Meine Reisen

Asien, Europa, Amerika… so weit mich mein Geldbeutel fliegen laesst.

Nachtrag – ein kurzer Blogpost aus Russland

Ankunft in Moskau – verlassen und sauber wie ich es gewohnt bin. Ein riesengroßer Flughafen, der vor allem zur Abendstunde einsam wird. Woher ich das jetzt schon weiß?

Ich habe hier schon einmal 6 Stunden auf meinen Anschluss-Flug gewartet und hatte damals ein richtig spannendes Buch mit, welches es mir möglich machte, die Zeit zu verkürzen. 
Etwas wagemutig habe ich mich in ein Cafe direkt an eine große Glasfront mit Blick auf Startbahn gesetzt. Es gibt im ganzen Flughafen keinen Geld-Automaten, aber trotzdem habe ich einfach einen Lachs-Bagel und einen zuckersüßen Pfefferminz-Tee bestellt, der etwas im trockenen Hals kratzt. Ich verlasse mich darauf, dass meine EC-Karte akzeptiert wird. Natürlich habe ich genug Geld mit – aber das ist alles schon in Yen umgetauscht und deshalb bestimmt noch nicht einsetzbar. 
Der süße Tee zerrt ein bisschen an meinen Zähen, aber der Bagel ist sehr lecker. Im Flugzeug gab es nur einen kleinen veganen Nudelsalat und zwei Scheiben geschnittene Orange. 
Ich hatte zwar vorsorglich eine vegetarische Mahlzeit bestellt, aber von „einer kleinen Portion“ war nie die Rede. 
Egal. Der Bagel wird hoffentlich bis Abends vorhalten.

Hier ist es fast schon 17 Uhr, die Sonne kneift trotzdem noch in den Augen. Mir den Platz direkt am Fenster zu suchen war nicht so schlau, trotzdem ist der Sessel so herrlich durchgesessen, dass ich nicht aufstehen will.
 In wenigen Stunden bin ich zu Hause, zurück in Narita. 
Dabei begann der Morgen nicht gerade perfekt.

Noch nie habe ich irgendetwas verschlafen und immer höre ich den Wecker, schon allein weil mein Schlaf vor solchen wichtigen Reisen unruhig ist. Doch heute früh war mein Wecker einfach ausgestellt, Zu dem Zeitpunkt, wo ich eigentlich hätte aufwachen müssen, lag ich noch schlummernd im Kissen.
Was sich die Technik in meinem Handy dabei gedacht hat, will ich gar nicht wissen. Verzweifelt suche ich noch immer nach einem Schuldigen. Aber nun weiß ich auch, dass ich mich nicht mehr auf die App „Sleep Bot“ verlassen darf. (Ja, ich rate von dieser App ab! Selbst wenn sie mir bis dahin treue Dienste geleistet hat – einmal ist keinmal!)

Meine innere Uhr rettete mich dennoch. Geistesgegenwärtig griff ich nach Handy und Aufladegerät, bemerkte, dass ich nur um eine Stunde verspätet war und machte meinen Bruder wach. Selbiger suchte mir einen anderen Zug nach Schönefeld heraus, während ich meine letzte Dusche vor meiner Ankunft in Japan nahm. Denn egal, wie spät man dran ist – ungewaschen fliegt man nirgendwo hin. 
Ich schaffte die selbe Zugverbindung nur eine Stunde später und rief auf dem Weg dahin in Schönefeld und bei meiner Fluggesellschaft an – den Tränen nah wollte ich mich nur versichern, dass ich es schaffen würde.
Und man gab mir eine positive Antwort. Im Zug konnte ich sogar ein paar Witze mit meinem Bruder machen.
Trotzdem saß der Schock noch tief, selbst als ich schon im Transit-Bereich saß. 
Die Vorfreude wuchs erst ein wenig, als ich dann im durchgesessenen Sessel des Flugzeugs saß und die russisches Stewardess mich fürsorglich anlächelte. Anbei – ich habe das Gefühl, dass alle russischen Sessel gemütlich durchgessen sind – auch im Flugzeug ist man in dem weichen Leder herrlich drin versunken.

Jetzt bin ich hier in Moskau. Und die Sonne scheint. Vielleicht bin ich doch ein echtes Glückskind.
In ein paar Stunden geht es weiter. Und dann fühle ich mich endlich wieder heimisch.

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Ein privater Jahresrückblick 2013

Jedes Jahr versuche ich einen Jahresrückblick für mich selbst zu schreiben, um die vergangen Events gebührend Revue passieren zu lassen und um mich selbst noch einmal daran zu erinnern, wie ich das bald endende Jahr erlebt habe.

2013 war ein sehr gutes Jahr. Während ich mein Moleskine-Kalender durchblätterte, merkte ich, dass ich vollends zufrieden mit diesem Jahr sein konnte. Ich bemerkte aber auch, dass ich fast keine Woche frei hatte oder es fast keinen Tag gab, an dem ich nicht irgendetwas vor hatte.
Das Neujahr konnte nur gut werden, da ich es im Kreis meiner japanischen Familie in Tokyo verbrachte. Am 3. Januar flog ich heim und begann das neue Jahr wieder mit Uni-Alltag und Arbeit in Potsdam.
Schon im Januar stand der Headliner für das Chiemsee Reggae Festival fest und mein Bruder und ich bestellten frühzeitig Karten. Am 22. Januar sah ich gemeinsam mit meiner Familie die japanischen Tao-Trommler live in Berlin. Zu meinem Geburtstag am 27. Januar hatte ich das Glück mich selbst beschenken zu können – mit dem Awolnation Konzert im Magnet Club in Berlin. Der Februar war eher geprägt durch Klausuren und Hausarbeiten. (Die Ergebnisse lagen wie immer im Mittelmaß, oder auch: Hauptsache geschafft! ;))
Ich verreiste vorerst nicht und nahm mir genug Zeit für die zu erledigenden Aufgaben in der Uni. Ich schaffte es dennoch liebe Menschen von Twitter kennen zu lernen und gemeinsam einige Filme bei der diesjährigen Berlinale anzuschauen. Im März hatte ich vor allem viel Arbeit und half bei den Ostervorbereitungen meiner Arbeitsstelle.

Mitte März entschied ich mich aber dann doch noch einmal nach Belgien zu fliegen und verbrachte einige wunderschöne Tage in Brüssel, Brügge und Gent. Ich blieb bis zum 20. März und mein belgischer Freund ermöglichte es mir sogar, einen Tag am Meer zu verbringen.

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Ende März und Anfang April besuchte ich oft das Berliner Ensemble. Meinem Vater schenkte ich Tickets für die “Dreigroschenoper” zum Geburtstag.  Im April begann das neue Sommersemester und ich entschied mich dafür Chinesisch zu lernen – eine Entscheidung, die ich nicht bereut habe. Auch wenn mein Stundenplan bis zum Sommer hin ausgefüllt war, erreichte ich meine selbstgesteckten Ziele und schaffte mein vorgenommenes Pensum (das glaube ich zumindest!). Im Mai hatten wir erneut für vier Tage Besuch von unseren japanischen Freunden aus Kagoshima. Gemeinsam besuchten wir die “Zauberflöte” in Berlin und gingen in einer typisch berlinerischen Kneipe essen.

Am 18. Mai fuhr ich gemeinsam mit meiner besten Konzert-Freundin Tini zum Calmando Qual Konzert in Köln. Ein Erlebnis, das man hier noch einmal nachlesen kann. Da Calmando Qual  dieses Jahr beschlossen, sich aufzulösen, waren wir mehr als froh darüber, sie noch einmal live gesehen zu haben. (Ja, ich weine immer noch! :/)

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Ende Mai besuchte uns erneut unser Freund aus England, er blieb eine Woche und ich schaffte es, ihn am Wochenende im Haus meiner Eltern zu treffen. Kurz nach seiner Abreise würde ich ihm hinter herfliegen.
Vorher fuhr ich aber erneut mit Tini nach Köln – diesmal für meine absolute Lieblingsband Dir en Grey, welche ein Konzert in Deutschland angekündigt hatten. Auch hier hat Tini einen wundervollen Bericht dazu geschrieben. (Mein etwas empörter Artikel zum Konzert kann beim Stöbern durch den Blog gefunden werden. ;))
Natürlich enttäuschten uns Dir en Grey nicht, auch wenn wir langsam schon die Nase voll von den langen Fahrten nach Köln hatten. Aber das VIP-Paket, welches wir dazu gebucht hatten entschädigte uns für die lange Anfahrt.

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Am 23. Juni flog ich dann gleich weiter nach Bristol und fuhr dann nach Glastonbury. Ich blieb bis zum 2. Juli in England, um gemeinsam mit der Familie unseres besten englischen Freundes beim Glastonbury Festival 2013 zu arbeiten. Dort war ich Angestellte in einem Cafe, welches sich auf dem Themen-Feld von Greenpeace befand. Ich bediente Gäste, schnitt Kuchen und kochte Tee, zusätzlich hatte ich die Möglichkeit mein Englisch zu verbessern, die Rolling Stones live zu sehen und eine der wundervollsten und magischsten Wochen meines Lebens zu vollbringen. Ich kam ziemlich erschöpft und krank zurück, da die nächtlichen 12-Stunden-Schichten wirklich kein Urlaub waren. Dennoch würde ich sofort wieder hinfliegen, sollte ich die Chance dazu haben. Ich bin meinen englischen Freunden immer noch sehr dankbar, dass sie mir diese Arbeit ermöglicht haben. Und nächstes Jahr werde ich höchstwahrscheinlich erneut dabei sein.

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Bei meiner Rückkehr ging es dann gleich zur Sache und ich schrieb meine Chinesisch-Prüfung und hielt einige Referate. Ein bisschen hatte ich die Uni schon vergessen, aber das konnte man mir nach den erlebten Ereignisse auch nicht übel nehmen. ;)
Am 13. Juli hatten wir dann noch einmal die Möglichkeit ein Konzert zu besuchen – erneut war ich mit Tini in Berlin unterwegs und wir lernten die Band ADAMS kennen und lieben.

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Unser Sommer war geprägt von japanischen Konzerten und als “Hardcore”-Bangyas (Bandgirls) ließen Tini und ich es uns auch nicht nehmen, gleich am 15. bis nach München zu fahren, um dort Deathgaze live zu sehen. Der kurze Abstand zwischen den Konzerten machte uns nichts aus und auch wenn Deathgaze mit einer lauten und harten Performance überzeugten, schafften wir es am nächsten Tag gleich zurück nach Berlin (Headbang-Nackenschmerzen inklusive!). Ende Juli schrieb ich dann noch einige Hausarbeiten für die Uni und genoss die vorerst freie Zeit. Anfang August besuchte mich meine japanische Lehrerin und gemeinsam erlebten wir ein paar schöne Tage in Potsdam und Berlin. Wir besuchten den Filmpark Babelsberg und machten einen Park-Spaziergang durch Sanssouci. In Berlin gingen wir gemeinsam auf Kneipentour und trafen ehemalige Austauschschüler von meiner japanischen Schule. Meine Lehrerin blieb bis zum 14. August und ich brachte sie noch bis zum Berliner Flughafen.

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Ohne groß Luft zu holen ging es dann am 16. August gleich weiter zum Capleton-Konzert im Berliner “Bi Nuu”. Dieses Konzert war der Start für meinen gemeinsamen Reggae-Sommer mit meinem Bruder und es war auch mit Abstand eines der besten Reggae-Konzerte, die ich erleben durfte. Am darauffolgenden Sonntag, den 18. August nahmen meine Mama und ich noch an einem buddhistisch-japanischen Sommerfest in Berlin teil, ich hüllte mich nach langer Zeit wieder in meinen Yukata und wir lernten auf dem Fest nette, in Deutschland lebende Japaner kennen. Am 21. August begann dann das große Packen für einen Bayern-Urlaub gemeinsam mit meinem Bruder. Wir hatten im Vorfeld schon ein kleines Ferienhaus in der Nähe von Übersee am Chiemsee gebucht und würden die nächsten Tage zwischen Reggae-Klängen und Alpen verbringen. Wir hatten nicht zu viel erwartet – der Urlaub war einfach klasse. Wir flogen am 22. August los und hatten ein herrliches kleines Ferienappartment im bayrischen Bad Endorf. Unsere Gastgeberin war eine liebe alte Dame mit Verwandtschaft in Potsdam, in ihrem Haus fühlten wir uns richtig wohl. In München trafen wir einen freundlichen Couchsurfer, der uns das Hofbräuhaus zeigte, wir besuchten zudem das technische Museum und den Viktualienmarkt.

Am Wochenende begaben wir uns auf das Festivalgelände und standen bei Busy Signal und Ce’Cile in der ersten Reihe. Die Stimmung war einfach klasse, die Festival-Besucher sehr freundlich und Ce’Cile erinnerte sich sogar an mich – “das Mädchen in der ersten Reihe mit der jamaikanischen Flagge”. Das Wetter war besser als erwartet, trotzdem waren mein Bruder und ich froh, dass wir ein warmes Bett und ein festes Dach über dem Kopf hatten, da es am zweiten Festival-Tag doch zu regnen anfing. Der Headliner, für den ich eigentlich die Tickets gekauft hatte, verschwand ohne aufzutreten mit dem Geld zurück nach Jamaika. Das trübte unsere Freude anfangs etwas, aber die anderen Künstler entschädigten diesen “Verlust” sehr schnell.
Wir unternahmen in der kurzen Zeit Ausflüge zur Bad Endorfer Therme und fuhren dann mit der Seilbahn bis auf eine “echt bayrische” Alm. Dort gab es Volksmusik und Erbsensuppe zum Aufwärmen. In dem kleinen Dorf Aschau fühlten wir uns wohl.

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Am 26. August mussten wir dann schon abreisen, doch der Reggae/Dancehall-Sommer ging in Berlin weiter. Wir hatten das Glück am 30. August T.O.K. live zu erleben und das war nochmal ein guter Abschluss zu den schon erlebten jamaikanischen Künstlern.

Anfang September erfüllte ich mir noch einen Traum, in dem ich Tickets für das Berlin Festival auf dem Tempelhofer Flugfeld erstand. Trotz der schlechten Reputation des Festivals war es für mich ein voller Erfolg. Ich hatte die Möglichkeit eine meine absoluten Lieblingsbands BLUR live zu erleben und am nächsten Tag traf ich sogar nach seinem Konzert den amerikanischen Rapper Hoodie Allen. Das Festival ermöglichte es mir auch, die Pet Shop Boys live zu sehen und deren Konzert war definitiv ein spektakuläres Ereignis.

Mitte September gönnten wir uns dann eine Auszeit und gemeinsam mit meiner Familie fuhren wir nach Polen, auf die Insel Wolin. Dort blieben wir eine Woche und machten nicht viel außer lange Strandspaziergänge, gute Bücher lesen und wirklich köstliches Essen genießen. Und ich versuchte mich als Hobby-Handy-Fotografin:

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Ende September zog dann meine Mitbewohnerin aus und ich kümmerte mich schnell um einen Nachmieter, um nicht ganz allein zu sein. Mitte Oktober begann erneut die Vorlesungszeit und mit ihr kam auch viel Arbeit. Meine Oma feierte dann am 2. November ihren 80. Geburtstag gemeinsam mit Familie und Freunden in der sächsischen Stadt Döbeln. Natürlich waren wir auch mit dabei.

Am 13. November besuchten mein Bruder und ich das Beenie Man Konzert im Yaam und am darauffolgenden Tag das Major Lazer Konzert in der Columbiahalle. Letzteres hatte mich jedoch nicht so überzeugt, wie der (teils umstrittene) Künstler am Vortag.

Am 26. November hatte ich das Glück bei einem RBB-Gewinnspiel teilzunehmen und Teil eines Mitsing-Chors zu werden. In der Berliner Masurenallee hatten wir Abends ein tolles Programm, welches auch live im RBB übertragen wurde.
Im Dezember hatte ich ein bisschen viel Stress durch meine Arbeit und auch durch die Uni. Es blieb nicht viel Zeit für andere Beschäftigungen, aber dafür wurde das Weihnachtsfest gemeinsam mit der Familie sehr besinnlich und entspannt. Am 14. Dezember fuhr ich noch einmal kurz nach Hamburg um eine Familienfreundin zu besuchen, am 22. Dezember holte mich dann meine Familie von Arbeit ab, um das gemeinsam Weihnachtsfest “einzuläuten”.

Die letzten Tage dieses Jahres werde ich mit meiner Familie und meinen Freunden verbringen. Am 28. Dezember werden wir noch einmal das Berliner Ensemble besuchen und den letzten Tag des Jahres werde ich mit meiner besten Freundin verbringen.
Für 2014 habe ich schon viele neue Ideen, einige sind bereits fest entschieden, wie meine Reise nach Japan im März oder einige Konzerte, die Tini bereits organisiert hat. Manche sind bis jetzt nur wage Ideen oder werden im Laufe des kommenden Jahres spontan entschieden. Vielleicht erinnere ich mich auch ab- und zu daran, die Uni nicht zu vernachlässigen. ;)
Egal, was mich in 2014 erwartet, ich hoffe, es wird genau so abwechslungsreich wie dieses Jahr. Ich bin sehr dankbar, dass ich 2013  so viel erleben durfte. Dazu muss ich sagen, dass dieser Überfluss an tollen Erlebnissen für mich nicht selbstverständlich ist, da ich vieles meinen Freunden zu verdanken habe, die für mich organisiert oder vorbereitet haben. Auch danke ich meiner Familie und meinen Lesern, mit denen ich die gemachten Erfahrungen teilen kann und die die Freude mit mir teilen. Ohne euch würde ich mir gar nicht die Mühe geben, das hier alles abzutippen. Und ohne euch würde auch dieser Blog nicht existieren. Danke, dass ihr mir treu geblieben seid.

Hoffen wir, dass ich auch nächstes Jahr diesen Blog mit vielen Erlebnissen füllen kann. Ich wünsche euch einen guten Rutsch in das neue Jahr 2014.

Z.K. 28/12/2013

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Glastonbury 2013, Green Peace und Ich

Vielleicht haben einige meiner aufmerksamen Follower in den letzten Tagen schon mitbekommen, dass ich bald erneut verreisen werde. Diesmal verschlägt es mich zurück nach Glastonbury, England und der Anlass dafür ist ein ganz Besonderer – ich werde die Möglichkeit haben, auf dem Glastonbury Festival 2013 zu arbeiten und dadurch mein Englisch zu verbessern und alle Live-Acts mitzuerleben. Diese unglaubliche Erfahrung wird mir ein langjähriger Familienfreund ermöglichen, der selber in Glastonbury wohnt und der zusammen mit seiner Schwester und seiner Nichte Teil unseres Teams sein wird.

Da ich das allererste Mal ein Festival besuche, bin ich ziemlich aufgeregt und noch viel ängstlicher, alles zu vergessen und alles falsch zu machen. Wer mich kennt weiß – ich reise am liebsten bequem und hübsch geschminkt mit Rollkoffer und Reisefön. Nun werden sich die Bedingungen etwas ändern und wenn RTL II mit auf die Reise kommen würde, wäre ich bestimmt in zwei Wochen im Fernsehen in irgendeiner nachmittäglichen Billig-Sendung die große Lachnummer. Ich werde jedoch ganz allein reisen und kann mich deshalb gehen lassen – Adieu, Rollkoffer, Hallo Rucksack! Nun packe ich das 80-Liter Trekking-Ding schon seit heut Mittag mit alten T-Shirts und weiten Hosen.

Vorbereitungen
Nun habe ich mich auch im Internet vielseitig belesen und von Ohropax bis Schlafmaske über Plastik-Becher an alles gedacht. Trotzdem bleibt eine gewisse Unsicherheit – doch ich hoffe vor Ort durch mein Team zusätzliche Unterstützung zu bekommen.

Am Sonntag, den 23. Juni fliege ich von Berlin Schönefeld aus los und werde dann voraussichtlich 17:50 Uhr in Bristol landen. Dort wird mich unser Freund abholen, gemeinsam werden wir mit dem gesamten Team Abendbrot essen und am nächsten Tag gleich auf das Festival-Gelände fahren. Wir werden voraussichtlich in Wohnwagen ohne fliessend Wasser aber mit Batterie-Betrieb untergebracht sein, da selbige nur dürftig ausgestattet sind, ist jedes Mitglied dazu angehalten, selber Schlafsack und Kissen mitzubringen. Ich werde eine 17-Stunden Schicht haben, meistens von früh bis Mittag und dann erneut die Nacht durch. Neben uns wird es viele Party-Zelte geben, von denen auch noch Nachts hungrige Festival-Besucher in unser Cafe stürmen werden. Unser Team ist sprachlich bestens ausgestattet – wir haben Mitglieder mit fliessend Englisch-, Französisch-, Deutsch-, Japanisch- und Spanisch-Kenntnisse vor Ort, sodass es auch bei internationalen Besuchern keine Probleme geben sollte.  Das Festival umfasst ein Publikum von ca. 77000 Besuchern, Toiletten wird es nur 3000 geben. Manche der Bühnen sind kilometerweit voneinander entfernt, sodass im Glasto-Ratgeber steht, man solle an Wanderschuhe denken, wenn man mehrere Musik-Acts live sehen will. Dieses Festival ist atemberaubend und weltberühmt. Allein deshalb freue ich mich schon so sehr darauf.

Grundsätzlich ist es so, dass mein gesamtes Team aus “Festival-Virgins” besteht – keiner weiß also nichts Genaues. Auch in den letzten Wochen habe ich immer nur teilweise Informationen erhalten und ab- und zu ein paar Fotos von den Vorbereitungen vor Ort. Sicher ist, dass ich für Green Peace das Catering ausrichten werde – dies wird in einem kleinen Cafe geschehen, dass eigens für das Festival aus Holz gefertigt wird.

Vor dem Cafe
Green Peace sind ein wichtiger Bestandteil des Festivals – unser Cafe wird auch neben den Green Fields zu finden sein – eine Art “Hippie-Wiese” zwischen all den unterschiedlichen Bereichen. Das Motto des Cafes soll “Eiszeit” sein, auf den Fotos wird man Eisbären erkennen, die später als Dekoration vor das Zelt gestellt werden sollen.

Glasto DekoNeben den oben genannten Green Fields befindet sich auch eine Skater-Bahn in der Nähe unseres Cafes.  Das Festival bietet also nicht nur Musik, sondern einige Attraktionen mehr.

Ich selber werde bis zum 2. Juli in England bleiben, ob ich dort Internet habe und live berichten kann, ist – wie so vieles – noch unklar. Ich werde versuchen, zwischen all der Übermüdung, dem Schlamm und der Aufregung und Freude zu twittern und ein paar Impressionen mit euch zu teilen. Wer jetzt denkt, ich werde dort viel Spaß haben und viel Geld verdienen irrt sich nur bei Letzterem – das Geld, was ich dort verdiene wird nur ausreichen, um die Kosten für die Live-Acts zu tragen, die ich sehen will. Ich freue mich dabei besonders auf Mumford and Sons sowie die Rolling Stones und Bobby Womack. ;)

Vorab würde ich es toll finden, wenn mir ein paar “alte Festival-Hasen” noch Tipps in den Kommentaren hinterlassen würden. Bis Sonntag habe ich noch Zeit, meinen Rucksack zu füllen oder erneut alles umzupacken. Auf mich warten sehr anstrengende, schlaflose 10 Tage. Ich freue mich darauf und werde spätestens bei meiner Heimkehr darüber berichten. Peace.

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Kurztrip nach Antwerpen und Gotye im Sportpaleis

„Einen Tag lang nach Antwerpen fliegen, die Stadt angucken und abends zu dem Gotye-Konzert im Sportpaleis gehen? Am nächsten Morgen gleich wieder nach Deutschland zurück fliegen und das in aller Frühe? …Klingt verrückt genug – das mach ich!“

Das mir dann Abends beim Konzert der Rücken weh tat und die Füße angeschwollen waren, bemerkte ich erst zwischen den Band-Pausen. Auf dem Rückflug übermannte mich auch ein wenig Müdigkeit. Aber – es hatte sich definitiv gelohnt!

Am Donnerstag, den 1. November stand ich rechtzeitig um kurz vor 4 Uhr auf, um noch einmal den Koffer zu überprüfen und mich für die Reise startklar zu machen. Trotz Doppelchecks vergass ich Zahnbürste und Deo. Aber sowas kommt halt in den besten Reisevorbereitungen vor. Mit dem bequemen Regionalzug ging es dann von Potsdam direkt nach Berlin Schönefeld – so weit so gut.

Eine Stunde vor Abflug schlängelte ich mich durch die Sicherheitskontrollen – Check-In war mit meinem Handgepäck nicht nötig und so ging alles sehr schnell und zügig. Im Handumdrehen sass ich im Flieger, drei Sitze für mich allein, kurz vor 7 Uhr. Vor mir eine Werbung für Leckereien, die man an Bord erwerben konnte – auch belgische Waffeln.
Meine Vorfreude wuchs.
Kurz nickte ich ein, dann wurde der Landeanflug angekündigt und erneut fand ich mich auf dem Brüsseler Flughafen wieder. Das dritte Mal in diesem Jahr, langsam fühle ich mich heimisch in Belgien’s Hauptstadt.

Mit Gepäck dann zum Bahnhof, ein Two-Way-Ticket für Antwerpen erstanden und erneut sass ich reibungslos schnell im Zug. Dort war ich relativ alleine, später fand ich heraus, dass in Belgien Feiertag war und auch deshalb alle Geschäfte geschlossen waren.
Nur 39 Minuten brauchte ich von Brüssel bis nach Antwerpen, dabei sass ich sogar in einem Regional-Zug, der kleine verregnet Stationen mit den lustigen Namen wie Mechelen oder Duffel mitnahm.

Antwerpen begrüßte mich eher mit grauen, trüben Wetter, trotzdem war der Hauptbahnhof wahnsinnig beeindrucken und leicht verwirrend. Touristen-like machte ich gleich Fotos bei meiner Ankunft.
Mit dem GPS-Handy meines Bruders irrte ich drei Runden um den Bahnhofsvorplatz – mein Hotel hätte ich schneller gefunden, wenn ich einmal nach oben auf die Beschriftung der Häuser geachtet hätte, als auf das kleine Display in meiner Hand.
Check-In war noch nicht möglich, das Gepäck konnte ich aber vorerst abgeben (Warum ich für nur einen Tag einen ganzen Koffer mitnahm, bleibt mir auch unerklärlich).
Nebenan gab es ein kleines Cafe, indem man mir ein frisches Käsesandwich mit Cola für nur 3 Euro zubereitete. Das Essen in Belgien ist ausnahmslos gut. Ich wurde noch nie enttäuscht.

In der Touristen-Information am Bahnhof beriet mich ein netter Herr, dass am Feiertag fast alle Museen geschlossen waren und erklärte mir den Weg zum Zentrum. Er gab mir den Tipp, das einzig offene Mode-Museum zu besuchen, „since it’s a girly thing“.
Mit 5 verschiedenen Stadtplänen ausgestattet und voller Elan machte ich mich auf den Weg, vorbei an geschlossenen Diamant-Geschäften, flämischen Kunsthäusern und immer wieder umzingelt von Japanern. Ich lernte viel während meinem Aufenthalt in Antwerpen, da es immer japanische Reisegruppen gab, an die ich mich unauffällig hängen konnte.
20 Minuten brauchte ich vom Bahnhof bis zum Grote Markt in Antwerpen, ein paar Souvenir-Läden waren offen, in denen ich mich mit Schokolade und Postkarten eindecken konnte.
13 Uhr begann die Besichtigung der “Onze lieve Vrouwekathedraal”, bis dahin lernte ich noch ein paar japanische Austauschstudenten kennen, denen ich erklärte, dass Belgien so schön war, weil man hier so viele Japaner antraf.

Ich spazierte zum Fluss Scheldt, um den Grote Markt herum und zurück zur Kirche – inzwischen war es 13 Uhr und ich konnte für 3 Euro in die Kirche und Rubens Meisterwerke besichtigen. Ich verbrachte dort eine Stunde, flankiert von Japanern und zusammen stimmten wir in ein „Oooh!“ und „Toll!“ vor den Darstellungen Christis ein.
Ein paar Minuten ruhte ich mich unter den Augen der Jungfrau Maria aus, dann ging ich weiter durch die Stadt. Selbstverständlich gab es belgische Pommes zum Mittagessen. Nach dem Schreiben von Postkarten und Aufwärmen spazierte ich langsam zum Hotel zurück, um mich auszuruhen. Nach einer heißen Dusche war es schon 17 Uhr, deshalb schlüpfte ich in mein Gotye-Tshirt und machte mich auf den Weg zum Sportpaleis.

Mit der U-Bahn, die aussah wie eine Tram fuhr ich nur 5 Stationen bis zu der Haltestelle „Sport“ – vor einer großen Halle hatten sich schon ein paar Menschen versammelt, die mir auch bestätigten, dass sie für Gotye anstanden. Ich war aufgeregt und freute mich auf Wally wie ein kleines Kind.

Pünktlich gegen 18:30 Uhr wurden die Türen geöffnet, ich stürmte in die Halle und ergatterte einen Platz in der ersten Reihe neben einer netten französisch-sprechenden Belgierin. Ich konnte meinen Mantel und meine Tasche bequem über die Eisenabsperrung hängen und bis 20:30 sass ich, um meinen Rücken zu schonen, auf dem Boden. 5000 Menschen versammelten sich um mich herum in dem Sportpaleis, dass dem Berliner Tempodrom sehr ähnelte. Gegen 20:30 Uhr waren auch alle Plätze auf den Rängen belegt. Die Anspannung stieg.
Der erste Künstler der pünktlich halb neun auftrat war Jonti, der das Publikum mit sehr experimenteller Musik aus Ukulele, Gitarre und Computer unterhielt. Der Bass war etwas übersteuert, aber trotzdem gefiel mir diese Art von Musik. Jonti bedankte sich immer wieder, dass man für ihn extra eher erschienen war, das Publikum verabschiedete sich von ihm mit lautem Applaus. Nach Jonti trat die australische Band PVT auf; nach der langen Wartezeit waren die Menschen um mich herum schon etwas ungeduldig und man spürte Enttäuschung, als Wally immer noch nicht auf der Bühne stand. PVT waren trotzdem sehr gut, ähnlich wie Jonti und Gotye arbeiteten sie mit Computern und Samples, aber auch mit Gitarren und Schlagzeug. Sie erinnerten mich ein wenig an eine australische And One Kopie und der Sänger war sehr sympathisch, da er immer wieder Flämisch einwarf oder australische Stereotypen bediente.
Nach PVT bauten die Techniker die Bühne erneut komplett um, das Publikum startete eine Laola-Welle, in der jeder mit einstimmte. Ich möchte an dieser Stelle auch ein Kompliment für das Antwerpener Publikum aussprechen – kein Kreischen, kein Schreien, kein Drängeln und kein Drücken. Neben mir brach schon bei der zweiten Vorband ein Mädchen zusammen, gemeinsam halfen wir ihr, wieder auf die Beine zu kommen. Das Konzert-Erlebnis war also durch das tolle Publikum besonders angenehm.
Endlich trat Gotye auf – gemeinsam mit seiner Band kam er ganz unspektakulär auf die Bühne und begann den Abend mit „The Only Way“. Das Publikum tobte vom ersten Lied an bis zum Ende.
Es wurden auch ältere Lieder wie „Night Drive“, „What do you want“ oder „Seven hours with a backseat driver“ gespielt, vor allem die Animationen zu den einzelnen Liedern waren wieder beeindruckend. Bei „Somebody that I used to know“ bat Wally uns aus Flämisch Kimbra’s Part zu singen und alle halfen kräftig mit. Wally Flämisch sprechen zu hören war sowieso ein ganz tolles Highlight, für das ich hauptsächlich nach Antwerpen gefahren bin.
Gegen Mitternacht und drei Zugabe-Liedern war das Konzert vorbei, ich fing noch das Plektrum des Bassisten der Band und drängelte mich dann erschöpft mit dem Rest des Publikums nach Hause. Die U-Bahnen waren überfüllt, zweimal stieg ich falsch aus, weil ich noch völlig verwirrt-glücklich auf mein Plektrum starrte. Freundliche Belgier wiesen mich aber immer wieder darauf hin, dass ich noch nicht am Hauptbahnhof war.
Erschöpft erreichte ich gegen 1 Uhr mein Hotel und fand nur drei Stunden Schlaf. Immer wieder wachte ich mit der Vorahnung auf, ich würde mein Flieger verpassen. Die Bauplane vor dem Hotelfenster klatschte regennass gegen das Glas und erinnerte mich daran, dass ich nicht zu Hause war. Um 5 Uhr gab ich das Schlafen auf, ging duschen und begab mich zum Check-Out. Obwohl ich das Hotel rechtzeitig verließ, schickte man mich am Bahnhof mehrmals in die Irre, sodass ich meinen Zug verpasste und einen anderen Zug nehmen musste. Ein hübscher junger Schaffner mit niedlichem Akzent zeigte mir endlich den richtigen Zug und wünschte mir viel Erfolg. Mein Umstieg, der in Mechelen statt finden sollte, missglückte auch und ich sass gegen 7:55 Uhr immer noch am Bahnhof fest. Das Gate würde um 8:20 Uhr schließen. Erneut halfen mir nette Belgier, das richtige Gleis zu finden.
8:05 Uhr fuhr mein Zug ein, 8:16 erreichte ich den Flughafen und noch nie hatte ich mich selbst so schnell mit einem Koffer rennen gesehen. Insgeheim hoffte ich, den Flug zu verpassen und länger in Belgien bleiben zu können.

Unwirsch drängelte ich mich durch die Sicherheitskontrolle und rannte zum Gate, kurz vorm Boarding schaffte ich es noch, den Flieger zu erreichen. Schade eigentlich.

Erschöpft und mit wirren Haaren liess ich mich in den Flugzeug-Sessel plumpsen. Neben mir saßen zwei freundliche Belgier, die ihr Deutsch für Berlin übten „Ich mag Sauerkraut.“.
Müde wechselte ich ein paar Worte und die Telefonnummer mit ihnen, dann schlief ich ein.

Als ich Berlin erreichte, wurde ich ein wenig traurig. Obwohl in Deutschland die Sonne schien, erschien es mir trister als Antwerpen im Regen. Vielleicht lag das an den Gesichtern der Menschen um mich herum.

Nächstes Jahr möchte ich nach Brügge fahren, denn schon jetzt vermisse ich die Freundlichkeit der Belgier und die kulinarischen Köstlichkeiten des Landes. Belgien war erneut inspirierend und abwechslungsreich. Das Gotye-Konzert war -wie erwartet – einfach großartig. Am Samstag lag ich etwas erschöpft und krank im Bett, doch der ganze Aufwand hatte sich definitiv gelohnt.
Wally selbst eröffnete sein Konzert am Abend mit den Lyrics aus „The only way“:

„Calm down now baby, the end of the journey’s in sight.
You traveled so far, love, now all of the stars are aligned…“

 

Im Nachhinein bin ich mir sicher, dass er mich damit meinte.

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Ein Kurztrip nach NRW – Die Reise eines kleinen lustigen Froschs

Vom 18. Juli bis zum 25. Juli war ich kurz entschlossen in Mülheim, Düsseldorf und Bonn.
Eine Woche war ich im schönen Nordrhein-Westfalen unterwegs und da meine Reise eher persönliche Hintergründe hatte, kann ich diesmal gar nicht so viel erzählen, was ich erlebt habe.Natürlich habe ich trotzdem einige Eindrücke und Fotos, die ich gerne mit euch teilen möchte.
Den Blog habe ich heute ganz schnell auf der Rückfahrt getippt – am Freitag bin ich schon wieder in Brüssel und muss deshalb die geschafften Reisen “literarisch abarbeiten”.

Für viele verhasst – der Berliner Linienbus, der mich aber trotzdem sicher und entspannt nach 8 Stunden Fahrt in Essen ablieferte. Früh um 7:30 Uhr ging es von Berlin los, dank Reisetabletten konnte ich mein Schlafdefizit im Bus nachholen.

Die Fahrt ging durch Magdeburg, Hannover, Hamm, Bochum, Dortmund.. eigentlich all die großen Städte, die man schon kennt und an denen man kurz anhält, um Passagiere ein- und auszuladen.

16 Uhr erreichte ich Essen und wurde von @taxamendosa abgeholt – der eigentliche Grund meines Besuchs. Aufgeregt und erschöpft von der langen Fahrt liefen wir ein paar Schritte durch Essen, hatten ein Tee und ein Bier in einem Cafe und fuhren dann nach Mülheim an der Ruhr.

Ruhrpott ist nicht so, wie Ralf Rothmann es in seinem Roman Junges Licht versprochen hat. Es ist nicht so dreckig und herunter gekommen, wie meine komische Vorstellung es angenommen hatte (Asche auf mein Haupt!). Die Menschen sind sehr freundlich und nett, man dutzt sich, überall hat man das Gefühl, einem wird geholfen.
In jeder Stadt finden sich auffällig viele Spiel-Casinos und Sex-Shops. Ruhrpott als Vergnügungsviertel Deutschlands?

Mülheim ist gemütlich, in der Innenstadt finden sich hübsche Fachwerkhäuser, überall blühen Hortensien. Entweder wild oder in süßen Keramiktöpfen. Sowas gefällt.

Die Gegend ist vielseitig. Und obwohl Düsseldorf nicht zum Pott gehört (ich habe mich eines besseren belehren lassen!), hat mir diese Stadt sehr gefallen. Nicht attraktiv, nicht gerade sauber. Aber Japaner. Überall Japaner. Und japanische Produkte. Selbst die Immermannnstraße erinnerte mich ein wenig an ein Boulevard in Osaka, auf dem ich schon mal entlang gelaufen bin. In den japanischen Supermärkten arbeiteten nur Japaner. Dementsprechend wurde man in den Geschäften gut behandelt.

Bei meinem Tagesausflug in Düsseldorf traf ich auch @_tsubakii - zusammen konnten wir echte japanische Purikura schiessen (kleine Fotosticker, die man mit Stift bearbeiten kann).

Im Laden selbst tauschte man das Geld gegen japanische Yen. Es war für mich ein paradoxes Gefühl, auf Japanisch zu bestellen und bedient zu werden, obwohl ich von Deutschen umgeben war. Die Purikura-Automaten waren auch ohne Ton. Das bunte Gequietsche der Frauenstimme in den Automaten vermisste ich das erste Mal in meinem Leben.

Düsseldorf wurde gegen Abend übervoll. Wir zählten 27 Jungesellenenabschieds-Gruppen. Alle gleich geschmacklos und betrunken. Am Rhein sammelten sich Einwohner und Touristen um das Wetter zu genießen und begabten Straßenkünstlern bei Kunsstücken zuzusehen. Das Abendbrot war Japanisch. Udon mit frittierten Tofu. Dazu Kirin Bier. Ich war im siebten Himmel.

Dies war ich sowieso schon, da @taxamendosa sich wunderbar um mich kümmerte. Zusammen hörten wir Bob Dylan, Neil Young und Herbert Grönemeyer, wir verbrachten Nachmittage im Bett wir John Lennon und Yoko Ono und waren mit wenig zufrieden. Künstler-Leben so to say.

Zusammen spazierten wir auch durch Mülheim, entdeckten Wasserwerke und Bodenschätze, Straßenmusikanten und entschieden uns erneut für japanisches Essen – diesmal Sushi in einem Sushi-Restaurant in der Mülheimer Innenstadt.

Sonntag leisteten wir gemeinsam Arbeit für das @Kollektiv12 und hatten viel Spaß abends im Chat. Cole Porter und Blur begleiteten uns.

Montag-Nachmittag musste ich vorerst Abschied nehmen und meine Reise ging weiter nach Bonn – eine liebe Freundin aus Flensburg erwartete mich in ihrer Studienstadt.

Bonn ist zurecht ehemalige Hauptstadt – sehr grün und sauber, die Schloss-Uni-Gebäude haben mich an Potsdam erinnert. Busfahrt 1,80 € für vier Haltestellen fand ich dann aber doch ein bisschen teuer. Meine Freundin wohnte gleich im Zentrum der Stadt, von dort aus waren wir auch schnell an der Uni, in der Altstadt, am Beethoven-Haus und am Frauenmuseum. Der Rundgang wurde gleich noch am Montag, den Tag meiner Ankunft geschafft. Ausklingen ließen wir das Wiedersehen mit einem Cider in einer kleinen gemütlichen Kneipe.
Eine Erinnerung, die ich niemals vergessen werde – der Ausblick vom nächtlichen Kreuzberg auf das glitzernde Köln und Bonn. Meine Freundin führte mich bis an den schönsten Aussichtspunkt, dann liefen wir barfuß zurück zu ihrer Wohnung. In einem heißen Bad entspannten wir und tranken Kirschlikör. Ein perfekter Abend.

Am nächsten Tag ging in es in die kostenlose Fotoausstellung im Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland. Dort gab mir meine Freundin auch eine Einsicht in die deutsche Geschichte und ihren Arbeitsplatz. Anschließend ging es in die Kunsthalle Bonn, zu einer 25-Jahre-Pixar-Ausstellung. Ein kleiner Höhepunkt, da ich die tollen Figuren aus „Oben“ oder „Nemo“ bewundern konnte.

Zurück in der Wohnung meiner Freundin wurden Spagetti mit Gemüsesauce und Feta-käse gekocht.
Dazu wurde Futurama geguckt und zum Nachtisch ein Eis. Genuss durch Ferien.

Wir gönnten uns sogar eine Stunde Mittagsschlaf und anschließend tankten wir Sonne im Hofgarten vor der Uni Bonn. Erneut Bier zum Tagesausklang und Falafel-Sandwiches zum Abendbrot. Die Hitze hielt uns auch nicht davon ab, noch einmal entspannt durch die Innenstadt zu spazieren. Ich verabschiedete mich von Beethoven und den beiden Schutzpatronen Bonns.

Am nächsten Tag musste ich schon wieder früh raus, da mein Bus von Essen nach Berlin zurück fuhr. Obwohl ich eine Woche unterwegs war, verging die Zeit wieder viel zu schnell.

Ich habe die Zeit in NRW sehr genossen, ich verdanke die schönen Tage aber auch meinen liebevollen Gastgebern, die sich ganz toll um mich gekümmert haben und mir viel gezeigt haben. Über die Ossi-Wessi-Vorurteile konnten wir zum Glück gemeinsam lachen und selbst wenn ich manchmal berlinert oder gesächselt habe, wurde mir verziehen. ;) Die Mentalität der Menschen in NRW gefällt mir sehr gut, der lockere freundliche Umgang, das unkomplizierte Dutzen.

Am schönsten war wirklich die Städte Bonn und Köln bei Nacht zu sehen. Danke, M. , @taxamendosa und @_tsubakii für die schönen Stunden!

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London 8. Juni bis 11. Juni 2012

Endlich schaffe ich es, den Reisebericht über London zu schreiben. Meine nächste Reise steht bevor und deshalb wird es Zeit die Eindrücken meines letzten Ausflugs hier kurz mit euch zu teilen.

Die Entscheidung nach London zu fliegen war eher eine spontane Aktion, die sich zum Schluss in eine sehr lustige und doch ungeplante Richtung hin entwickelt hat. Alles begann damit, dass ich den Hip-Hop-Künstler Hoodie Allen live in London erleben wollte und ein Ticket für sein Konzert erstand. Später schloss sich mir noch eine sehr gute Freundin aus der Uni an und zuammen planten wir ein kurzes Wochenende in Englands Hauptstadt.

Flug gebucht, billiges Hostel gesucht, Koffer gepackt – so weit so gut. Nur ein Problem gab es schon von Anfang an – das Konzert des Künstlers, dessen Besuch ja meine Hauptintention war, war komplett ausverkauft und meine Freundin hatte kein Ticket mehr erstanden. Wir waren aber zuversichtlich, dass wir vor Ort noch ein Ticket bekommen würden.

Freitag, am 8. Juni ging es dann also los. Meine Freundin, die in der Nähe des Flughafen wohnt, nahm mich bei sich auf und wir verbrachten einen ruhigen Abend bevor wir um 3 Uhr schon aufstehen, uns anziehen und für die bevorstehende Reise fertig machen mussten. Der Flieger ging um 7 Uhr, wir mussten also schon gegen 5 Uhr am Flughafen sein.
Mit der S-Bahn gelangten wir ohne Probleme dahin, vor Ort gab es ein Brötchen als Snack und nach dem Security-Check und dem Boarding war ich schon müde und meine Freundin sehr aufgeregt.

Ankunft in London – London ist nass, kalt und windig. Uns schlug 100% authentisches englisches Wetter entgegen, ehrlich gesagt wäre ich enttäuscht gewesen, wäre es anders gekommen.
Mit einem Bus, der weitaus günstiger als Züge waren, fuhren wir von London Gatwick nach London Victoria Station. Eine Fahr von fast zwei Stunden, bei der man aber schon viel sehen konnte.
Als wir über die Vauxhall Bridge fuhren und somit das Zentrum von London erreichten begann es in Strömen zu regnen, als gute Touristen hatten wir natürlich Schirme dabei.
Was wir nicht mit hatten waren Stadtpläne, da ich mir sicher war, dass man sich vor Ort informieren konnte, tappten wir erstmal etwas ziellos an der Victoria Station umher.
An der Touristen-Information wurde uns dann endlich geholfen und vom Akzent her wurden wir als Schotten eingestuft und nicht als Deutsche. Ein Kompliment.

Mit unserem Gepäck suchten wir dann die passende Bushaltestelle, das war eine Herausforderung in London, der Stadt wo weder Fußgänger noch Autos auf Ampelzeichen Acht geben. Die schönste Erfahrung, die ich in der Stadt gemacht habe, ist wohl die Freundlichkeit der Menschen. Wie oft standen meine Freundin und ich verloren mit der Karte Londons am Straßenrand – wir brauchten niemanden nach dem Weg fragen, Leute kamen sofort zu uns und baten uns ihre Hilfe an.

Mit der Freundlichkeit der Londoner schafften wir es dann auch, das Hostel zu finden, etwas abseits vom Zentrum, in Kennington und deshalb auch sehr günstig. Der Inhaber war nett und zuvorkommend, das Hostel selbst wies “englische Sauberkeit” auf. Egal. Man musste ja nur duschen und schlafen.
Nachdem wir uns des Gepäcks entledigt hatten, ging es gleich wieder raus, Kennington erkunden.

London ist sehr teuer. Ich möchte fast sagen, es ist teurer als Tokyo und das war der einzige Haken an all den Unternehmungen, die wir tätigten. Wir fuhren kein einziges Mal mit der Tube, weil ein Einzelfahrausweis ja an die 8 Euro kostete. Wir nahmen immer den Bus und selbst der war uns so teuer, dass wir oftmals selbst weite Wege zu Fuß in Angriff nahmen. Unser mitgebrachtes Geld wurde nur für Verpflegung ausgegeben, Souvenir-Kauf kam bei den Preisen einfach nicht in Frage.

Durch die kostenlose Führung eines sehr netten Archäologie-Studenten, bekamen wir Informationen über das Zentrum von London, wir sahen den Buckingham Palace, den Big Ben, the Houses of Parliament, 10 Downing Street und und und…
Vom Green Park angefangen hatten wir eine fast 3-stündige Führung durch London’s Innenstadt, dabei lernten wir, wie ein betrunkener Ire einmal in den Buckingham Palace geklettert ist und welche unliebsame Verwandtschaft in den St. James Palace abgeschoben wird.
Natürlich liessen wir auch die kulinarischen Highlights der englischen Hauptstadt nicht aus – es gab bei der Anknunft gleich ein English Breakfast mit gegrillten Tomaten, baked beans, Spiegelei und mushrooms, zum Mittag einigte man sich dann auf Fish&Chips und zum Abendessen gab es Indisch. Mein Favorit ist und wird wohl auch Letzteres bleiben. Im indischen Restaurant wurden wir gut beraten und das Essen war ausgezeichnet, aber eigentlich wurde man überall gut behandelt, selbst wenn sich Fehler in unser gesprochenes Englisch einschlichen.

Abends besuchten wir dann einen Pub in Camden, dem Jugendviertel Londons. Es gab ein paar teure englische Ale in gemütlicher Atmosphäre und Blur drang durch die Lautsprecher der kleinen Einrichtung. Ein Augenblick den ich nie vergessen werde. God save the Queen, God save England.  

Zu dem Konzert des besagten Hip-Hop-Künstlers gingen wir dann schlussendlich auch nicht – wir fuhren vor die Halle, ich versuchte mein Ticket zu verkaufen, aber da niemand Interesse zeigte und meine Freundin und ich auch etwas Pflaster-müde geworden waren, gaben wir schnell auf und verkrochen uns in ein Restaurant.

Wir blieben die ganze Nacht wach, um den Flug am nächsten Morgen rechtzeitig zu erwischen, unser Bus ging um 2 Uhr und gegen 3:50 Uhr erreichten wir London Gatwick. Als ich wieder in Berlin ankam fühlte ich mich dementsprechend müde und irgendwie auch aufgedreht, trotz allem hatte sich die ganze Anstrengung mehr als gelohnt.
London ist definitiv eine aufregende und vielseitige Stadt, die Londoner sind umwerfende Menschen und obwohl ich irgendwie noch mehr von London erwartet hatte, wurde ich trotzdem nicht enttäuscht. Das Bild, was man von TV-Shows und Büchern über London bekommt ist komplett anders, als das, was man dann vor Ort wirklich erlebt. Das sagt man vielleicht bei jeder Stadt, aber Tokyo ist dagegen eher eine Bilderbuch-Stadt, die sich auch an ihre Vorurteile hält. Brüssel war ähnlich. London ist anders. London pulsiert selbst nachts, schillert in vielen Farben und überrascht. Wir haben den kurzen Aufenthalt trotz Geldknappheit sehr genossen.

Das nächste Mal möchte ich Englands Hauptstadt länger besuchen. Zu diesem Zeitpunkt möchte ich aber mehr Geld mitnehmen, um all die Dinge erleben zu können, auf die ich diesmal aus finanziellen Gründen verzichten musste.

Blur haben trotzdem Recht. London Loves.

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Brüssel – meine Eindrücke

Es ist jetzt eine Weile her, dass ich hier geschrieben habe, aber nun möchte ich doch endlich meine persönlichen Eindrücke von Brüssel festhalten.

Kurz zusammen gefasst kann ich nur sagen, dass ich begeistert war und es immer noch bin. Selten habe ich eine so internationale Stadt gesehen, die selbst im Regen wahnsinnig schön ist.

Im strömenden Regen bin ich nämlich abends angekommen, zum Glück hatte ich einen Schirm mit, aber da ich zu der Sorte Frauen gehöre, die keine Karte lesen kann, bin ich erstmal eine halbe Stunde durch die glitzernde belgische Hauptstadt geirrt.
Es war schon dunkel, aber die Pflastersteine haben wirklich im Laternenlicht geglänzt, ich habe es noch nie erlebt, dass eine Stadt abends so attraktiv sein kann.
Ich war bei meiner Ankunft schon auf der richtigen Straße, habe es aber geschafft in die komplett falsche Richtung zu laufen. Deshalb habe ich das Magritte-Museum oder die Onze-Lieve-Vrouw ten Zavel schon bei meiner Ankunft entdeckt. Irgendwann hab ich dann gemerkt, dass ich falsch war und bin einfach umgedreht und mit viel  Glück und netter Auskunft habe ich dann die Unterkunft meines Gastgebers gefunden. Selbiger war sehr freundlich und zuvorkommend, gleich nach meiner Ankunft sind wir schon los und haben in einem leckeren italienischen Restaurant Abendbrot gegessen.
Es wurde auf Französisch bestellt, italienischer Wein getrunken und auf Englisch unterhalten. Ich hab mich gleich wohl gefühlt.
Nie werde ich wohl den Anblick vom Grote Markt und dem Hotel de Ville bei Nacht vergessen, wunderhübsch illuminiert und beeindruckend. Selbst ich musste Touristen-like ein Foto machen.

Mein Gastgeber zeigte mir noch am gleichen Abend das Manneken Pis und wir tranken noch einen köstlichen Tee in einem kleinen Cafe.
Dann ging es zurück in die Wohnung, wo ich schnell einschlief.

Am nächsten Morgen war ich schon um 6 Uhr wach und bereitete mich für meinen kleinen individuellen Stadt-Bummel vor. Mein Gastgeber hatte mir sogar eine Karte mitgegeben und ich hatte mir vorher schon im Internet einige Sehenswürdigkeiten ausgedruckt, die ich sehen wollte. So ging ich “bewaffnet” los.

Brüssel ist wirklich eine schöne Stadt, sehr weitläufig und ich habe es auch nur geschafft, das Zentrum zu sehen. Ich war in zwei wirklich hübschen Kathedralen, am Kunstberg, im riesigen Justizpalast (der wirklich gigantisch ist), an der Börse, in Comic- und Buchläden, im Magritte-Museum, in wunderbaren Restaurants in den ich die besten Pommes der Welt gegessen habe.
Eine belgische Waffel habe ich mir gleich neben dem Manneken Pis gekauft und Schokolade durfte natürlich auch nicht fehlen. ;)
Am meisten beeindruckt hat mich die Onze-Lieve-Vrouw ten Zavel Kathedrale sowie die vielen Comic-Wände, die in der Stadt verteilt sind. Am schönsten war die Bortiergalerij – eine Galerie nur mit Büchergeschäften. Von dieser hatte ich auch schon in meinem anderen Blog geschwärmt und dann auch tatsächlich noch gefunden.
Am Ende dieses Tages war ich natürlich ziemlich müde, hatte aber noch einen tollen Abend mit meinem Gastgeber, da wir uns dazu entschlossen hatten gemeinsam zu kochen.
Zusammen gingen wir einkaufen und es gab Spagetti mit Gemüse-Tomaten-Sauce und dazu richtig gute Musik und lange Gespräche.

Gegen Mitternacht ging ich dann zu Bett, am nächsten Morgen musste ich schon wieder zurück nach Deutschland fliegen. Der morgendliche Marsch durch das noch schlafende Brüssel bis zum Hauptbahnhof wird wohl auch unvergessen bleiben. Im Zug habe ich dann den Sonnenaufgang erlebt.
Ich habe wirklich jede Sekunde in Belgien genossen, in keiner anderen Stadt habe ich so freundliche Menschen erlebt, die so aufgeschlossen und hilfsbereit waren. Das Essen war einfach nur gut. Mein nächster Flug in dieses kleine Land ist schon gebucht – im Juli begebe ich mich wieder hin, diesmal auch nach Antwerpen oder Brügge.
Ich hätte nie gedacht, dass mich ein europäisches Land so begeistern kann.

Leve België

 

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Ein Kurzurlaub in Belgien Teil 1

Es riecht nach Parfuem, frischen Broetchen und Burger King. Neben mir sitzen Englaender und Franzosen, meine Schulter schmerzt vom Riemen meiner Reisetasche – Ich bin auf dem Flughafen Schoenefeld und warte auf meinen Abflug.

In einem spontanen Anfall von
“Ich-will-hier-nur-noch-weg” habe ich mir mit EasyJet einen Flug nach Bruessel gebucht und einen Gastgeber per Couchsurfing gesucht, der mich drei Tage lang ertraegt. Gesagt, getan – Koffer gepackt, Kosmetik in Plastiktueten verstaut, Reisespeck mit Schokolade angefressen (weiss ja nicht, ob ich in Bruessel was zu essen bekomme ;P) und losgefahren.

Die Zugfahrt von Potsdam ist ja mehr als angenehm – ein Zug faehrt zu jeder vollen Stunde direkt durch und man ist in weniger als einer 50 Minuten am Flughafen.

Noch bin ich in Deutschland und mir ist mal wieder aufgefallen, dass unsere Kontrollen sinnlos streng sind (“Bitte packen sie die Kosmetiktasche auch aus. Was ist da drin?” – “Kosmetik.” – “Ach.”).
Den Batterie-Block meiner Kamera musste ich auch noch einmal extra anzeigen, obwohl ich vorher extra gefragt habe “Soll ich die Kamera + Batterie aus der Tasche nehmen?” – “Nein, nicht noetig.”
An dieser einen Sicherheitskontrolle arbeiteten bestimmt an die 8 Leute – und alle gegen einander.

Mal sehen, was mich in Bruessel erwartet. Ich bin dann erstmal auf- und davon und Freitag wieder da. Ich wuensche euch und mir eine schoene Zeit.

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Aufarbeitung meiner Reise – Teil 3 – Der Tempel

Für meine erste Nacht in Kyoto hatte Izumi sich eine weitere Überraschung ausgedacht – wir würden in einem buddhistischen Tempel übernachten, dort auch ein Frühstück bekommen und in aller Frühe Sitzmeditation (“Zazen”) mit einem Mönch im Tempel durchführen.
Für uns drei Mädchen war das alles eine noch völlig neue Erfahrung – deshalb waren wir auch ziemlich aufgeregt.

Nach der Maiko-Foto-Session fuhren wir mit einem Taxi durch enge Gassen und erreichten im Dunkeln den Eingang eines Tempels. Es regnete und es war mehr als dunkel – stockdunkel um genau zu sein. Ich hatte arge Probleme mit meinen Stiefel über die glitschigen Steine zu gelangen, mein Koffer im Schlepptau erleichterte die Sache nicht gerade…
Mit Mühe und Not schafften wir es und tauschten dort gleich am Eingang die Straßen-Schuhe gegen Haus-Slipper. Für mich eine Wohltat nach dem langen Tag in Stiefeln.
Uns empfing eine ältere japanische Frau, sie wirkte etwas streng und kam gleich zum Geschäftlichen. Wir füllten eine Reservierung aus, bezahlten und bekamen einige Anweisungen.
In einem Tempel herrscht schon sehr früh Nachtruhe, Alkohol etc. ist natürlich auch nicht erlaubt.  Um 21 Uhr sollte jeder im Bett sein, gegen 5:30 Uhr war das Aufstehen geplant.
Wir bedankten uns und bekamen ein sehr großes Zimmer zugewiesen, in dem es einen kleinen Tisch, einen Ofen, Tee und einen Kleiderständer gab. In der Ecke waren Futons, Decken und Kissen für uns bereit gelegt worden.
Mein erster Eindruck? Es war super-kalt. Schweine-kalt um genau zu sein. Es gab nur dünne Papierwände, die gleich nach draußen führten und es war noch immer Winter in Japan. Wir stellten gleich den Ofen an, wurden aber nicht so richtig warm.

Vor dem Schlafengehen beschlossen wir, in ein öffentliches Badehaus, einem “Sento” einzukehren. Im alten Japan war es nicht üblich, ein eigenes Badezimmer im Haus zu haben und die wenigen Sentos, die man heute noch in Japan findet, sind Überbleibsel dieser Tradition, “sich öffentlich zu waschen”.

Wir suchten erst einen Supermarkt und deckten uns mit Abendessen und Bier ein. Natürlich war das im Tempel nicht erlaubt, aber wann kam man schon mal mit seinen guten Freunden nach Kyoto? ;) Die Idee kam außerdem von meiner japanischen Freundin, deshalb hatte ich als Ausländer kein schlechtes Gewissen. :)

Danach suchten wir das Sento auf – jeder bezahlte an die 6 Euro und dann waren wir schon in einem Vorraum, in dem wir uns ausziehen konnten und unsere Sachen in einem Spind verstauen konnten. Ich bin nicht unbedingt prüde, aber öffentlich Hygiene zu betreiben ist wohl eine Sache, die ich nie so richtig lernen werde. Es gibt ja sogar noch wenige gemischte Bad-Einrichtungen in Japan… Nun gut, hauptsache man wird halt sauber.

Zu dritt gingen wir dann in den eigentlichen Bad-Raum, in dem es kleine Wasserhähne gab, mit kalten und warmen Wasser, vor denen man knien musste. Man bekam eine Schüssel, in welche man Wasser einlassen konnte und sich damit sozusagen “abduschte”. Das Sento, welches wir besuchten, war noch ein ziemlich altes, in den neueren findet man auch kleine Duschen. So mühten wir uns dann also mit dem Schüsselchen und von dem knien taten mir auch schon bald die Beine weh.
Danach ging es noch in das 50° heiße Bad, ich hielt es da nur 10 Minuten aus und sah dann aus wie ein kleiner Krebs.
Trotzdem tat es nach der Kälte im Tempel sehr gut.

Erfrischt und mit Essen im Gepäck ging es dann zurück zum Tempel – dort schlichen wir in unser Zimmer und verbrachten die restliche Zeit bis 21 Uhr mit Essen, Trinken und Plaudern.
Dann rollten wir noch die Futons aus, nah beieinander, damit es warm blieb und kurz vor dem Schlafen stellten wir den Gasofen aus – beim Aufwachen hatte ich einen Eiszapfen an der Nase. Aber mein Körper war unter dem Futon mollig warm geblieben.

Dann ging es los – der Tempel-Komplex war riesig und wir mussten erstmal den Teil ausfindig machen, indem wir die Sitzmeditation durchführen würden. In Pajama und mit unserem Zabuton (Sitzkissen) in der Hand liefen wir verwirrt um 5 Uhr früh umher, bis uns der Mönch entgegen kam und zeigte, wo das Zazen statt finden würde.
Die Berge waren um diese frühe Stunde noch in Nebel gehüllt und sahen wie Gespenster aus, es war totenstill in Kyoto – und sowas ist in Japan selten. Ich werde wohl nie den frühen Morgen im Tempel vergessen – solch eine Stille hatte ich noch nie erlebt.

Die Sitzmeditation selber war eher unspektakulär – der Mönch erzählte uns etwas über die Wichtigkeit des Meditierens und Vergessens von allen Schmerzen und Leiden, er erklärte uns, wie man sich auf einen Punkt konzentrieren konnte und dann gab es einen lauten “Gong” mit einer mitgebrachten Glocke und wir mussten still sein, aufrecht sitzen und durften nicht die Augen schliessen. Ich konzentrierte mich auf eine Buddha-Statue vor mir – es war auch viel zu kalt, als das man hätte müde werden können.

Das ganze dauerte nicht mal 10 Minuten, dann durften wir schon gehen und das Frühstück wurde uns in einem anderen Zimmer des Tempels serviert.
Buddhistische Mönche essen kein Fleisch – zu meinem Glück. Es gab Reis und Tofu und eingelegtes Gemüse, es gab Seetang und Sojabohnen-Pasten-Suppe mit Pilzen. Das ganze Frühstück war richtig lecker und wir lernten dabei auch noch die anderen Gäste des Tempels kennen – zwei Japanerinnen und ein Mädchen aus Taiwan.

Danach ging es schon wieder weiter – wir packten unsere Sachen und verliessen unsere Unterkunft für eine Nacht. Um 9 Uhr mussten wir schon abreisen. Doch auch an diesem Tag hatten wir schon wieder viel geplant…

Für alle, die auch planen in einem Tempel zu übernachten – ich kann es nur empfehlen. Es ist viel günstiger als ein Hotel (ich habe nur 20 Euro bezahlt), man bekommt Frühstück und ein warmes Bett. Zudem lernt man interessante Leute kennen, vielleicht auch die Familie, die im Tempel wohnt. Um eine Dusche/ein Bad muss man sich selber kümmern, aber das ist in einem Hygiene-liebenden Land wie Japan kein Problem. Die Erfahrung, die man in solch einer Unterkunft macht ist einmalig – die Stille, die Abgeschiedenheit und die Ruhe und Kraft die man dort gewinnen kann. Das sind nicht nur Floskeln. Wenn man einmal aus dem stressigen Strom der japanischen Großstädte entfliehen will, findet man auf jeden Fall einen Ausgleich in einem Tempel. Im Sommer oder Frühling lohnt es sich auf jeden Fall, im Winter sollte man diese Unterkunft eher meiden, wenn man nicht frieren will… ;)

Ich werde meine eine Nacht in Kyoto auf jeden Fall nicht vergessen.

Auf den Fotos bin ich in aller Frühe… ;)

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Aufarbeitung meiner Reise – Teil 2 – Die Maikos

Wie schon vorher erwähnt hatte ich richtig Glück, Izumi als neue Freundin gefunden zu haben. Sie schenkte mir nämlich eine Maiko-Foto-Session zum Geburtstag und das war auch der besondere Ort, an den wir uns jetzt begaben – ein Foto- und Ankleide-Studio.

Nach dem Mittag-Essen liefen wir an den kleine Geschäften von Arashiyama den Weg zurück, den wir gekommen waren und erreichten einen unscheinbaren Eingang, der mit ganz vielen Fotos beklebt war – Fotos von Leuten, die sich schon vorher als Maikos verkleidet hatten.

Eine Maiko ist das, was wir im Westen unter „Geisha“ verstehen – eine Unterhaltungsperson, keine Prostituierte, die eine harte Ausbildung über sich ergehen lassen muss, um mehrere Instrumente spielen zu können, die hohe Kunst der Konversation beherrschen muss und auch tanzen und singen lernen muss. Eine Maiko ist noch die auszubildene Geisha, eine Geisha ist dann sozusagen die Maiko mit Diplom! ;) Ich selber habe den Begriff “Geisha” aber noch nie in Japan gehört, manchmal denke ich sogar, dieser Begriff ist nur westlich geprägt.. Wer genaueres weiß kann mich ja gern aufklären! :)
Natürlich gab es in der alten Hauptstadt Heian damals auch Prostituierte, das waren dann eine sogenannte Oiran, die ihren Kimono auch ganz anders trägt, als eine Maiko.

Eine Maiko trägt weisses Make-up, rote Lippen und schwarzen Lidstrich. Ihr Kimono ist am Nacken offen, aber dafür vorne fest verschlossen. Die Obi-Schleife, also die Gürtel-Schleife befindet sich am Rücken.

Der Kimono der Oiran ist lockerer gebunden, vorne offener und gibt manchmal auch den Blick aufs Dekolleté frei. Die Schleife sitzt vorne. Das Make-up ist freier und kann auch verführerischer sein – auch die Haare können variieren. Das Outfit einer Maiko ist mehr an Konventionen gebunden, als das einer Oiran.

Izumi und ich wurden Maikos, während unsere dritte Freundin im Bunde sich für das Outfit der Oiran entschied. Und schon ging es los.

Wir mussten einen Fragebogen bzgl. Allergien ausfüllen und wurden dann in einen kleinen Umkleideraum geführt. Dort mussten wir alles ablegen, Strümpfe, Pullover, Rock und bekamen einen weißen „Unterkimono“, der sich bei mir kaum binden ließ, aufgrund des „Oberweiten-Unterschieds“. Ich hörte, die Japanerinnen vor Eifersucht seufzen, mir war es eher unangenehm, dass dieses Kleidungsstück nicht passt. Danach bekamen wir „Tabi“ – weiße Socken, die zum Kimono getragen werden und einen Schlitz zwischen großen Zeh und den restlichen Zehen vorweist.

Nach dem Umziehen wurden wir auf Stühle gesetzt und das Schminken begann. Meine Haaren wurden zurück gebunden und in weniger als einer halben Stunde hatten die geschickten Hände der Japanerin mich in eine weiße Maiko verwandelt. Zur erst wurde mein Gesicht mit Öl eingerieben, damit sich das Make-up später besser abwaschen ließ. Danach wurde mit Spachtel und Pinsel großzügig Weiß aufgetragen, dabei wurde darauf geachtet, dass mein ganzes Gesicht weiß war, auch Lippen und Augen, nur der Nacken wurde frei gelassen. Das ist bei Maikos so üblich.

Dann wurde Puder aufgetragen, damit die weiße Farbe sich auch hielt. Meine Augenbrauen wurden mit rot und braun Tönen nach gemalt, dann wurde der schwarze Lidstrich mit roten Akzenten gezogen. Zum Schluss die roten Lippen – perfekt wurden sie nachgezogen und ausgefüllt.

Meine Haare wurden mit einem Haarnetz festgehalten und nur die vorderen Partien und der Pony wurde heraus gekämmt. Dann setzte man eine Perücke auf, die vorderen Partien wurden auf die Perücke zuruückgekämmt und mit Wachs und Haarnadeln befestigt. Die Perücke war sehr schwer und wurde mit Watte ausgestopft, um besseren Halt zu bekommen. Ich liess meine vorderen Haare blond, damit ich den Eindruck einer „ausländischen Maiko“ bestärken konnte. Man hätte sie auch kurzzeitig schwarz färben können.

Dann wurden wir in ein weiteres Ankleide-Zimmer geführt, dort durften wir uns die Kimonos selber aussuchen und auch die passenden Obis und den Schmuck dazu. Ich entschied mich für einen grün-goldenen Kimono, ich wollte schon immer einen grünen Kimono tragen. Sehr geübt und wieder mit einer unglaublichen Geschwindigkeit wurden die Kimonos gebunden – normalerweise ist das sehr anstrengend und schwer, man muss alle Lagen einzeln legen, es gibt auch eine Vorschrift, wie jede Falte zu liegen hat. Man bekam einen extra-Kragen und einen weiteren „Unterkimono“ unter dem eigentlichen Kimono, darüber dann das eigentliche Kleidungsstück, der Obi wurde mehrfach herum gewickelt und zur Schleife gebunden. Darüber kam Schmuck und eine Brosche. Ich glaube man kann sich vorstellen, dass es sehr schwer war, sich in all dem zu bewegen. Die Perücke war schon eine Herausforderung, und der Kimono tat sein übriges.

Danach noch Getas – die passenden Sandalen zum Kimono. Beim Haarschmuck entschied ich mich für weiße Blüten – mein Kimono war schon auffällig genug deshalb sollte mein Haar eher „zurückhaltend“ sein.

Fertig!

Meine Freundin Izumi hatte sich für einen roten Kimono entschieden und sah einfach nur klasse aus. Ich bin ja der Meinung, dass diese Art von Make-up nur am besten zu einer Japanerin passt. Zusammen schossen wir dann unzählige Fotos und hatten sogar noch einen professionellen Fotoshoot vor einer Leinwand.

Uns wurde sogar erlaubt, mit dem Kimono durch Arashiyama zu fahren – es regnete und deshalb durften wir nicht mit den kostbaren Seidenkleidern herum laufen, aber uns wurde eine Rikscha bestellt und wir wurden durch Arashiyama gezogen und bekamen dazu noch eine ausführliche Erklärung zu allen Tempeln und Schreinen, an denen wir vorbei fuhren.

Ich genoss sichtlich die Aufmerksamkeit der ansässigen Japaner und der herumlaufenden Touristen. Der Rikscha-Fahrer war sehr charmant und so hatten wir einen Riesen-Spaß.

Mit allem drum und dran dauerte das Ganze an die 4 Stunden, auch das Abschminken war ganz schön kompliziert. Vor dem eigentlich Abwaschen mit Wasser mussten wir erneut alles mit Öl einreiben, damit die Farbe besser abging, wir entfernten Lippenstift und Augen-Make-up extra mit Wattepads und wuschen dann das gesamte Gesicht und den Nacken. Das dauerte vielleicht eine halbe Stunde, bis wirklich alles Weiß abgewaschen war. Die Haare wuschen wir auch und dann zogen wir uns wieder um.

Ich bin Izumi immer noch so dankbar für diese Erfahrung, die ich an diesem Tag gemacht hatte. Wir bekamen die Fotos vom Shooting dann ausgedruckt und auch auf CD und bedankten uns mehrfach bei dem Team des Fotostudios.

Eine wunderbare Sache, die ich jedem nur empfehlen kann, wenn er mal nach Kyoto fährt. Als Ausländer wäre es ganz hilfreich ein bisschen Japanisch zu verstehen, vor allem, wenn man Anfangs die Fragebögen ausfüllen muss. Oder man nimmt sich gleich eine japanische Begleitung mit, die einem hilft.

In die Kimonos passt man aber allemal, ich bin 180 cm groß und auch etwas kräftiger und hatte keine Schwierigkeiten. :)

Und hier ein paar Fotos…

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