige Ausländerin. Noch ein kurzes Gespräch über deutsche Würstchen mit meiner neuen Freundin aus Ehime, dann begann schon die Show meines Lebens.

Vielleicht war ich durch die Übermüdung etwas vernebelt im Kopf, wahrscheinlich war ich auch einfach nur sehr aufgekratzt durch den Schlafmangel, aber ich konnte mich schon beim ersten Lied kaum noch vor Freude halten. Auf diesen Moment hatte ich aber auch seit ich 14 Jahre alt war gewartet. Da durfte man hysterisch sein. Ich hatte ja zum Glück ein Handtuch gekauft, in das ich verzückt seufzen konnte. Das Publikum ging aber genau so mit, deshalb sollte es wohl so sein.

Der 60-jährige Susumu Hiraswa legte eine atemberaubende Show hin, bei dem man ihm sein Alter gar nicht ansah. (Außer an dem Umstand, dass er sein Neustem weiß gefärbtes Haar hat, aber diese Diskussion der Fans kann auch Twitter entnommen werden!) Er und sein Partner Pevo setzten Laserharfen, Teslaspulen und LED-Bildschirme ein, Hirasawa-san spielte sogar sehr alte Lieder, bei denen es bei den Fans kein Halten mehr gab. Ich sang vielleicht wieder viel zu laut mit. Aber das war mir ein Bedürfnis.

Nach zwei Stunden war das ganze Spektakel vorbei, Hirasawa-san sagte noch zu uns „Bitte meldet euch, wenn ihr nicht nach Hause wollt.“ Und es meldeten sich natürlich alle. Seine trockene Antwort: „Ab nach Hause mit euch!“

Schweren Herzens und ziemlich durchgeschwitzt verließen die 2000 Zuschauer erneut diszipliniert und geordnet die Halle. Ich verabschiedete mich von meiner neuen Bekanntschaft und bemerkte erst jetzt, dass es doch noch einen Taifun gab, der auf mich wartete. Im strömenden Regen, aber vorbereitet mit Schirm, stapfte ich nach Hause. Dort wartete schon meine ganze Familie, Papa, Mama und meine drei Geschwister auf mich, um mich und meine Geschenke in Empfang nehmen zu können.

Fast hätte ich geweint. Aber in Japan macht man sowas nicht.

Stattdessen gabs ein Wiedersehens-Bier mit dem Papa, die Gespräche wie immer über Uni und Arbeit und ich wusste, dass ich eigentlich nie weg gewesen war. Motoko, meine jüngere Schwester gab mir dann noch ihr Handy. „Ich hab dir schon alles eingerichtet, Rika. Deine Mail-Adresse und deine Nummer erfährst du im Hauptmenü. Du bist als „Rika Sakurai“ eingespeichert.“

Genau. Das bin ich.

(PS. Eigentlich gibt es für diesen Eintrag unzählige Fotos, aber das schlechte geklaute Internet vom Nachbarn lässt das grad nicht zu.)

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Mal wieder Moskau. Sie kennen das.

Da bin ich wieder, fast schon zu Hause, mein Handy hat sich automatisch in das Wifi vom Flughafen Sheremetyevo eingeloggt.
Ich bin hier das dritte Mal. Vielleicht sogar schon das vierte Mal? Ich habe irgendwann aufgehört zu zählen.
Heute haben mich zur Abwechslung mal trüber Nebel und rostbraune Laubbäume begrüßt. Von oben sah das alles noch sehr hübsch aus. Manchmal sehe ich diesen Flughafen auch noch in Schnee gehüllt. In dem Café, wo ich auch schon die letzten Male saß, gibt es wieder irgendwas mit Lachs und Salat und das ist nach dem Mini-Brötchen im Flieger endlich eine vollwertige und willkommene Abwechslung. Ganz ehrlich – das „Frühstück“ war ein Witz. Und ich hoffe, mein Eintrag artet jetzt nicht zu einem Foodblog-Post aus. Aber.. nur ein Brötchen! Und eine kleine Packung zuckersüßer Apfelsaft! Nur weil ich ein vegetarisches Essen bestellt habe, muss die Fluggesellschaft nicht davon ausgehen, dass ich faste.
Vielleicht sitzt das Kleid auch etwas eng, aber man sieht in diesen aneinander gedrängten Flugzeug-Sesseln nun mal nicht vorteilhaft aus. Egal, wie man sich dreht und wendet.

Aber das ist bis jetzt auch das Einzige, worüber ich mich beschweren könnte. Die Stewardessen sind wie immer wahnsinnig hübsch und freundlich, der nette Russe neben mir im Flugzeug hat sich etwas breit gemacht, aber dadurch konnte ich auch nicht vom Platz rutschen. Das sollte alles so sein. Ein paar zuvorkommende Chinesen haben mir beim Koffer aus dem Handgepäck zerren geholfen. Alles in allem, ein angenehmer Flug. Auf dem Rücken trage ich noch ein recht schweren Rucksack, in dem auch mein Laptop verstaut ist, in der Hand halte ich noch meine Kamera-Tasche. Ich fühle mich ein bisschen wie ein Packesel. Und dabei habe ich meinen 31 kg schweren Koffer ja schon in die erfahrenen Hände von Aeroflot gegeben.

Da fiel mir etwas auf, als das Flugzeug gelandet war und die Passagiere schon begierig im Gang standen, um anschließend schnell durch die Gates zu flitzen. Ich saß am Fenster und genoss das trübe Wetter, dass noch ein wenig zu meiner Abschiedsstimmung passte, als ich eine Reinigungsdame sah, die einen Müllsack ordentlich zuschnürte und dann von der oberen Stufe der Einsteigstreppe schubsen wollte, um ihn nicht schleppen zu müssen. So gut verschnürt war der Sack dann doch nicht und der ganze Müll purzelte von der Flugzeugtür über die Treppen bis nach unten. Die Dame zuckte nur resignierend mit den Schultern und machte sich daran, drinnen weiter zu putzen.

Wenn mein Koffer ähnlich behandelt wird, habe ich etwas Angst. Schließlich ist da auch nur ganz viel Müll drin.
Also auf jeden Fall wertlose Klamotten, ziemlich viele Mitbringsel und Handtaschen. Hundertausend Handtaschen. Weil keine Handtasche ja zu meinem Outfit passen wird. Mein Papa hat beim Packen etwas gemeckert. Aber wenn ich ihm jeden Tag ein Foto aus Tokyo schicken kann und immer eine neue Handtasche dabei ins Bild halte, dann wird er sich auch freuen. Ganz bestimmt.

Jetzt sitze ich hier, habe noch 5 Stunden Zeit, bis es weiter geht und versuche weder müde zu werden, noch deprimiert oder traurig. Das ist nicht gerade einfach. Das graue Wetter hier in Moskau lädt dazu ein. “Werd traurig!” Wie eine große, schwarze Krake will es mich in ein tiefes Loch von Abschiedsstimmung reißen. Aber ich wehre mich dagegen, in dem ich hier schreibe und nebenbei twittere. Dazu schaue ich noch den Livestream von dem Drei-Tage-Konzert, bei dem ich morgen Abend den letzten Tag live erleben kann. Es wartet so viel Gutes auf mich.

Trotzdem.
Ich könnte nicht mal sagen, wie es mir geht, wenn mich jemand fragen würde. Mein Magen ist da immer der beste Auskunftgeber, weil er sich bei Angst und Stress gerne mal jeglicher Nahrung verweigert. Aber ich hatte gerade ein Schoko-Crossaint. Es kann noch nicht so schlimm sein.

Heute früh war es nochmal anstrengend. Für alle Beteiligten. Das gleiche Szenario, wie als ich 16 Jahre alt war. Man denkt, man lernt daraus, man denkt, man wird erwachsen. Man redet sich ein, man ist selbstständig und unabhängig.

Aber dann merkt man auch, dass man immer das Kind seiner Eltern sein wird und das man seine eigene Mama und seinen Papa vermissen wird, egal wie liebevoll die japanische Familie sich um einen kümmert. Und auch wenn man weiß, dass das nur ein Abschied von kurzer Dauer ist, ist es doch ein Abschied und da darf man auch mal ein paar Tränen verdrücken.

Nun sind es nur noch ein paar Stunden, bis ich übernächtigt, ausgelaugt und (ganz bestimmt) mit Magenproblemen in Tokyo ankommen werde. Wie aufregend.
Susumu Hirasawa singt die ganze Zeit  行こうすれ違おう、”愛はいかが?”と (‘Lass uns losgehen und uns dabei mit „Wie wärs mit etwas Liebe?“ grüßen’) und ich wundere mich über den tieferen Sinn dieses anhaltenden Ohrwurms. Spätestens morgen Abend, wenn ich in Tokyo Shinagawa bin und ihn live auf der Bühne sehen werde, wird sich mir das Ganze erschließen. Oder halt nicht.
Aber dann suche ich weiter.
Ich bin ja noch lange nicht am Ziel.

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Update vor der Abreise

Heute sind es nur noch zwei Tage.
Am Sonntag, 9:50 Uhr geht mein Flieger. Ein kurzer Dank an all diejenigen, die mich in den letzten Wochen unterstützt haben, die beim Packen und Vorbereiten mitgeholfen haben und auch an diejenigen, die Abschiedsfeiern, Abschiedsbriefe und Abschiedsgeschenke vorbereitet haben. Ihr alle macht mir diese Entscheidung gerade nicht sehr einfach. Aber dafür bin ich euch auch dankbar. <3

Nachdem ich gefühlte hundertausendmal meinen Koffer hin- und hergepackt habe, einen neuen Rucksack bestellt habe und trotzdem immer noch weit über die vorgegebenen 23 Kilo bin, haben mein Vater und ich heute früh einfach auf ein erneutes Organisieren und Packen verzichtetet und alles in den Koffer gestopft.
Reisevorbereitungs-Resignation pur.
Das wird am Flughafen nochmal teuer, aber für ein ganzes Jahr und vielleicht noch länger kann ich nicht nur ein Paar Schuhe und einen Pullover mitnehmen.
Obwohl das Meiste wirklich die vorbereiteten Mitbringsel ausmachen. Ich habe auf Wunsch meiner Freunde Haribo, Jägermeister, abgepacktes Brot, noch mehr Jägermeister, noch mehr Haribo, Milka-Schokolade und und und… eingekauft. Natürlich freue ich mich, all die Kleinigkeiten dann in Japan verteilen zu können. Aber das Ganze erstmal rüber zu bekommen wird nochmal schwierig. Für einen großen Kraftwerk-Fan habe ich sogar eine Original-Schallplatte “Mensch Maschine”. Das wird sehr spannend, wie die LP drüben im Koffer ankommt… (Vielleicht hilft ja Beten!)

Das wird schwer. Und ist noch lang nicht Alles.

Das wird schwer. Und ist noch lang nicht Alles.

Am Sonntag stelle ich die Damen von Aeroflot dann vor vollendete Tatsachen. Die letzten Monate habe ich ganz gut nebenbei arbeiten können, also werde ich eventuelle Kosten auch gerne übernehmen. Die Haribo bleiben jedenfalls im Koffer.

Nun macht mir nur noch etwas der Taifun Sorgen, der ja auf Japan zukommen soll. Nach letzten Wetterinformationen soll der tropische Sturm erst am Dienstag ankommen, auf einer Website las ich schon, dass einige innerjapanische Flüge gecancelt wurden.

Grundsätzlich hätte ich kein Problem damit, ein bisschen länger in Moskau zu sitzen, sollte es zu Verspätungen oder Ausfall meines Anschluss-Fluges nach Tokyo kommen. Aber diesmal wäre das fatal für mein Zeitmanagement. Den als professionelles Bangya (Band-Gyal = Band-Girl) habe ich gleich am Abend meiner Ankunft ein Konzert in Shinagawa, für das ich im letzten Moment noch via Twitter ein Ticket bekommen habe. Vielleicht sollte ich eher fixiert darauf sein, gut in Tokyo zu landen. Aber so ein Konzert meines Lieblingskünstlers wäre ja ein idealer Start.. ;)

Um am Konzert teilnehmen zu können, musste ich mich noch schnell in den Fanclub eintragen lassen. Na wenns weiter nichts ist..

Um am Konzert teilnehmen zu können, musste ich mich noch schnell in den Fanclub eintragen lassen. Na wenns weiter nichts ist..

Ich lass ab jetzt alles auf mich zukommen, der Koffer ist gepackt, das Geld umgetauscht, der Reisepass mit dem Visum versehen. Gestern habe ich es sogar noch geschafft, meine Bachelor-Arbeit fristgerecht in der Uni einzureichen. Ich habe die letzten Wochen dran getippt und bin glücklich, dass ich diese Hürde geschafft habe. In Japan genieße ich dann unendliche Freiheit. ;)

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Na wenn das nichts ist!

Heute und morgen wird noch Zeit mit der Familie verbracht, bevor es dann erstmal für eine Weile Abschied nehmen heißt.
Gerade bemerke ich, dass der Laptop, an dem ich sitze, auch noch eingepackt werden muss. Ein bisschen Verzweiflung ist das hier schon, was ich mache. Aber sobald ich in Tokyo ankomme, werde ich sehr froh über meine Entscheidung sein.
Stay tuned! 

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Aus “Reisen” wird “Auswandern”

Das mich nicht viel in Deutschland hält, hat man ja schon an den vorangegangenen Blogposts gesehen, die ich (leider) in letzter Zeit sehr unregelmäßig geupdatet habe. Dennoch war es – vor allem für mich selbst – abzusehen, dass ich bald Deutschland verlassen werde. Und am 12. Oktober ist es dann so weit. Ich fliege zurück nach Tokyo. :)

Die letzten Wochen habe ich eine persönliche Abschiedstour durch Europa unternommen, da ich mich nach Ende meines Studiums für das Auswandern nach Japan entscheiden habe. Die Bachelor-Arbeit ist bis nächstes Jahr Februar angemeldet und während ich zwischen Büchern und Umzugskisten sitze, frage ich mich, ob mein Zeitmanagement wirklich überlegt ist.. ;) Exmatrikuliert bin ich jedoch schon, also gibt es erstmal kein zurück. Die Wohnung in Potsdam ist gekündigt, der Flieger gebucht und meine Freunde informiert – die Vorbereitungen laufen also auf Hochtouren. Ich war in den letzten Wochen mit all dem so beschäftigt, dass ich sogar manchen vergessen habe zu erzählen, dass ich bald das Land verlasse. Ich hoffe, dass manche Leser jetzt auch bei diesen Text nicht aus allen Wolken fallen. Und wenn doch, hoffe ich wenigstens, dass sie weich landen. ;)
Die, die mir sehr wichtig sind konnte ich dennoch besuchen.
Einen kurzen Rückblick dazu werde ich in den folgenden Blogposts geben. Auch wenn die Bachelor-Arbeit viel lieber getippt werden möchte, gibt es ein paar schöne Momente, die ich gerne mit meinen Lesern teilen will.
In Japan werde ich den Blog nutzen, um von meinen Eindrücken und meinen Arbeitserfahrungen vor Ort zu berichten.
Wenn vor Abflug noch Zeit bleibt, teile ich auch gern meine Eindrücke vom Vorbereitungschaos..

Bis dahin fasse ich aber erstmal die letzten Wochen in Europa zusammen. Auch wenn ich mich auf Japan freue, weiß ich, dass ich immer wieder hier her zurück kommen werde. Alles andere würde mich ja auch langweilen.. ;)

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Nachtrag – ein kurzer Blogpost aus Russland

Ankunft in Moskau – verlassen und sauber wie ich es gewohnt bin. Ein riesengroßer Flughafen, der vor allem zur Abendstunde einsam wird. Woher ich das jetzt schon weiß?

Ich habe hier schon einmal 6 Stunden auf meinen Anschluss-Flug gewartet und hatte damals ein richtig spannendes Buch mit, welches es mir möglich machte, die Zeit zu verkürzen. 
Etwas wagemutig habe ich mich in ein Cafe direkt an eine große Glasfront mit Blick auf Startbahn gesetzt. Es gibt im ganzen Flughafen keinen Geld-Automaten, aber trotzdem habe ich einfach einen Lachs-Bagel und einen zuckersüßen Pfefferminz-Tee bestellt, der etwas im trockenen Hals kratzt. Ich verlasse mich darauf, dass meine EC-Karte akzeptiert wird. Natürlich habe ich genug Geld mit – aber das ist alles schon in Yen umgetauscht und deshalb bestimmt noch nicht einsetzbar. 
Der süße Tee zerrt ein bisschen an meinen Zähen, aber der Bagel ist sehr lecker. Im Flugzeug gab es nur einen kleinen veganen Nudelsalat und zwei Scheiben geschnittene Orange. 
Ich hatte zwar vorsorglich eine vegetarische Mahlzeit bestellt, aber von „einer kleinen Portion“ war nie die Rede. 
Egal. Der Bagel wird hoffentlich bis Abends vorhalten.

Hier ist es fast schon 17 Uhr, die Sonne kneift trotzdem noch in den Augen. Mir den Platz direkt am Fenster zu suchen war nicht so schlau, trotzdem ist der Sessel so herrlich durchgesessen, dass ich nicht aufstehen will.
 In wenigen Stunden bin ich zu Hause, zurück in Narita. 
Dabei begann der Morgen nicht gerade perfekt.

Noch nie habe ich irgendetwas verschlafen und immer höre ich den Wecker, schon allein weil mein Schlaf vor solchen wichtigen Reisen unruhig ist. Doch heute früh war mein Wecker einfach ausgestellt, Zu dem Zeitpunkt, wo ich eigentlich hätte aufwachen müssen, lag ich noch schlummernd im Kissen.
Was sich die Technik in meinem Handy dabei gedacht hat, will ich gar nicht wissen. Verzweifelt suche ich noch immer nach einem Schuldigen. Aber nun weiß ich auch, dass ich mich nicht mehr auf die App „Sleep Bot“ verlassen darf. (Ja, ich rate von dieser App ab! Selbst wenn sie mir bis dahin treue Dienste geleistet hat – einmal ist keinmal!)

Meine innere Uhr rettete mich dennoch. Geistesgegenwärtig griff ich nach Handy und Aufladegerät, bemerkte, dass ich nur um eine Stunde verspätet war und machte meinen Bruder wach. Selbiger suchte mir einen anderen Zug nach Schönefeld heraus, während ich meine letzte Dusche vor meiner Ankunft in Japan nahm. Denn egal, wie spät man dran ist – ungewaschen fliegt man nirgendwo hin. 
Ich schaffte die selbe Zugverbindung nur eine Stunde später und rief auf dem Weg dahin in Schönefeld und bei meiner Fluggesellschaft an – den Tränen nah wollte ich mich nur versichern, dass ich es schaffen würde.
Und man gab mir eine positive Antwort. Im Zug konnte ich sogar ein paar Witze mit meinem Bruder machen.
Trotzdem saß der Schock noch tief, selbst als ich schon im Transit-Bereich saß. 
Die Vorfreude wuchs erst ein wenig, als ich dann im durchgesessenen Sessel des Flugzeugs saß und die russisches Stewardess mich fürsorglich anlächelte. Anbei – ich habe das Gefühl, dass alle russischen Sessel gemütlich durchgessen sind – auch im Flugzeug ist man in dem weichen Leder herrlich drin versunken.

Jetzt bin ich hier in Moskau. Und die Sonne scheint. Vielleicht bin ich doch ein echtes Glückskind.
In ein paar Stunden geht es weiter. Und dann fühle ich mich endlich wieder heimisch.

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Ein privater Jahresrückblick 2013

Jedes Jahr versuche ich einen Jahresrückblick für mich selbst zu schreiben, um die vergangen Events gebührend Revue passieren zu lassen und um mich selbst noch einmal daran zu erinnern, wie ich das bald endende Jahr erlebt habe.

2013 war ein sehr gutes Jahr. Während ich mein Moleskine-Kalender durchblätterte, merkte ich, dass ich vollends zufrieden mit diesem Jahr sein konnte. Ich bemerkte aber auch, dass ich fast keine Woche frei hatte oder es fast keinen Tag gab, an dem ich nicht irgendetwas vor hatte.
Das Neujahr konnte nur gut werden, da ich es im Kreis meiner japanischen Familie in Tokyo verbrachte. Am 3. Januar flog ich heim und begann das neue Jahr wieder mit Uni-Alltag und Arbeit in Potsdam.
Schon im Januar stand der Headliner für das Chiemsee Reggae Festival fest und mein Bruder und ich bestellten frühzeitig Karten. Am 22. Januar sah ich gemeinsam mit meiner Familie die japanischen Tao-Trommler live in Berlin. Zu meinem Geburtstag am 27. Januar hatte ich das Glück mich selbst beschenken zu können – mit dem Awolnation Konzert im Magnet Club in Berlin. Der Februar war eher geprägt durch Klausuren und Hausarbeiten. (Die Ergebnisse lagen wie immer im Mittelmaß, oder auch: Hauptsache geschafft! ;))
Ich verreiste vorerst nicht und nahm mir genug Zeit für die zu erledigenden Aufgaben in der Uni. Ich schaffte es dennoch liebe Menschen von Twitter kennen zu lernen und gemeinsam einige Filme bei der diesjährigen Berlinale anzuschauen. Im März hatte ich vor allem viel Arbeit und half bei den Ostervorbereitungen meiner Arbeitsstelle.

Mitte März entschied ich mich aber dann doch noch einmal nach Belgien zu fliegen und verbrachte einige wunderschöne Tage in Brüssel, Brügge und Gent. Ich blieb bis zum 20. März und mein belgischer Freund ermöglichte es mir sogar, einen Tag am Meer zu verbringen.

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Ende März und Anfang April besuchte ich oft das Berliner Ensemble. Meinem Vater schenkte ich Tickets für die “Dreigroschenoper” zum Geburtstag.  Im April begann das neue Sommersemester und ich entschied mich dafür Chinesisch zu lernen – eine Entscheidung, die ich nicht bereut habe. Auch wenn mein Stundenplan bis zum Sommer hin ausgefüllt war, erreichte ich meine selbstgesteckten Ziele und schaffte mein vorgenommenes Pensum (das glaube ich zumindest!). Im Mai hatten wir erneut für vier Tage Besuch von unseren japanischen Freunden aus Kagoshima. Gemeinsam besuchten wir die “Zauberflöte” in Berlin und gingen in einer typisch berlinerischen Kneipe essen.

Am 18. Mai fuhr ich gemeinsam mit meiner besten Konzert-Freundin Tini zum Calmando Qual Konzert in Köln. Ein Erlebnis, das man hier noch einmal nachlesen kann. Da Calmando Qual  dieses Jahr beschlossen, sich aufzulösen, waren wir mehr als froh darüber, sie noch einmal live gesehen zu haben. (Ja, ich weine immer noch! :/)

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Ende Mai besuchte uns erneut unser Freund aus England, er blieb eine Woche und ich schaffte es, ihn am Wochenende im Haus meiner Eltern zu treffen. Kurz nach seiner Abreise würde ich ihm hinter herfliegen.
Vorher fuhr ich aber erneut mit Tini nach Köln – diesmal für meine absolute Lieblingsband Dir en Grey, welche ein Konzert in Deutschland angekündigt hatten. Auch hier hat Tini einen wundervollen Bericht dazu geschrieben. (Mein etwas empörter Artikel zum Konzert kann beim Stöbern durch den Blog gefunden werden. ;))
Natürlich enttäuschten uns Dir en Grey nicht, auch wenn wir langsam schon die Nase voll von den langen Fahrten nach Köln hatten. Aber das VIP-Paket, welches wir dazu gebucht hatten entschädigte uns für die lange Anfahrt.

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Am 23. Juni flog ich dann gleich weiter nach Bristol und fuhr dann nach Glastonbury. Ich blieb bis zum 2. Juli in England, um gemeinsam mit der Familie unseres besten englischen Freundes beim Glastonbury Festival 2013 zu arbeiten. Dort war ich Angestellte in einem Cafe, welches sich auf dem Themen-Feld von Greenpeace befand. Ich bediente Gäste, schnitt Kuchen und kochte Tee, zusätzlich hatte ich die Möglichkeit mein Englisch zu verbessern, die Rolling Stones live zu sehen und eine der wundervollsten und magischsten Wochen meines Lebens zu vollbringen. Ich kam ziemlich erschöpft und krank zurück, da die nächtlichen 12-Stunden-Schichten wirklich kein Urlaub waren. Dennoch würde ich sofort wieder hinfliegen, sollte ich die Chance dazu haben. Ich bin meinen englischen Freunden immer noch sehr dankbar, dass sie mir diese Arbeit ermöglicht haben. Und nächstes Jahr werde ich höchstwahrscheinlich erneut dabei sein.

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Bei meiner Rückkehr ging es dann gleich zur Sache und ich schrieb meine Chinesisch-Prüfung und hielt einige Referate. Ein bisschen hatte ich die Uni schon vergessen, aber das konnte man mir nach den erlebten Ereignisse auch nicht übel nehmen. ;)
Am 13. Juli hatten wir dann noch einmal die Möglichkeit ein Konzert zu besuchen – erneut war ich mit Tini in Berlin unterwegs und wir lernten die Band ADAMS kennen und lieben.

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Unser Sommer war geprägt von japanischen Konzerten und als “Hardcore”-Bangyas (Bandgirls) ließen Tini und ich es uns auch nicht nehmen, gleich am 15. bis nach München zu fahren, um dort Deathgaze live zu sehen. Der kurze Abstand zwischen den Konzerten machte uns nichts aus und auch wenn Deathgaze mit einer lauten und harten Performance überzeugten, schafften wir es am nächsten Tag gleich zurück nach Berlin (Headbang-Nackenschmerzen inklusive!). Ende Juli schrieb ich dann noch einige Hausarbeiten für die Uni und genoss die vorerst freie Zeit. Anfang August besuchte mich meine japanische Lehrerin und gemeinsam erlebten wir ein paar schöne Tage in Potsdam und Berlin. Wir besuchten den Filmpark Babelsberg und machten einen Park-Spaziergang durch Sanssouci. In Berlin gingen wir gemeinsam auf Kneipentour und trafen ehemalige Austauschschüler von meiner japanischen Schule. Meine Lehrerin blieb bis zum 14. August und ich brachte sie noch bis zum Berliner Flughafen.

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Ohne groß Luft zu holen ging es dann am 16. August gleich weiter zum Capleton-Konzert im Berliner “Bi Nuu”. Dieses Konzert war der Start für meinen gemeinsamen Reggae-Sommer mit meinem Bruder und es war auch mit Abstand eines der besten Reggae-Konzerte, die ich erleben durfte. Am darauffolgenden Sonntag, den 18. August nahmen meine Mama und ich noch an einem buddhistisch-japanischen Sommerfest in Berlin teil, ich hüllte mich nach langer Zeit wieder in meinen Yukata und wir lernten auf dem Fest nette, in Deutschland lebende Japaner kennen. Am 21. August begann dann das große Packen für einen Bayern-Urlaub gemeinsam mit meinem Bruder. Wir hatten im Vorfeld schon ein kleines Ferienhaus in der Nähe von Übersee am Chiemsee gebucht und würden die nächsten Tage zwischen Reggae-Klängen und Alpen verbringen. Wir hatten nicht zu viel erwartet – der Urlaub war einfach klasse. Wir flogen am 22. August los und hatten ein herrliches kleines Ferienappartment im bayrischen Bad Endorf. Unsere Gastgeberin war eine liebe alte Dame mit Verwandtschaft in Potsdam, in ihrem Haus fühlten wir uns richtig wohl. In München trafen wir einen freundlichen Couchsurfer, der uns das Hofbräuhaus zeigte, wir besuchten zudem das technische Museum und den Viktualienmarkt.

Am Wochenende begaben wir uns auf das Festivalgelände und standen bei Busy Signal und Ce’Cile in der ersten Reihe. Die Stimmung war einfach klasse, die Festival-Besucher sehr freundlich und Ce’Cile erinnerte sich sogar an mich – “das Mädchen in der ersten Reihe mit der jamaikanischen Flagge”. Das Wetter war besser als erwartet, trotzdem waren mein Bruder und ich froh, dass wir ein warmes Bett und ein festes Dach über dem Kopf hatten, da es am zweiten Festival-Tag doch zu regnen anfing. Der Headliner, für den ich eigentlich die Tickets gekauft hatte, verschwand ohne aufzutreten mit dem Geld zurück nach Jamaika. Das trübte unsere Freude anfangs etwas, aber die anderen Künstler entschädigten diesen “Verlust” sehr schnell.
Wir unternahmen in der kurzen Zeit Ausflüge zur Bad Endorfer Therme und fuhren dann mit der Seilbahn bis auf eine “echt bayrische” Alm. Dort gab es Volksmusik und Erbsensuppe zum Aufwärmen. In dem kleinen Dorf Aschau fühlten wir uns wohl.

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Am 26. August mussten wir dann schon abreisen, doch der Reggae/Dancehall-Sommer ging in Berlin weiter. Wir hatten das Glück am 30. August T.O.K. live zu erleben und das war nochmal ein guter Abschluss zu den schon erlebten jamaikanischen Künstlern.

Anfang September erfüllte ich mir noch einen Traum, in dem ich Tickets für das Berlin Festival auf dem Tempelhofer Flugfeld erstand. Trotz der schlechten Reputation des Festivals war es für mich ein voller Erfolg. Ich hatte die Möglichkeit eine meine absoluten Lieblingsbands BLUR live zu erleben und am nächsten Tag traf ich sogar nach seinem Konzert den amerikanischen Rapper Hoodie Allen. Das Festival ermöglichte es mir auch, die Pet Shop Boys live zu sehen und deren Konzert war definitiv ein spektakuläres Ereignis.

Mitte September gönnten wir uns dann eine Auszeit und gemeinsam mit meiner Familie fuhren wir nach Polen, auf die Insel Wolin. Dort blieben wir eine Woche und machten nicht viel außer lange Strandspaziergänge, gute Bücher lesen und wirklich köstliches Essen genießen. Und ich versuchte mich als Hobby-Handy-Fotografin:

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Ende September zog dann meine Mitbewohnerin aus und ich kümmerte mich schnell um einen Nachmieter, um nicht ganz allein zu sein. Mitte Oktober begann erneut die Vorlesungszeit und mit ihr kam auch viel Arbeit. Meine Oma feierte dann am 2. November ihren 80. Geburtstag gemeinsam mit Familie und Freunden in der sächsischen Stadt Döbeln. Natürlich waren wir auch mit dabei.

Am 13. November besuchten mein Bruder und ich das Beenie Man Konzert im Yaam und am darauffolgenden Tag das Major Lazer Konzert in der Columbiahalle. Letzteres hatte mich jedoch nicht so überzeugt, wie der (teils umstrittene) Künstler am Vortag.

Am 26. November hatte ich das Glück bei einem RBB-Gewinnspiel teilzunehmen und Teil eines Mitsing-Chors zu werden. In der Berliner Masurenallee hatten wir Abends ein tolles Programm, welches auch live im RBB übertragen wurde.
Im Dezember hatte ich ein bisschen viel Stress durch meine Arbeit und auch durch die Uni. Es blieb nicht viel Zeit für andere Beschäftigungen, aber dafür wurde das Weihnachtsfest gemeinsam mit der Familie sehr besinnlich und entspannt. Am 14. Dezember fuhr ich noch einmal kurz nach Hamburg um eine Familienfreundin zu besuchen, am 22. Dezember holte mich dann meine Familie von Arbeit ab, um das gemeinsam Weihnachtsfest “einzuläuten”.

Die letzten Tage dieses Jahres werde ich mit meiner Familie und meinen Freunden verbringen. Am 28. Dezember werden wir noch einmal das Berliner Ensemble besuchen und den letzten Tag des Jahres werde ich mit meiner besten Freundin verbringen.
Für 2014 habe ich schon viele neue Ideen, einige sind bereits fest entschieden, wie meine Reise nach Japan im März oder einige Konzerte, die Tini bereits organisiert hat. Manche sind bis jetzt nur wage Ideen oder werden im Laufe des kommenden Jahres spontan entschieden. Vielleicht erinnere ich mich auch ab- und zu daran, die Uni nicht zu vernachlässigen. ;)
Egal, was mich in 2014 erwartet, ich hoffe, es wird genau so abwechslungsreich wie dieses Jahr. Ich bin sehr dankbar, dass ich 2013  so viel erleben durfte. Dazu muss ich sagen, dass dieser Überfluss an tollen Erlebnissen für mich nicht selbstverständlich ist, da ich vieles meinen Freunden zu verdanken habe, die für mich organisiert oder vorbereitet haben. Auch danke ich meiner Familie und meinen Lesern, mit denen ich die gemachten Erfahrungen teilen kann und die die Freude mit mir teilen. Ohne euch würde ich mir gar nicht die Mühe geben, das hier alles abzutippen. Und ohne euch würde auch dieser Blog nicht existieren. Danke, dass ihr mir treu geblieben seid.

Hoffen wir, dass ich auch nächstes Jahr diesen Blog mit vielen Erlebnissen füllen kann. Ich wünsche euch einen guten Rutsch in das neue Jahr 2014.

Z.K. 28/12/2013

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Glastonbury 2013, Green Peace und Ich

Vielleicht haben einige meiner aufmerksamen Follower in den letzten Tagen schon mitbekommen, dass ich bald erneut verreisen werde. Diesmal verschlägt es mich zurück nach Glastonbury, England und der Anlass dafür ist ein ganz Besonderer – ich werde die Möglichkeit haben, auf dem Glastonbury Festival 2013 zu arbeiten und dadurch mein Englisch zu verbessern und alle Live-Acts mitzuerleben. Diese unglaubliche Erfahrung wird mir ein langjähriger Familienfreund ermöglichen, der selber in Glastonbury wohnt und der zusammen mit seiner Schwester und seiner Nichte Teil unseres Teams sein wird.

Da ich das allererste Mal ein Festival besuche, bin ich ziemlich aufgeregt und noch viel ängstlicher, alles zu vergessen und alles falsch zu machen. Wer mich kennt weiß – ich reise am liebsten bequem und hübsch geschminkt mit Rollkoffer und Reisefön. Nun werden sich die Bedingungen etwas ändern und wenn RTL II mit auf die Reise kommen würde, wäre ich bestimmt in zwei Wochen im Fernsehen in irgendeiner nachmittäglichen Billig-Sendung die große Lachnummer. Ich werde jedoch ganz allein reisen und kann mich deshalb gehen lassen – Adieu, Rollkoffer, Hallo Rucksack! Nun packe ich das 80-Liter Trekking-Ding schon seit heut Mittag mit alten T-Shirts und weiten Hosen.

Vorbereitungen
Nun habe ich mich auch im Internet vielseitig belesen und von Ohropax bis Schlafmaske über Plastik-Becher an alles gedacht. Trotzdem bleibt eine gewisse Unsicherheit – doch ich hoffe vor Ort durch mein Team zusätzliche Unterstützung zu bekommen.

Am Sonntag, den 23. Juni fliege ich von Berlin Schönefeld aus los und werde dann voraussichtlich 17:50 Uhr in Bristol landen. Dort wird mich unser Freund abholen, gemeinsam werden wir mit dem gesamten Team Abendbrot essen und am nächsten Tag gleich auf das Festival-Gelände fahren. Wir werden voraussichtlich in Wohnwagen ohne fliessend Wasser aber mit Batterie-Betrieb untergebracht sein, da selbige nur dürftig ausgestattet sind, ist jedes Mitglied dazu angehalten, selber Schlafsack und Kissen mitzubringen. Ich werde eine 17-Stunden Schicht haben, meistens von früh bis Mittag und dann erneut die Nacht durch. Neben uns wird es viele Party-Zelte geben, von denen auch noch Nachts hungrige Festival-Besucher in unser Cafe stürmen werden. Unser Team ist sprachlich bestens ausgestattet – wir haben Mitglieder mit fliessend Englisch-, Französisch-, Deutsch-, Japanisch- und Spanisch-Kenntnisse vor Ort, sodass es auch bei internationalen Besuchern keine Probleme geben sollte.  Das Festival umfasst ein Publikum von ca. 77000 Besuchern, Toiletten wird es nur 3000 geben. Manche der Bühnen sind kilometerweit voneinander entfernt, sodass im Glasto-Ratgeber steht, man solle an Wanderschuhe denken, wenn man mehrere Musik-Acts live sehen will. Dieses Festival ist atemberaubend und weltberühmt. Allein deshalb freue ich mich schon so sehr darauf.

Grundsätzlich ist es so, dass mein gesamtes Team aus “Festival-Virgins” besteht – keiner weiß also nichts Genaues. Auch in den letzten Wochen habe ich immer nur teilweise Informationen erhalten und ab- und zu ein paar Fotos von den Vorbereitungen vor Ort. Sicher ist, dass ich für Green Peace das Catering ausrichten werde – dies wird in einem kleinen Cafe geschehen, dass eigens für das Festival aus Holz gefertigt wird.

Vor dem Cafe
Green Peace sind ein wichtiger Bestandteil des Festivals – unser Cafe wird auch neben den Green Fields zu finden sein – eine Art “Hippie-Wiese” zwischen all den unterschiedlichen Bereichen. Das Motto des Cafes soll “Eiszeit” sein, auf den Fotos wird man Eisbären erkennen, die später als Dekoration vor das Zelt gestellt werden sollen.

Glasto DekoNeben den oben genannten Green Fields befindet sich auch eine Skater-Bahn in der Nähe unseres Cafes.  Das Festival bietet also nicht nur Musik, sondern einige Attraktionen mehr.

Ich selber werde bis zum 2. Juli in England bleiben, ob ich dort Internet habe und live berichten kann, ist – wie so vieles – noch unklar. Ich werde versuchen, zwischen all der Übermüdung, dem Schlamm und der Aufregung und Freude zu twittern und ein paar Impressionen mit euch zu teilen. Wer jetzt denkt, ich werde dort viel Spaß haben und viel Geld verdienen irrt sich nur bei Letzterem – das Geld, was ich dort verdiene wird nur ausreichen, um die Kosten für die Live-Acts zu tragen, die ich sehen will. Ich freue mich dabei besonders auf Mumford and Sons sowie die Rolling Stones und Bobby Womack. ;)

Vorab würde ich es toll finden, wenn mir ein paar “alte Festival-Hasen” noch Tipps in den Kommentaren hinterlassen würden. Bis Sonntag habe ich noch Zeit, meinen Rucksack zu füllen oder erneut alles umzupacken. Auf mich warten sehr anstrengende, schlaflose 10 Tage. Ich freue mich darauf und werde spätestens bei meiner Heimkehr darüber berichten. Peace.

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Kurztrip nach Antwerpen und Gotye im Sportpaleis

„Einen Tag lang nach Antwerpen fliegen, die Stadt angucken und abends zu dem Gotye-Konzert im Sportpaleis gehen? Am nächsten Morgen gleich wieder nach Deutschland zurück fliegen und das in aller Frühe? …Klingt verrückt genug – das mach ich!“

Das mir dann Abends beim Konzert der Rücken weh tat und die Füße angeschwollen waren, bemerkte ich erst zwischen den Band-Pausen. Auf dem Rückflug übermannte mich auch ein wenig Müdigkeit. Aber – es hatte sich definitiv gelohnt!

Am Donnerstag, den 1. November stand ich rechtzeitig um kurz vor 4 Uhr auf, um noch einmal den Koffer zu überprüfen und mich für die Reise startklar zu machen. Trotz Doppelchecks vergass ich Zahnbürste und Deo. Aber sowas kommt halt in den besten Reisevorbereitungen vor. Mit dem bequemen Regionalzug ging es dann von Potsdam direkt nach Berlin Schönefeld – so weit so gut.

Eine Stunde vor Abflug schlängelte ich mich durch die Sicherheitskontrollen – Check-In war mit meinem Handgepäck nicht nötig und so ging alles sehr schnell und zügig. Im Handumdrehen sass ich im Flieger, drei Sitze für mich allein, kurz vor 7 Uhr. Vor mir eine Werbung für Leckereien, die man an Bord erwerben konnte – auch belgische Waffeln.
Meine Vorfreude wuchs.
Kurz nickte ich ein, dann wurde der Landeanflug angekündigt und erneut fand ich mich auf dem Brüsseler Flughafen wieder. Das dritte Mal in diesem Jahr, langsam fühle ich mich heimisch in Belgien’s Hauptstadt.

Mit Gepäck dann zum Bahnhof, ein Two-Way-Ticket für Antwerpen erstanden und erneut sass ich reibungslos schnell im Zug. Dort war ich relativ alleine, später fand ich heraus, dass in Belgien Feiertag war und auch deshalb alle Geschäfte geschlossen waren.
Nur 39 Minuten brauchte ich von Brüssel bis nach Antwerpen, dabei sass ich sogar in einem Regional-Zug, der kleine verregnet Stationen mit den lustigen Namen wie Mechelen oder Duffel mitnahm.

Antwerpen begrüßte mich eher mit grauen, trüben Wetter, trotzdem war der Hauptbahnhof wahnsinnig beeindrucken und leicht verwirrend. Touristen-like machte ich gleich Fotos bei meiner Ankunft.
Mit dem GPS-Handy meines Bruders irrte ich drei Runden um den Bahnhofsvorplatz – mein Hotel hätte ich schneller gefunden, wenn ich einmal nach oben auf die Beschriftung der Häuser geachtet hätte, als auf das kleine Display in meiner Hand.
Check-In war noch nicht möglich, das Gepäck konnte ich aber vorerst abgeben (Warum ich für nur einen Tag einen ganzen Koffer mitnahm, bleibt mir auch unerklärlich).
Nebenan gab es ein kleines Cafe, indem man mir ein frisches Käsesandwich mit Cola für nur 3 Euro zubereitete. Das Essen in Belgien ist ausnahmslos gut. Ich wurde noch nie enttäuscht.

In der Touristen-Information am Bahnhof beriet mich ein netter Herr, dass am Feiertag fast alle Museen geschlossen waren und erklärte mir den Weg zum Zentrum. Er gab mir den Tipp, das einzig offene Mode-Museum zu besuchen, „since it’s a girly thing“.
Mit 5 verschiedenen Stadtplänen ausgestattet und voller Elan machte ich mich auf den Weg, vorbei an geschlossenen Diamant-Geschäften, flämischen Kunsthäusern und immer wieder umzingelt von Japanern. Ich lernte viel während meinem Aufenthalt in Antwerpen, da es immer japanische Reisegruppen gab, an die ich mich unauffällig hängen konnte.
20 Minuten brauchte ich vom Bahnhof bis zum Grote Markt in Antwerpen, ein paar Souvenir-Läden waren offen, in denen ich mich mit Schokolade und Postkarten eindecken konnte.
13 Uhr begann die Besichtigung der “Onze lieve Vrouwekathedraal”, bis dahin lernte ich noch ein paar japanische Austauschstudenten kennen, denen ich erklärte, dass Belgien so schön war, weil man hier so viele Japaner antraf.

Ich spazierte zum Fluss Scheldt, um den Grote Markt herum und zurück zur Kirche – inzwischen war es 13 Uhr und ich konnte für 3 Euro in die Kirche und Rubens Meisterwerke besichtigen. Ich verbrachte dort eine Stunde, flankiert von Japanern und zusammen stimmten wir in ein „Oooh!“ und „Toll!“ vor den Darstellungen Christis ein.
Ein paar Minuten ruhte ich mich unter den Augen der Jungfrau Maria aus, dann ging ich weiter durch die Stadt. Selbstverständlich gab es belgische Pommes zum Mittagessen. Nach dem Schreiben von Postkarten und Aufwärmen spazierte ich langsam zum Hotel zurück, um mich auszuruhen. Nach einer heißen Dusche war es schon 17 Uhr, deshalb schlüpfte ich in mein Gotye-Tshirt und machte mich auf den Weg zum Sportpaleis.

Mit der U-Bahn, die aussah wie eine Tram fuhr ich nur 5 Stationen bis zu der Haltestelle „Sport“ – vor einer großen Halle hatten sich schon ein paar Menschen versammelt, die mir auch bestätigten, dass sie für Gotye anstanden. Ich war aufgeregt und freute mich auf Wally wie ein kleines Kind.

Pünktlich gegen 18:30 Uhr wurden die Türen geöffnet, ich stürmte in die Halle und ergatterte einen Platz in der ersten Reihe neben einer netten französisch-sprechenden Belgierin. Ich konnte meinen Mantel und meine Tasche bequem über die Eisenabsperrung hängen und bis 20:30 sass ich, um meinen Rücken zu schonen, auf dem Boden. 5000 Menschen versammelten sich um mich herum in dem Sportpaleis, dass dem Berliner Tempodrom sehr ähnelte. Gegen 20:30 Uhr waren auch alle Plätze auf den Rängen belegt. Die Anspannung stieg.
Der erste Künstler der pünktlich halb neun auftrat war Jonti, der das Publikum mit sehr experimenteller Musik aus Ukulele, Gitarre und Computer unterhielt. Der Bass war etwas übersteuert, aber trotzdem gefiel mir diese Art von Musik. Jonti bedankte sich immer wieder, dass man für ihn extra eher erschienen war, das Publikum verabschiedete sich von ihm mit lautem Applaus. Nach Jonti trat die australische Band PVT auf; nach der langen Wartezeit waren die Menschen um mich herum schon etwas ungeduldig und man spürte Enttäuschung, als Wally immer noch nicht auf der Bühne stand. PVT waren trotzdem sehr gut, ähnlich wie Jonti und Gotye arbeiteten sie mit Computern und Samples, aber auch mit Gitarren und Schlagzeug. Sie erinnerten mich ein wenig an eine australische And One Kopie und der Sänger war sehr sympathisch, da er immer wieder Flämisch einwarf oder australische Stereotypen bediente.
Nach PVT bauten die Techniker die Bühne erneut komplett um, das Publikum startete eine Laola-Welle, in der jeder mit einstimmte. Ich möchte an dieser Stelle auch ein Kompliment für das Antwerpener Publikum aussprechen – kein Kreischen, kein Schreien, kein Drängeln und kein Drücken. Neben mir brach schon bei der zweiten Vorband ein Mädchen zusammen, gemeinsam halfen wir ihr, wieder auf die Beine zu kommen. Das Konzert-Erlebnis war also durch das tolle Publikum besonders angenehm.
Endlich trat Gotye auf – gemeinsam mit seiner Band kam er ganz unspektakulär auf die Bühne und begann den Abend mit „The Only Way“. Das Publikum tobte vom ersten Lied an bis zum Ende.
Es wurden auch ältere Lieder wie „Night Drive“, „What do you want“ oder „Seven hours with a backseat driver“ gespielt, vor allem die Animationen zu den einzelnen Liedern waren wieder beeindruckend. Bei „Somebody that I used to know“ bat Wally uns aus Flämisch Kimbra’s Part zu singen und alle halfen kräftig mit. Wally Flämisch sprechen zu hören war sowieso ein ganz tolles Highlight, für das ich hauptsächlich nach Antwerpen gefahren bin.
Gegen Mitternacht und drei Zugabe-Liedern war das Konzert vorbei, ich fing noch das Plektrum des Bassisten der Band und drängelte mich dann erschöpft mit dem Rest des Publikums nach Hause. Die U-Bahnen waren überfüllt, zweimal stieg ich falsch aus, weil ich noch völlig verwirrt-glücklich auf mein Plektrum starrte. Freundliche Belgier wiesen mich aber immer wieder darauf hin, dass ich noch nicht am Hauptbahnhof war.
Erschöpft erreichte ich gegen 1 Uhr mein Hotel und fand nur drei Stunden Schlaf. Immer wieder wachte ich mit der Vorahnung auf, ich würde mein Flieger verpassen. Die Bauplane vor dem Hotelfenster klatschte regennass gegen das Glas und erinnerte mich daran, dass ich nicht zu Hause war. Um 5 Uhr gab ich das Schlafen auf, ging duschen und begab mich zum Check-Out. Obwohl ich das Hotel rechtzeitig verließ, schickte man mich am Bahnhof mehrmals in die Irre, sodass ich meinen Zug verpasste und einen anderen Zug nehmen musste. Ein hübscher junger Schaffner mit niedlichem Akzent zeigte mir endlich den richtigen Zug und wünschte mir viel Erfolg. Mein Umstieg, der in Mechelen statt finden sollte, missglückte auch und ich sass gegen 7:55 Uhr immer noch am Bahnhof fest. Das Gate würde um 8:20 Uhr schließen. Erneut halfen mir nette Belgier, das richtige Gleis zu finden.
8:05 Uhr fuhr mein Zug ein, 8:16 erreichte ich den Flughafen und noch nie hatte ich mich selbst so schnell mit einem Koffer rennen gesehen. Insgeheim hoffte ich, den Flug zu verpassen und länger in Belgien bleiben zu können.

Unwirsch drängelte ich mich durch die Sicherheitskontrolle und rannte zum Gate, kurz vorm Boarding schaffte ich es noch, den Flieger zu erreichen. Schade eigentlich.

Erschöpft und mit wirren Haaren liess ich mich in den Flugzeug-Sessel plumpsen. Neben mir saßen zwei freundliche Belgier, die ihr Deutsch für Berlin übten „Ich mag Sauerkraut.“.
Müde wechselte ich ein paar Worte und die Telefonnummer mit ihnen, dann schlief ich ein.

Als ich Berlin erreichte, wurde ich ein wenig traurig. Obwohl in Deutschland die Sonne schien, erschien es mir trister als Antwerpen im Regen. Vielleicht lag das an den Gesichtern der Menschen um mich herum.

Nächstes Jahr möchte ich nach Brügge fahren, denn schon jetzt vermisse ich die Freundlichkeit der Belgier und die kulinarischen Köstlichkeiten des Landes. Belgien war erneut inspirierend und abwechslungsreich. Das Gotye-Konzert war -wie erwartet – einfach großartig. Am Samstag lag ich etwas erschöpft und krank im Bett, doch der ganze Aufwand hatte sich definitiv gelohnt.
Wally selbst eröffnete sein Konzert am Abend mit den Lyrics aus „The only way“:

„Calm down now baby, the end of the journey’s in sight.
You traveled so far, love, now all of the stars are aligned…“

 

Im Nachhinein bin ich mir sicher, dass er mich damit meinte.

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