Meine Reisen

z.Zt. Daueraufenthalt in Japan

Nachtrag “Punk-Bands, die man lieben muss” – THE DIGITAL CITY JUNKIES

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Wie konnte ich sie nur vergessen? The Digital City Junkies! Wahrscheinlich weil ich sie vorher noch nicht so wahrgenommen habe. (Asche auf mein Haupt!)
Bis vor zwei Wochen. Wo ich von dem Sänger Harry-Ken persönlich angesprochen wurde und gefragt wurde, ob ich nicht mal zu einem Konzert kommen möchte. Ich stand mal wieder mit einem Bier in der Ecke, als die einzige Ausländerin in einem kleinen Club (es war in Higashi-Koenji), da kam er auf mich zu – auffallende Haarfarbe, aber sonst casual angezogen. Bei netten Einladungen lehne ich nie ab – Gesagt, getan – ich fuhr die Woche darauf nach Sangenjaya, in den Club Heaven’s Door und war gleich nach Beginn des Konzerts verliebt.

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Digital City Junkies – das sind Vocal Harry-Ken, Guitar & Programing KZ, Bass Yura und Drums & Programing Yu-Suke.
Diese Jungs sind nicht weniger gefährlich als die vorher genannten Bands und das liegt meist daran, dass der Sänger Harry-Ken beim Eintritt in die Halle mit Feuerwerk und Knallern um sich wirft. Gerne springt er auch mal mit Mikrofon und Mikro-Ständer von der Bühne und rollt sich auf dem Boden vor dem Publikum.

Die Musik ist feinster Punk zum Abrocken, gemischt mit New Wave Elementen und Hardrock. Wer Punk mag, wird diese Band lieben – ich schaffe es jedenfalls nie, einfach nur still zu stehen. ;)
Etwas laut kann es schon mal werden, aber diese Band weiss zu animieren und zu unterhalten.
Die nächsten Konzerte sind für September geplant, auf der offiziellen Website der Band findet man alle Termine.

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Das Album “Dirty Market” kann auch für Fans aus dem Ausland auf iTunes käuflich erworben werden. Weiterhin kann man die CD auch bei Konzerten oder im Online-Shop erhalten. Wer Interesse an weiteren Goods hat, darf sich gerne bei mir melden.

Das nächste Konzert ist am 11. September (Freitag) im Club Heaven’s Door in Sangenjaya. Tickets können per Mail auf der offiziellen Website der Band vorbestellt werden. Name, Datum und Anzahl der Tickets beim Vorbestellen genügt.
Let’s rock together. :)

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Was fehlt.

Es hat zwei Monate gedauert, aber seit Anfang August habe ich endlich Internet. Es ist viel passiert und dieser Blog ist wirklich nicht mehr auf dem neusten Stand.
Was sich aber nicht verändert hat, ist das Land, in dem ich mich befinde – nach wie vor lebe ich in Japan, sogar Tokyo habe ich nicht verlassen. (Das wärs noch!)
Aber seit Anfang Juni lebe ich nun in Kita-ku, in der nördlichsten Stadt Tokyos, gleich neben dem großen Bahnhof Akabane. Das ich ein wunderbares (für Tokyoer Verhältnisse) sehr großes Apartment gefunden habe, verdanke ich meiner Immobilienfirma, bei der ich immer mehr Aufgaben übernehme. Ende Mai wurde ein Wohnungswechsel nötig und Hals über Kopf entschied ich mich für ein kleines hübsches Zimmerchen im ersten Stock in einer sehr ruhigen, aber praktischen Lage. Ich habe sogar einen Garten. Mein verdammter Garten mit einem Hibiskus und einer Gerbera ist mein ganzer Stolz.

Eingekesselt zwischen Tempel, 24-Stunden-Supermarkt, japanischem IKEA und Bahnhof mit Express-Zügen in Richtung Kanagawa und Saitama möchte ich mich wirklich nicht über meine neue Wohnsituation beschweren. Ganz im Gegenteil.
Manche Japaner schauen etwas entsetzt, wenn ich ihnen sage, wie sehr ich Tokyo Downtown – Shitamachi – liebe. Aber warum sollte ich viel Geld für eine fancy Wohngegend ausgeben, wenn ich es genau so gemütlich zwischen Schrein und Einfamilienhäusern haben kann?
Mein Arbeitsweg ist immer noch der Gleiche – 40 Minuten, mit einmal umsteigen. Das Umsteigen ist zwar in der Sommerhitze mehr als lästig und auch der Weg zum Bahnhof jeden Morgen (10 Minuten) kann bei anhaltenden 35 Grad zur Qual werden.
Aber wenn man sich drei Handtücher um den pumpenden Körper wickelt, dann kann man das Zerfließen wenigstens etwas aufhalten. Manchmal.

Tokyo ist heiß.
Ich habe vergessen, wie unangenehm der japanische Sommer ist, weil ich ihn nur kurzzeitig mit 16 Jahren erlebt habe und damals alles so spannend und toll fand, dass ich dachte – ständig schwitzen und zerfließen gehört nun mal dazu.
Anfangs war das alles auch noch ganz lustig, jetzt reichen mir schon drei Minuten außerhalb einer klimatisierten Räumlichkeit, um die japanische Sonne leise zu verfluchen.
Manchmal fahre ich nach Kamakura ans Meer, um mich abzukühlen. Dann liege ich in dem etwas grauen Sand, schwimme ein paar Runden im Meer, dass so salzig ist, dass einem die Augen brennen und dann fahre ich heim, zurück in die Großstadt, einen halben Tag lang erfrischt.

Nächste Woche ist dann Obon – buddhistisches Totenfest und die nächste große Ansammlung von Feiertagen für die japanische Bevölkerung steht bevor. Da gehöre ich ja (noch) nicht dazu, also arbeite ich fleißig weiter. Ich bin noch immer Englisch-Lehrerin in Shinjuku, ab- und zu Deutsch-Lehrerin in Higashi-Koganei in West-Tokyo und sehr oft Immobilienmaklerin und Bloggerin/PR-Dame (:D) für unsere Ferienhäuser und Appartements.
So sehr mir Unterrichten auch Spaß macht, meine “Karriere” als Lehrer ist ziemlich festgefahren und wie alles, was ich für ein zwei Monate gemacht habe – fühle ich mich schon wieder gelangweilt. Da lobe ich mir die Immobilienschiene. Ich bin ständig unterwegs, düse durch Tokyo, besichtige Wohnungen, übergebe Schlüssel für Ferienwohnungen, treffe Menschen, schreibe Berichte. Das ist abwechslungsreich und bleibt dadurch immer spannend.
Manchmal erwische ich mich selber dabei, wie ich gähne, während ich den immer gleichen englischen Text vorlese und meine Schüler dazu animiere, mir nach zusprechen. Das tut mir natürlich Leid. Vor allem für meine Schüler.

Jetzt ist es schon August, ich habe mich gut eingelebt, gut eingearbeitet und ich bin sogar so gut im Geschäft, dass ich mir ein japanisches Sparkonto einrichten konnte. Manchmal erinnere ich mich noch daran, dass mir irgendwann das Bafög im Nacken sitzen wird. Und da kann man nie früh genug anfangen zu sparen.

Noch fast drei Monate und mein Visum läuft ab. Meine Firma hat mir alle Unterlagen für die Beantragung eines neuen Visums zurecht gelegt und Ende dieses Monats werde ich mich zur Einwanderungsbehörde nach Shinagawa begeben. Viele meiner Freunde meinten, ich solle mir ein gutes Buch mitnehmen – man kann da schon mal einen ganzen Tag verbringen.

Nun wollten es alle immer wissen – wird sie bleiben, oder nicht? ;)
Die Chancen, dass ich hier bleiben kann stehen sehr gut.
In Prozent wären das vielleicht 99%. Ich hab alle nötigen Unterlagen meiner Firma, ein Empfehlungsschreiben und damit einen Bürgen.
Ich habe einen Arbeitsvertrag, der bis nächstes Jahr gilt, ich darf also gar nicht eher abhauen, ich muss noch meinen Soll ableisten. ;)

Die Chancen, dass wir uns also im Oktober wiedersehen ist sehr gering, aber ich werde trotzdem weiter schreiben und natürlich weiterhin online verfügbar bleiben.
Weihnachtsferien gibt es hier nicht und bevor ich kein neues Visum erhalte, darf ich sowieso nicht ausreisen. Aber Mitte Oktober weiß ich meinen Status und dann kann ich auch einen eventuellen Kurzurlaub in Deutschland planen. Bezahlten Urlaub (7 Tage!!!) darf ich ab November beantragen (nach 6 Monaten in der Firma). Die werden aber leider für das kommende Hirasawa-Konzert im Tokyo Dome City draufgehen… (Sorry, Prioritäten und so.. :/)

Was aber jedem frei steht ist es, mich zu besuchen. Einzelpersonen kann ich jederzeit in meiner bescheidenen Wohnung aufnehmen, für alles andere bin ich gerne bereit seht schöne Ferienwohnungen zu vermitteln. Nicht, dass ich da Profit raus schlagen möchte. Nein, nein. :P
Ich habe es so weit geschafft, da werde ich jetzt leider nicht zurück kommen, egal wie sehr mich manchmal das Heimweh plagt.

Natürlich vermisse ich meine Familie, ich vermisse mehr als einen Tag frei in der Woche zu haben und ich vermisse auch das ganze ungesunde Essen (Sauerkraut, Quark mit Kartoffeln, alle Arten von Pasta mit Pizza, mit echtem Käse, richtig echtem Käse und Brot). Ich vermisse die langweiligen Tatorte am Sonntag-Abend, die so schön einschläfernd waren, weil man auch einschlafen konnte, weil man vor 20 Uhr zu Hause war.

Mir fehlt das Abendessen mit der Familie, auch wenn das Essen nicht schmeckt, nicht warm ist – das Bier vermisse ich, denn das hier in Japan ist nur gut, wenn es teuer ist.

Ich vermisse die leere S-Bahn in Berlin (im Vergleich zu Tokyos Zügen ist jede S-Bahn leer), ich vermisse das Berliner Ensemble und ich vermisse es sehr in Bibliotheken und Bücherläden zu schmökern. Mir fehlt die Literatur in meiner Sprache, auf die ich jederzeit Zugriff haben kann. Mir fehlt das Wort auf Papier (hätte ich das Internet nicht, wäre es schlimmer).

Mir fehlen meine Haustiere, meine Schreibmaschine, Feiertage, die Feiertage sind und mir fehlt das Gefühl sich nicht schlecht fühlen zu müssen, wenn man mal frei macht oder nichts macht.

Mir fehlt mein Bruder.

Mir fehlt der Platz der Einheit West, die Eisdiele neben dem Park, in der man so schön entspannen konnte, die Waschbar, selbst die Uni fehlt mir. Der “Stress”, den ich während meines Studiums hatte, erscheint mir jetzt als reinster Urlaub.
Mir fehlt die Freiheit, sich in einen Park zu setzen, Bier zu trinken, sich zu entspannen, weil es okay ist – weil Entspannen wichtig ist. Mir fehlt die Spree, der M41 (ja, dieser verdammte Bus fehlt mir), die dreckige U-Bahn, der Hermannplatz, die verhipsterten Kneipen, die netten Gespräche über Revolution und über Pseudo-Revolution. Mir fehlt die Oase, das Chagall und abendliche Lesungen mit freundlichen Twitter-Persönlichkeiten.

Mir fehlt so ein bisschen deutsche Gemütlichkeit in dem bunten Gewirr, dass mich täglich umgibt. Das fällt mir manchmal ein, wenn ich deutsches Radio höre. Wenn ich deutsche Nachrichten sehe. Wenn ich mich wirklich intensiv daran erinnere, woher ich eigentlich komme. Aber meistens bin ich selbst dafür zu beschäftigt.

Und trotzdem würde ich mich nicht für einen Rückzug entscheiden.
Noch lange nicht. Dafür habe ich hier jeden Tag viel zu viel Spaß.

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Englisch-Unterricht und Twitter

Hier bin ich wieder. Meine Updates sind spärlich gesät, aber ich will meine Leser auch nicht zu sehr verwöhnen. :P Man findet mich trotzdem ständig schreibend im Internet – einfach meinen Blogroll durchklicken – irgendwo poste ich bestimmt gerade wieder einen Artikel in irgendeiner Sprache. :)

Ich habe schon viel über meine Arbeit geschrieben, aber noch nicht über die Firma, bei der ich nun fest angestellt bin und wöchentlich meine 8 Stunden am Tag ableisten muss. Und heute habe ich endlich Zeit dafür, da ein Schüler für meine nächste Stunde abgesagt hat – also nichts wie ran an das Update meines täglichen Lebens in Japan! ;)

Seit Anfang April bin ich Englisch-Lehrerin in einem Sprach-Studio in Shinjuku. Neben einer Ukrainerin bin ich die einzige Nicht-Muttersprachlerin, all meine anderen Kollegen sind sehr nette Briten oder Amerikaner oder Australier. Das Sprachstudio liegt zentral gelegen, nur 2 Minuten vom Bahnhof Shinjuku. Mit meinem Zug von Kinshicho kann ich direkt bis Shinjuku durchfahren, also habe ich früh immer einen entspannten Arbeitsweg von nur 40 Minuten. Und mit “früh” meine ich – 7 Uhr Arbeitsanstritt, 4:30 Uhr aufstehen.

Mein Körper gewöhnt sich aber schnell an alles und ich liebe die Morgenschichten hier – nur wenige-, aber dafür sehr gewissenhafte Schüler, ich als einzige Lehrerin und meine Lieblingskollegin arbeitet vorne an der Rezeption. Wir beide zählen dann immer hungrig die Stunden bis zur Mittagspause. Alles in allem ein sehr entspannter Job.

Meine Unterrichts-Einheiten sind 40 Minuten lang, Material, Power-Point Präsentationen, CDs und PCs stellt die Schule. Ich bin dazu befähigt Grundkenntnisse (sog. Foundation) bis Level 3 (intermediate speaker) zu unterrichten. Alles Andere überlässt man den Muttersprachlern und dafür bin ich auch sehr dankbar. Nicht, dass ich mir advanced English nicht zutrauen würde, aber ich glaube die Englisch-sprachigen Lehrer können da mit mehr Hintergrund-Wissen aufwarten und dadurch die Schüler besser unterhalten.

So eine Stunde beginnt mit 5 Minuten Smalltalk, 15 Minuten Text-Lesen & Text-Verständnis und nochmal 15 Minuten Gelerntes anwenden und üben. In den letzten 5 Minuten werden Fragen gestellt oder noch ein bisschen geplaudert – je nachdem, wie gesprächig meine Schüler sind. Ich erkläre grammatische Besonderheiten, korrigiere die Aussprache oder wir reden über wichtige Wendungen in der englischen Sprache. Das macht Spass und ist easy.

Da wir ein Sprachstudio sind, habe ich die unterschiedlichsten Schüler. Neben Studenten, Jobsuchenden, Angestellten oder Hausfrauen habe ich manchmal sogar Unternehmer oder Restaurant-Besitzer als Kunden. Die Motivation, warum Englisch erlernt wird, ist bei jedem unterschiedlich. Am meisten macht es mir Spass, Foundation – Grundkenntnisse zu vermitteln. Obwohl es mir untersagt ist, Japanisch zu sprechen, helfe ich manchmal leise aus, wenn meine Schüler gar nichts verstehen. Vor allem beim Grundkenntnis-Level kommt man manchmal nicht drum herum. Aber japanische Schüler sind stets motiviert und gut vorbereitet. Nicht alle, aber zumindest 90% meiner Kunden enttäuschen mich nicht..

Das Arbeiten hier ist ganz angenehm, auch wenn es wenig abwechslungsreich ist. Ich konsumiere gerade unheimlich viele Bücher und deutsche Nachrichten, sonst habe ich manchmal das Gefühl, dass ich “intellektuell ein wenig verkomme”. Die Unterrichts-Einheiten für eine Woche sind fest vorgeschrieben, das heisst ich unterrichte ein- und das selbe Material eine ganze Woche lang, 8 Stunden am Tag. Manchmal fühlt man sich ein bisschen wie ein Roboter.
Die Kollegen sind nett, auch wenn ich mit den japanischen Angestellten besser arbeiten kann, als mit den europäischen Kollegen. (Weiss der Teufel, was bei mir falsch gelaufen ist.) Da wir eine Überzahl an Briten haben, höre ich hier täglich nur britisches Englisch, was ich als sehr angenehm empfinde im “American English übersteuerten Japan”.

Das Gehalt ist gut und zur Zeit warte ich nur noch darauf, dass meine Visums-Unterlagen durchgewunken werden. Ob das alles so reibungslos klappt, ist noch eine andere Frage, aber darüber werde ich demnächst berichten, wenn sich mehr ergibt.

Weiterhin habe ich jetzt den Twitter-Account von http://enterjapan.me/ übernommen. Man bat mich aufgrund meiner “exzellenten SNS-Präsenz” (ohne Witz!) jeden Tag ein bisschen für dieses Projekt zu twittern. Das macht mir nicht nur unheimlich viel Spass, es wird mir auch gut bezahlt. Alles, was also seit über einer Woche auf https://twitter.com/enterjapan_pro erscheint, ist von mir ausgewählt und eingefügt. Seit ich das Ruder übernommen habe, sind wir erstmals über die 300-Follower-Grenze gestiegen, also 50 Follower mehr in nur einer Woche. Mein Chef hat das gleich mit einer Gehaltserhöhung belohnt, über die ich mich auch gefreut habe. Ich danke an dieser Stelle auch der Uni Potsdam für die vielen, langatmigen Lesungen, in denen ich mich intensiv mit Twitter beschäftigen konnte, um meine Kenntnisse bis zur SNS-Expertin ausbauen zu können. ;P

Und an dieser Stelle gilt auch – wer noch nicht folgt, darf das gerne tun und wer kein Twitter besitzt darf auf jeden Fall trotzdem bei enterjapan reinschauen – es gibt viele spannende Artikel über Japan’s (dunkle) Geschichte und wunderschöne japanische Holzschnitte, Ukiyo-e.

Wer in Japan lebt und gern Englisch lernen will, ist natürlich auch jederzeit willkommen, mich hier in Shinjuku zu besuchen. ;) Ich bin fast täglich vor Ort und wenn gerade kein Schüler an meinem Tisch sitzt (so wie jetzt) kann man mich beim intensiven Blog-Tippen beobachten. :P

Weitere Updates folgen, wenn sich mein Aufenthalt in Japan in irgendeiner Art und Weise dauerhaft verlängert hat. Ich arbeite daran. Bis dahin – bleibt gesund und bleibt mir treu!

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Punk-Bands, die man lieben muss

Immer wieder werde ich bei den Konzerten, die ich besuche gefragt, was ich beruflich mache.
In meinem kurzen, zerfransten Rock mit der zerrissen Strumpfhose und den Doc Martens muss ich dann immer zugeben, dass ich tagsueber gewissenhaft Anzug trage und eine Lehrerin bin. Ich ernte dann gerne mal verwunderte Blicke. Vielleicht sollte ich stattdessen einfach sagen, ich bin ein arbeitsloser Anarchist…?

Nein! Damit ist heute mal Schluss!

Den ich drehe den Spiess um und stelle hier in meinem “sonst so gewissenhaften Blog” meine Lieblingsbands vor. ;)
Das ich neben New Wave nur noch Punk hoere (und das eine ja mehr- oder weniger aus dem anderen erwachsen ist), haben viele ja schon mitbekommen.
Aber was sind das fuer Bands, mit denen ich mich nachts immer rumtreibe, lustige Fotos knipse und dann im Nachhinein fuer alle sichtbar (ausser fuer meine Schueler ;D) ins Internet stelle?

Hier will ich sie kurz vorstellen und von ihrer Qualitaet ueberzeugen. Oder zumindest versuchen zu ueberzeugen. (Vielleicht belasse ich es auch einfach nur beim Vorstellen.)

Japanische Punk-Bands, die mir unglaublich ans Herz gewachsen sind: 


+ Momojiri Tokyo Television +

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Diese Band sollte jedem bekannt sein, der mir auch nur ein bisschen folgt. Ich arbeite ab- und zu fuer die Jungs und darf dafuer wiederum kostenlos in die Halle, ein- oder zwei Bier schnorren oder mit dem Staff schaekern.
Davon mal abgesehen ist Saenger Alps ein aeußerst professioneller und gewissenhafter Musiker, der stets organisiert ist und damit recht wenig Punk zeigt. Wenn alle schon trinken, baut er noch liebevoll die Buehne ab.
Ich liebe diese Band, da all diese kleinen Showa-Jungs wie meine Kinder sind. Auf jeden Fall benehmen sie sich oefter so. Und die Lyrics aller Songs sind einfach nur klasse. Wer Punk zum Mitmachen haben will, sollte deren Konzert besuchen.


Ryuketsu Blizzard

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Die Gitarristin Milly Bison ist maennlicher als der Rest der Band. :P Und wenn Saenger Yuda sich immer komplett auszieht, gern mal Maedchen-Kopefe in seinen Schoss drueckt, nackt durchs Publikum rutscht, es von der Buehne Nudeln, Monatsbinden und Weissbrot regnet und man mit Majo-verklebten Haaren nach Hause geht – dann weiss man, man hat sein Ryuketsu Blizzard Konzert wirklich genossen. Diese Band ist nichts fuer zarte Gemueter. Manchmal regnet es auch Boeller und Wunderkerzen. Und Saenger Yuda laesst NIE die Hose oben!  Musikalisch sehr gut, laut und ideal zum Headbangen. Milly hat ungalublich viel Charme. Eine tolle Frau in einer tollen Band.


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Das sind mehrere aeltere Herren in engen Plastik-Anzuegen, manchmal nur im Tanga, sehr oft mit viel Bier in der Hand, aber einer unglaublich guten Singstimme und einer wahnsinnig witzigen Performance. Nach Kyonyumandara Tengokus Konzerten schmerzt mir immer der Bauch vom Lachen und der Hals vom Headbangen. Vor dem Beginn jeder Show verteilt der charismatische Saenger, der mich liebevoll “geiles Maedchen” nennt immer Faehnchen, die dann heroisch zur Band-Hymne geschwungen werden. Einmalig.


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Nicht so irre und verrueckt wie der Rest der Bands, die ich bis jetzt vorgestellt habe, dafuer musikalisch auf sehr, sehr hohem Niveau. Saenger Atsushi tritt oefter im Fernsehen auf und die Band fuellt auch groessere Hallen. Demnaechst sollen sie sogar Vorband fuer Merry sein. Live machen sie richtig Krach und die eingaengigen Melodien gehen ins Ohr. (Ich singe jetzt noch ein Lied, was ich vor einer Woche live gehoert habe!)
Atsushi find ich uebrigens wahnsinnig sexy. Erst recht als Clown.


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Eine Band, die durch ihre witzige Performance ueberzeugt, die man erneut nicht wirklich einordnen kann. Irgendwas zwischen Punk, Jazz und Reggae und wahrscheinlich-hat-der-saenger-den-text-vergessen. Wenn alle Mitglieder auf der Buehne stehen wirds da manchmal richtig eng. Aber das mindert nicht den Unterhaltungs-Wert. Tolle Band.


Wenn man nun durch meinen Beitrag auf den Geschmack gekommen ist und ein bisschen Tokyoter Punk-Musik schnuppern moechte, der kann sich gerne bei mir melden. All diese Bands stehen untereinander im Kontakt und sehr oft gibt es Konzert-Abende, an denen diese Kuenstler halbstuendig hintereinander auftreten. Danach hat man immer Zeit fuer ein gemeinsames Bier und ein bisschen hochgestylte Haare betatschen an den hiesigen Tresen.
Ich freue mich immer, wenn ich Begleitung habe, wer also Lust und Zeit hat, den entführe ich gern in die Welt des japanischen Punk. Handtuch nicht vergessen!

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Netzwerken

Heute habe ich ein anderes Anliegen an meine Leser und ich hoffe, man nimmt es mir nicht uebel, dass ich meinen Reiseweblog fuer ein bisschen PR in eigenem Sinne missbrauche. 

Um erfolgreich in Japan arbeiten zu koennen und auch um jeden letzten Hanswurst davon in Kenntniss zu setzen, was ich hier den ganzen Tag fuer Bloedsinn am Computer zusammen tippe, moechte ich einige Links teilen und darauf hoffen, dass fuer jeden etwas dabei ist, was er/sie wiederum mit seinen/ihren Freunden teilen kann. 

Ich arbeite zur Zeit an verschiedenen Projekten, die ich hier kurz vorstellen moechte.


  1. Mein Weblog fuer Tokyoroomfinder sollte ja schon jedem bekannt sein. In dieser Firma bin ich seit letztes Jahr November angestellt und alle neueren vorhandenen Texte sind von mir in englischer Sprache verfasst. Fuer Japan-Interessierte ein echtes Muss. ;) Meinen aktuellsten Beitrag findet man hier.
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  2. Desweiteren moechte ich auf mogmog.us aufmerksam machen, eine englische Website, die japanische Suessigkeiten vorstellt. Auch dort sind Texte von mir zu finden, diesmal unter meinem echten Namen “Friederike Boerner” und nicht mit meinem Kuenstler-Pseudonym. Wer Interesse an japanischer Esskultur hat, sollte auf jeden Fall vorbei schauen.site-logo
  3. Enterjapan wird ein Projekt ueber japanische Geschichte und Kultur und zwar beschraenkt auf den Zeitraum vor der Meiji-Periode (vor 1868). Ich werde dort in den naechsten Wochen ueber japanische Kunstdrucke und Malerei, Ukiyo-e berichten. Der Text wird voraussichtlich Ende Maerz, in englischer Sprache online sein.file3761319383988
  4. Dieser Blog wird von Sumire Hoshino betrieben und nennt sich “Denshi Furu Nikki”. Sumire ist ein grosser Hirasawa-Fan, so wie ich und gemeinsam planen wir ein Schreibprojekt bezueglich unserer Leidenschaft zu Hirasawas Musik. Man darf gespannt sein, was es dort in den naechsten Wochen zu lesen gibt.Web
  5. Zuletzt moechte ich noch auf meine Support-Website aufmerksam machen, die ich fuer meine Lieblingsband, Momojiri Tokyo Television, betreibe. Wer unkonventionellen Punk gemischt mit New Wave mag, der sollte auf jeden Fall mal vorbei schauen und bei eventuellen Fragen bzgl. Konzert-Tickets, Merchandise etc. auf mich zurueck kommen.20140401_zps4111f56a
    Nachtrag: Ich habe meinen Blog fuer Sumire Hoshino uebersetzt, er hat mein Japanisch angepasst und korrigiert und nun findet man diesen Eintrag auch in seinem Blog. Ich danke fuer die tolle Zusammenarbeit!

Sumires Blog

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Endlich wieder ein Blog!

Man hat lange drauf warten müssen und zwischendurch wurde ich mehrfach angefragt und jetzt -endlich- zwischen Frühstück und ich-muss-gleich-wieder-los nehme ich mir die Zeit, um ein paar Zeilen zu tippen.

Erstmal ein frohes neues Jahr, alles Gute zum Geburtstag an mich selbst und vorab schon mal einen schönen Valentinstag und frohe Ostern, denn wer weiß, wann ich erneut zum Bloggen komme.
Jetzt aber bitte kein Mitleid mit mir haben – ich habe mir das Leben hier in Tokyo selber ausgesucht und eine 7-Tage-Arbeitswoche gehört da auch dazu.

Ich bin immer noch dabei zu bloggen, wie eine Irre, leider nicht hier, sondern bei http://blog.ofjapan.jp/. Jede Woche liefere ich da um die 4 bis 5 Texte ab, die man gerne in englischer Sprache lesen kann und ggf. ausdrucken und an die Wand pinnen kann.
Nicht, dass ich das von meinen treuen Fans erwarte. Aber sicherheitshalber schreibe ich die Blog-Adresse hier nochmal hin. http://blog.ofjapan.jp/ Und nochmal. http://blog.ofjapan.jp/ (LEST!)

Dann unterrichte ich wie immer Deutsch, dreimal die Woche, noch immer in Saitama, der gleiche Schüler und seine Fortschritte sind so unglaublich gut, dass ich annehmen muss, dass er mich bald nicht mehr braucht. Seine Feuertaufe hat er in zwei Wochen.
Da fliegt er dann mit seiner Familie zur Vorbereitung ins fränkische Coburg. Ich drück ihm die Daumen und habe ihm meine Adresse und meine Telefonnummer für Notfälle übergeben. Meine Schüler sind mir ja wichtig. Aber er weiss, wie man ein Bier bestellt und das man “Eiskaffee”, statt “Kalter Kaffee” sagt, also bin ich mir sicher, er wird klar kommen.

Noch bin ich überall als Teilzeit-Kraft beschäftigt – wenig Geld, viel Arbeit, kein Visa.
Dafür kann ich relativ frei meine Tagesplanung angehen und habe auch noch am Wochenende frei. Und dadurch natürlich auch viel Spaß und Zeit für meine Freunde.
Dreimal die Woche bin ich in Shiki, Saitama und erstelle dort Übersetzungen, Reisepläne und Korrespondenzen (von denen ich manchmal selber nichts verstehe) für eine Reisefirma.
Diese Firma mit einem sehr netten Chef und ganz tollen Kollegen ist mir so ans Herz gewachsen, dass ich da sogar an freien Tagen für einen Hungerlohn hinpendel. So japanisch wollte ich nie werden und bin es wohl doch.

Vor zwei Tagen gings dann mit dem Chef auch zum typischen abendlichen Trinken und bei Bier und rohem Fisch wurde dann meine zukünftige Karriere besprochen. Zur Zeit sieht es so aus, als könnte ich im April wirklich fest angestellt werden und damit ein Visa, eine eigene Wohnung und noch mehr Verantwortung bekommen. Aber noch nichts genaues weiss man nicht und ich werde mich hüten, hier Gerüchte in die Welt zu setzen. Vorerst warte ich ab und bleibe bei meiner Gastfamilie.
Die Arbeit macht Spaß, auch wenn das Geld nicht reicht. Jeder bemüht sich um mich und all meine Freunde und auch die Firma unterstützt mich ungemein. Manchmal fühle ich mich hier schon so eingebunden, dass ich mir gar nicht mehr vorstellen kann, irgendwann anders gelebt zu haben.
Ich bin jeden Tag unterwegs, selbst an freien Tagen nutze ich die Zeit und kann zusätzlich die Kälte im eigenen Haus nur schwer ertragen. (Japanische Häuser werden ja nicht beheizt und an Schnee-Tagen ist das ein Grauen!)

Wenn ich nicht gerade arbeite, was mache ich dann?

An Wochenende bin ich öfter mit Hirasawa-Fans unterwegs, die nennen sich “Uma no Hone”. Das ist eine kleine Twitter-Gemeinde, in die ich mich mehr oder weniger heimlich eingeschlichen habe und mit denen ich dann zusammen zum Karaoke, Kochen oder Essen fahre. Nebenbei läuft unserer aller Lieblingsmusik und jeder ist glücklich.

Bei solchen Treffen läuft immer Hirasawas Musik.

Bei solchen Treffen läuft immer Hirasawas Musik.

Einmal die Woche nehm ich noch Japanisch-Unterricht bei meiner ehemaligen Lehrerin, aber zu meiner Schande muss ich zugeben, dass ich das Lernen für den 2. Grad des Japanisch-Testes einfach noch nicht ernst genug nehme. Ich bin 24 Stunden von Japanisch umgeben und bin dann Abends so müde, dass ich mich nicht noch an ein Buch setze. Da fehlt mir dann doch die Disziplin der Japaner. (Zum Hirasawa-DVD gucken reicht meine Kraft aber noch, jaja – Prioritäten!)

Konzerte vernachlässige ich gerade ein bisschen, es gibt nur noch drei, vier Bands, die ich wirklich mag und deren Live-Auftritte waren im Januar sehr begrenzt. Ich bin inzwischen komplett in die New-Wave-Schiene abgedriftet und man findet mich leider nicht mehr auf Visual Kei Konzerten, ausser man hat mich vorher mit viel Alkohol abgefüllt.
Letzte Woche war ich beim Beat Surfers Summit, was wirklich eine tolle Veranstaltung für New Wave und Computer-Musik-Freunde war und im April geht es dann weiter mit “Live Swing”, einer Veranstaltung im ähnlichen Rahmen.

Beat Surfers Summit in Koenji. Ich bin für den älteren Miura Shunichi hin gegangen.

Beat Surfers Summit in Koenji. Ich bin für den älteren Miura Shunichi hin gegangen.

Meinen Geburtstag habe ich am 27. und am 31. gebührend gefeiert. Am 27. war ich mit meiner Englisch-Schülerin beim 6-stündigen Karaoke, danach Fisch essen und zum Abschluss waren wir in einer gemütlichen Sake-Bar. Meine Schülerin hat alles vorher reserviert und bestellt, sodass es in der Sake-Bar sogar noch einen Teller mit “Happy Birthday, Rika” und viel Früchten und Eis gab.

Da steht mein Name drauf, das ist für mich!

Da steht mein Name drauf, das ist für mich!

Ich war zu Tränen gerührt, weil ich das (vor allem in einer Bar) nicht erwartet habe. Am 31. war ich mit Bangya-Freunden in Shinjuku essen und erneut beim Karaoke. Ja, man kann mir mit Singen viel Freude machen. Vorher gab es viel zu viel gutes Essen im Pasera, eine Art Party-Resort und zu fünft schafften wir nicht mal die Hälfte von all den servierten Speisen.

Davon wurde uns schön schlecht.

Davon wurde uns schön schlecht.

Bis 23 Uhr gings dann mit Bier und lauter Musik weiter und ich musste mich ein bisschen beeilen, um den letzten Zug zu schaffen. Ich wollte erst bei dem Freund meiner besten Freundin übernachten, aber ich hatte am nächsten Tag (wie immer) Termine und hätte mir dann meinen Zeitplan durcheinander geworfen.
Mit Müh und Not hab ich es dann aber doch noch heim geschafft.

Beim Karaoke. Bier-Level 100%.

Beim Karaoke. Bier-Level 100%.

Mit Abstand war das mein bester Geburtstag seit Langem. Alle meine Freunde haben sich unheimlich um mich bemüht und gemeinsam hatten wir so viel Spaß. Mein einziger Wunsch beim Kerzen-Auspusten war, dass ich nächstes Jahr wieder hier in Tokyo feiern kann.
Und ich werde mich bemühen, dass ich das hinbekomme.

Auch meine japanische Familie hat an mich gedacht.

Auch meine japanische Familie hat an mich gedacht.

Wenn ich nicht gerade schreibe, dann lese ich viel. Vor allem in den ewig langen Zugfahrten, die ich manchmal von Adachi bis nach Saitama unternehme. Wenn ich nicht gerade eingequetscht an der Zugtür stehe, dann schaffe ich es immer noch meinen Reader vor die Nase zu halten. Gerade erst habe ich “Hiroshima Diary: The Journal of a Japanese Physician, August 6-September 30, 1945” von Michihiko Hachiya beendet und habe jetzt wieder angefangen Murakami Ryu zu lesen – “Popular Hits of the Showa Era”. Bei Murakami ist es immer so, dass ich beginne an Japan zu zweifeln und erstmalig die Anstrengung, den Stress und die Mentalität der Menschen hier hinterfrage. Dafür liebe ich seine Bücher. Wiederum treffe ich selten Japaner, die ihn als Autor mögen, da seine Geschichten meist sehr brutal und blutig sind. Und wahrscheinlich kommt auch Japan-Kritik bei Japanern nicht sehr gut an.
Und wenn wir schon von guten Büchern reden, poste ich hier nochmal gute Musik, das Original sollte ja jedem bekannt sein und derjenige, der da ein tolles Cover hinlegt ist Teruo Nakano, auch ein Mitglied der Beat Surfers.

Damit bin ich erstmal am Ende meines kurzen Updates, wenn sich lebensveränderende Entscheidungen ergeben, melde ich mich wieder. Bis dahin pendel ich in Zügen zur Arbeit und gehe Abends mit den Kollegen trinken. Ich lebe also ein kleines Klischee.

Mata ne!

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Entspannung?

“Und wo entspannst du dich?”

Das hat mich meine Englisch-Schuelerin heute gefragt und ich war einen Moment sprachlos. Wo entspanne ich mich eigentlich?

Ich weiss es ehrlich gesagt nicht. Und ich habe jetzt den ganzen Heimweg darueber nachgedacht, im vollen Zug, das Tablet in der Hand, wo ich mich denn eigentlich so entspanne. Ob ich mich ueberhaupt entspanne. Ob entspannen in Tokyo angebracht ist.

Denn Sitzbaenke sind spaerlich gesaet, es gibt viele Cafes, in denen man stundenlang sitzen kann, aber die meisten haben dabei auch ein Buch zum Lernen aufgeschlagen oder kritzeln irgendwas in Notizbuecher. Das mache ich inzwischen auch. Ich lese in der Bahn, ich beantworte Mails im Cafe, ich beschaeftige mich selbst 15 Stunden am Tag. Alles andere erscheint mir hier auch unangebracht.

Am naheligensten waere es ja, zu Hause zu entspannen. Was macht man denn zur Entspannung? Fernsehen schauen? Das geht in meinem eigenen Zimmer nicht, da ich es mir mit meinem Bruder und meiner Schwester teile und kein Platz fuer einen Fernseher ist. Oben im dritten Stock in der Kueche steht ein Fernseher. Da kann man dann etwas unbequem verrenkt auf den Kuechenstuehlen sitzen und Fernsehen schauen. Der laeuft dann auch meist beim Abendessen. Ohne das man wirlich hinschaut. So als Beilage zum Fisch. Ist ganz angenehm.
Eine Couch oder eine anderweitige Sitzgarnitur gibt es in diesem Haushalt nicht. Ab und zu sitzt mein Vater auf dem Trainingsgeraet. Ohne zu trainieren.

Ich habe nur mein Bett und einen kleinen Schrank, sowie zwei Boxen unter dem Bett. In Boxen und Schrank sind meine persoenlichen Sachen verstaut, auf dem Bett wird nur geschlafen. Da kann man sich nicht tagsueber raufsetzen oder drin rumliegen, ausser man hat grad frisch geduscht. Die 4 Decken, die aufgrund der Kaelte so aufgestapelt sind, werden nicht gewaschen oder sind auch nicht bezogen – deshalb kann man sich da nicht mit Strassenklamotten rauflegen.

Es gibt noch einen Schreibtisch, der von meiner Schwester genutzt wird und die ausschliessliches Recht darauf hat, immerhin steht sie kurz vor der Uni-Eingangspruefung. Das erlaubt ihr zur Zeit alles im Haushalt. Auch die Schreibtisch-Alleinnutzung.

Deshalb arbeite ich meist in irgendwelchen Cafes, sogar Starbucks, wenn es sich nicht vermeiden laesst. Zu Hause ist entweder kein Platz oder es ist einfach zu kalt. Zu Hause ist kein Ort an dem man lange bleibt. Man isst ein bisschen, man duscht, man schlaeft seine 5 Stunden. Man entspannt auch nicht. Man hoert keine Musik, weil man nicht allein im Zimmer ist, man telefoniert auch nicht mit der Familie, weil man sich irgendwie doch nicht allein fuehlt, auch wenn Deutsch bestimmt nicht verstanden wird. Man liest nicht, weil man in den kalten 4 Waenden sowieso nur friert und das Buch kaum halten kann. Man sitzt nicht einfach so rum, weil es nur zweckmaessige Stuehle gibt.
Man arbeitet. Egal wo.

Man gammelt nicht einfach so zu Hause rum, wenn alle taeglich schon um 5 Uhr aufstehen und erst 22 Uhr wiederkommen.
“Du hast ein leichtes Leben mit deinen Nebenjobs.” hat meine Schwester mir gestern mehr oder weniger an den Kopf geworfen. Da war ich genau so sprachlos, wie als meine Schuelerin mich nach Entspannung fragte.

Entspannt man denn in Japan? Darf man denn entspannen? In meiner Familie habe ich nicht das Gefuehl, ein Recht auf Entspannung zu haben. Aber es hat mich bis jetzt nie gestoert, weil ich selber nicht hinterfragt habe. Mir erschien ein Leben ohne Entspannung als natuerlich.

Es musste erst jemand anderes kommen, um mich darauf hinzuweisen, dass es sowas wie einen Timeout gibt.
Muss ich mich schlecht fuehlen, wenn ich als Deutsche manchmal in einem so vielbeschaeftigten Land entspannen will?

Ich glaube, meine Familie brauche ich dazu nicht befragen, die Antwort waere mir schon von vornherein klar. Aber ich kann meine Familie auch gar nicht befragen.
Wir sind alle so beschaeftigt – wir sehen uns kaum.

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Arbeitsalltag

Außer Alltag erlebe ich gerade nichts Spannendes, deshalb sind meine Einträge gerade etwas spärlich gesät.
Neben Deutsch- und Englisch-Unterricht, sowie dem Bloggen über japanische Gepflogenheiten schreibe ich jetzt auch noch ab- und zu Artikel über Tokyo und arbeite in einer Reisefirma. “Wow”, werdet ihr jetzt denken. “Die muss ja 24 Stunden beschäftigt sein.”
Aber leider habe ich immer noch viel zu viel Freizeit.

“Leider” nur, weil mir meine Gastfamilie schon ein bisschen aufs Dach gestiegen ist. Man denkt, ich verlümmel hier nur meine Zeit und bespaße mich Abends bei Konzerten. (Was ja fast auch stimmt. Aber nur fast.)
Aber durch die ganzen Nebenjobs habe ich einfach keinen geregelten Tagesablauf und ich muss flexibel sein. Ich hänge also nicht von 9 bis 18 Uhr in einer Firma, sondern bin halt mal hier und mal dort. Und ich glaube, das ist für viele Japaner nicht ganz so selbstverständlich. Vor allem erfordern meine Arbeiten auch viel Vorbereitung zu Hause. Das Blog-Tippen oder Artikel schreiben geht natürlich ganz allein auch am heimischen Schreibtisch. Aber ein Sprachen-Unterricht muss man auch vorbereiten. Und wenn ich Artikel über Tokyo schreibe, dann brauche ich auch Zeit zum Recherchieren.

Letzteres macht mir gerade unheimlich Spaß. Vorgestern habe ich erst über meinen Wohnort, Adachi-ku geschrieben. Was alle Japaner wissen und viele Ausländer eher nicht – Adachi-ku ist das Ghetto von Tokyo. Das Dreckspflaster. Das Arbeiterviertel. Das Neukölln Tokyos. ;D
Ich übertreibe vielleicht ein wenig, aber es gibt sogar Mütter die zu ihren Kindern sagen “Wenn du nicht artig bist, dann kommst du auf eine Schule in Adachi!” ;)
Ich wohne schon ewig hier, auch als ich 16 Jahre alt war, habe ich mich hier wahnsinnig wohl gefühlt. Von irgendwelchen Kriminellen, Yankees oder sonstigen Jugendbanden bemerke ich nichts. Es gab in der Vergangenheit einige Verbrechen, die in dieser Gegend passiert sind und durch ihre besondere Grausamkeit oder Brutalität aufgefallen sind. Aber das waren Einzelfälle und diese haben trotzdem ein ziemlich schlechtes Bild hinterlassen.
Deshalb habe ich in meinem Artikel erstmal alles revidiert und immer wieder bestätigt, wie schön es hier ist. Die Weihnachtsbeleuchtung in Takenotsuka, eine Station weiter, soll sehr schön und in Tokyo besonders berühmt sein. Als Deutsche finde ich das ganze Geblinke und Gebimmel ein bisschen kitschig, aber ich bin halt Striezelmarkt-verwöhnt.
In Adachi lässt es sich auf jeden Fall gut leben. Wenn der Artikel veröffentlicht wird, geb ich euch Bescheid. (Und dann werdet ihr alle nach Adachi kommen wollen, bestimmt!)

Auf jeden Fall schreibe ich unheimlich viel und meine Gastfamilie sieht den Aufwand dahinter nicht.
Ich nehme an, dass auch in Japan das Schreiben nicht als Beruf anerkannt wird, deshalb gelte ich vielleicht als Faulenzer oder sogar als Neet.

Hiermit möchte ich aber meinen Ruf retten und sagen – nein, ich hab den Arsch voll von Terminen, aber ich regel sie einfach anders. Mein typischer Wochenplan sieht zur Zeit so aus –
Montags bin ich von 9 bis 17 Uhr in einem Reisebüro und übersetze japanische Flyer ins Englische. Klingt total spannend, ist es aber leider nicht. Aber im Büro ist es warm, die Kollegen sind nett und der Stuhl ist auch bequem. Da kann man also gut mehrere Stunden rumsitzen.
Dienstags unterrichte ich ab 14 Uhr Deutsch. Mit Anfahrt und Vorbereitung mache ich meist so gegen 10 Uhr los und bin dann bis 16 Uhr eingespannt. Abends fahre ich von Saitama dann zurück nach Tokyo, um dort meine Lehrerin zu treffen. Erst unterrichte ich Deutsch, dann werde ich wieder Schülerin und nehme Japanisch-Unterricht.
Mittwochs fahre ich immer nach Gaienmae um meine getippten Blogs abzugeben und neue Themen mit den Kollegen zu besprechen. Das ist dann auch immer gegen 14 Uhr, manchmal bis open end. Morgen unterrichte ich aber ab 16 Uhr Englisch, das heißt in Gaienmae bleibt mir nicht viel Zeit. Blog hochladen, kurz überprüfen lassen und dann gleich wieder los fahren. Meeting mit den Kollegen dann meist über Google Hangout.
Donnerstag dann wieder Deutsch-Unterricht. Die Taktung bis 16 Uhr gefällt mir ganz gut, wenn ich dann noch einen Express nach Ikebukuro zurück schaffe, kann ich manchmal sogar noch Konzerte besuchen. Obwohl ich das jetzt eher einschränken sollte. Vielleicht. Mal sehen.
Freitag dann wieder 9 bis 17 Uhr Flyer übersetzen in der Reisefirma. Das schlaucht dann auch so sehr, dass ich sehr froh bin, wenn ich Abends nichts mehr machen muss. (Außer ein paar anspruchslose Spielesendungen gucken.)

Was ich täglich erledige ist das Arbeiten an einigen Texten, die ich nächstes Jahr bei kleineren Literatur-Wettbewerben einreichen will. Zusätzlich hat meine Lehrerin mir aufgetragen, jeden Tag Tagebuch auf Japanisch zu schreiben. Die Zeit nehme ich mir, auch wenn das manchmal nur eine Seite wird. Meine Lehrerin korrigiert die Einträge dann und zusammen reden wir über eventuelle Fehler. Genau so unterrichte ich wiederum Deutsch und Englisch. Vor allem meine Englisch-Schülerin hat schon ein hohes Niveau, dass ich ihr die selbe Aufgabe gestellt habe.
Bei meinem Deutsch-Schüler dauert das noch eine Weile, aber es gibt sich sehr viel Mühe und die Aussprache fällt ihm auch nicht allzu schwer. Alles in allem bin ich also mit meinem Unterricht zufrieden. ;)

Über angehende und bereits besuchte Konzerte werde ich hier vorerst nicht berichten, denn ich bin ja fleißig und gewissenhaft. ;)

In meinem Aschenbrödel-Kalender habe ich gestern das erste Türchen aufgemacht. Weihnachtlich wird mir hier bei 18 Grad nicht unbedingt, aber an gewissen Traditionen halte ich gerne fest.
Euch allen eine schöne Vorweihnachtszeit.

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Sprachen, Schreiben, Lehren.

Hier bin ich wieder, es wird ja auch mal Zeit. Werde ich schon vermisst? Oder reichen meine sporadischen Twitter- und Facebook-Updates? ;)

Ein kleinen Dank an dieser Stelle an Matthias Reich von Tabibito, der mich in seinen Blog-Radar aufgenommen hat. Seitdem schießen nicht nur meine Klicks nach oben, ich habe auch durch den Verteiler ein paar interessante Blogs entdeckt. Schaut doch auch mal rein, es gibt noch mehr, die hier leben und darüber schreiben! ;)

Manche haben es ja schon bemerkt: ich bin jetzt Deutsch-Lehrerin. Zweimal die Woche fahre ich ziemlich, sehr, viel, unmöglich weit weg um dort in eine Firma Deutsch zu unterrichten. Der Anfahrt-Weg ist fast genau so lang wie meine Unterrichts-Einheit, dafür macht die Arbeit so viel Spaß, dass mich das gar nicht stört.
Ich fahre bis nach Kamifukuoka, in Saitama. Von mir aus ist das eine gute Stunde mit dreimal umsteigen und zum Schluss sogar noch eine kleine, aber feine Busfahrt.

So sieht es da aus, wenn man an einem schönen Tag auf den Bus wartet.

So sieht es aus, wenn man an einem schönen Tag auf den Bus wartet.

Ich befinde mich dann so weit außerhalb von Tokyo, dass ich fast schon denke, ich bin zurück in Brandenburg.
Neben der Firma, in die ich dann geschleust werde, gibt es eine Grundschule, von der aus ich von den Kleinsten wie ein Alien angestarrt werde. Es scheint dort nicht viele blonde Ausländer zu geben.
In der Firma erhalte ich dann professionell ein Schildchen, auf dem “Deutschlehrer” drauf steht. Das zeige ich dann immer ganz stolz rum, wenn ich in Anzug und Pumps über das Gelände stöckel. Auch, damit man mich nicht als Eindringling aus der Firma verweist. ;)

Deutschlehrerin. Das bin dann wohl ich.

Deutschlehrerin. Das bin dann wohl ich.

Mein Schüler ist ein Firmenangestellter, der nächstes Jahr nach Deutschland geschickt wird. Auch wenn ich ihm gerade erstmal von Grund auf die vier deutschen Diphtonge einprügel und die Aussprache der Umlaute vermitteln will, interessiert er sich viel mehr dafür, in Deutschland irgendwie überleben zu können. Und das kann ich ihm nicht verübeln, denn manchmal wünschte ich mir, ich hätte auch so eine Vorbereitung für Japan gehabt.
Das Material wurde mir von meiner Sprachschule gestellt. Das Buch ist nicht allzu schlecht, da es komplett auf Deutsch ist, gute Grundlagen bietet und die Bilder auch ganz unterhaltsam sind.
Nur die CD lässt ein bisschen zu wünschen übrig, aber ich arbeite sowieso lieber mit dem Material, was ich im Internet finde oder mir selbst zusammenstelle.

Deshalb bereite ich jetzt täglich Unterrichtsmaterialien vor und recherchiere auch solche Kleinigkeiten wie Kindergarten-Anmeldung, Mietpreise in der Stadt, in die mein Schüler ziehen wird, Zugverbindungen und und und. Dabei lerne ich auch noch einiges, man merkt also – ich habe viel Spaß.
Wöchentlich muss ich dann einen Bericht an meinen Arbeitgeber schreiben, Ende Januar, wenn der Unterricht abgeschlossen ist, gibt es sogar noch einen letzten Test und einen Abschluss-Bericht, den ich auf Japanisch einreichen werde. Das finde ich, ehrlich gesagt, klasse. Genau in diese Richtung wollte ich gehen und das ich es so weit geschafft habe, macht mich sehr stolz.

In der japanischen Arbeitswelt nur mit Anzug.

In der japanischen Arbeitswelt nur mit Anzug.

Diese Aufgabe füllt meine Woche ganz gut aus, nebenbei ist auch mein erster Englisch-sprachiger Blog eingestellt. Leider wurde er im Nachhinein noch einmal so verändert, dass ich schon gar nicht mehr von “meinem” Blog reden möchte. (Mal abgesehen von den Fehlern, die jetzt drin sind!) Aber ich werde dafür bezahlt, also kann es mir ja eigentlich egal sein.

Zusätzlich habe ich noch eine japanische Schülerin, die Englisch lernen will. Sie hat sich bei mir über eine Internet-Anzeige gemeldet und wir haben uns letzte Woche in der Ginza getroffen. Da sie drei Jahre in Amerika gelebt hat, hat sie sehr gute Grundlagen. Fast schon so gut, dass ich ihr gesagt habe, dass ich ihr Englisch nicht versauen möchte und sie sich lieber einen Muttersprachler suchen soll. ;) Trotzdem fand sie mich scheinbar ganz gut und bestand darauf, dass ich die neue Lehrerin werde. Trotzdem verlange ich nicht viel Geld. Da ich keine Muttersprachlerin bin, mache ich wahrscheinlich auch Fehler oder kann ihr bestimmte grammatische Konstruktionen nicht erklären. Was ich ihr gerade anbiete ist eine wöchentliche Hausaufgabe in Form eines Essays oder ein paar Fragen, die sie beantworten muss. Gemeinsam gehen wir diese Hausaufgabe dann durch und sprechen darüber auf Englisch. Das macht nicht nur Spaß, sondern ich traue mir auch zu, sie ggf. zu korrigieren. Zusätzlich hat sie die Möglichkeit zu sprechen. Und was gibt es Wichtigeres beim Sprachenlernen als das Sprechen?

Für Konzerte und Live-Events bleibt trotzdem noch genug Zeit.
Das P-Model Event war einfach klasse und auf Facebook habe ich dazu ja schon einige Fotos und Video geteilt.
Vorgestern war ich noch bei einem DVD-Release-Event von GalapagosS, zu diesem Anlass habe ich Naomi wiedergesehen und gemeinsam waren wir Sushi essen. Nächste Woche freue ich mich auf ein Event in Takadanobaba, bei dem ich Milly Bison und Kotaro wieder sehen werde. Zwei Künstler, die ich schon seit März treffen möchte. Die Band, für die ich hier Übersetzungen anfertige, wird auch vor Ort sein. Es wird also eher ein großes Treffen mit Freunden als ein Live-Konzert.

Gestern Abend habe ich mit einer Quallen-Gesichts-Maske entspannt. Ja, sowas macht man hier.

Gestern Abend habe ich mit einer Quallen-Gesichts-Maske entspannt. Ja, sowas macht man hier.

Heute bin ich zur Abwechslung mal wieder Schülerin. Gegen 14 Uhr treffe ich mit mit meiner Lehrerin und pauke höfliches Japanisch. Danach fahren wir zu ihrer Mutter, dort lerne ich Japanisch kochen.
Grundsätzlich hatte ich ja immer die Absicht, einen Japaner zu heiraten, aber ohne Kochkenntnisse nimmt mich hier keiner. Das bestätigen mir jedenfalls immer wieder meine Freunde. ;) Die Mutter meiner Lehrerin will jedoch unbedingt Englisch lernen und so haben wir einen Deal ausgemacht – Kochkenntnisse gegen Sprachkenntnisse.
Das wollen wir jetzt auch noch einmal pro Woche machen, ich weiß jedoch noch nicht, wie das in meinen engen Zeitplan passt.

So komm ich hier ganz gut über die Runden. Ich schreibe viel, ich unterrichte und beschäftige mich dadurch mit den Dingen, die ich am meisten mag – Sprachen und Literatur. Ab- und zu gönne ich mir meine Lieblingsbands und esse dazu ausnahmslos gutes Essen. Ich möchte fast sagen, ich lebe hier wie im Himmel.

Das Wichtigste ist jedoch, dass ich gerade in allen Bereichen sehr viel Erfahrung sammel. Ich spreche viel, ich reflektiere viel, vor allem meine eigene Sprache und Kultur. Ich merke auch, was mir immer wichtiger wird und worauf ich nach- und nach verzichten kann. Das macht mir fast noch mehr Spaß, als die ganzen Pflichten, die ich hier zu erfüllen habe.
Japan tut mir gut. Und ich werde weiter darüber berichten.

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Sonntags-Eintrag

Sonntag. Und wieder alle unterwegs. “Frei haben” nennt man das hier. Glaube ich zumindest.
Aber bei mir ist es gestern auch spät geworden und heute wird es wahrscheinlich wieder spät werden. Und nächste Woche stürze ich mich sinnlos in die Arbeit. Also darf ich heute nochmal genießen. Ab 15 Uhr P-Model-Night in Shibuya. Was sich hier als Nacht-Event verkleidet ist ein Nachmittags-Event bis 22 Uhr. Die letzten Züge fahren in Tokyo gegen Mitternacht, wenn man also noch nach Hause möchte, ist dieses Zeitfenster ideal. P-Model ist Susumu Hirasawas Band aus den 80er Jahren. Und wer meinen Blog aufmerksam verfolgt hat, brauchte diese Erklärung gerade nicht zu lesen. ;)

Gleich beginne ich zu erzählen. Aber vorerst will ich einen kleinen, großen Dank an meine Leser aussprechen. Ich habe in den letzten Wochen viel Zuspruch für meinen Blog gefunden und bin darüber durchaus erfreut. Mein Ziel war es nicht nur, Dampf abzulassen und meine Muttersprache nicht zu vergessen, ich freue mich natürlich auch, wenn ich euch unterhalten kann. Und noch mehr wünsche ich mir, dass ihr nicht die gleichen Fehler macht wie ich, solltet ihr jemals in Betracht ziehen, im japanischen Ausland zu arbeiten.

Gestern habe ich mich mit einer Gleichgesinnten getroffen, eine Chinesin, die ursprünglich auch für Musik und Manga-Kultur nach Japan kam. Sie arbeitet nun schon seit 3 Jahren in einer IT-Firma und wohnt in der Nähe von Haneda. Ein sehr nettes Mädchen und ich war froh, dass ich meine Grundkenntnisse in Chinesisch noch einmal anbringen konnte.
Danach trennten sich unsere Wege vor dem Bahnhof in Shibuya, sie ging shoppen, ich suchte den “Club Crawl”. Natürlich wieder ein Konzert. Heute sogar kostenlos, also musste ich nicht mal ein schlechtes Gewissen haben.
Wie immer ein angenehmes Erlebnis, bei meiner Lieblingsband ganz vorne in der ersten Reihe, denn man tauscht mit den Gästen ständig die Plätze. Es wird gefragt, welche Band man mag und danach wird sich dann angestellt. Gestern Abend war es ein bunter Mix aus Pop-Musik, Rock und Punk. Insgesamt traten 5 verschiedene Bands auf und alle waren durchaus gute Entertainer.
Schnell war es dann 22 Uhr und ich kämpfte mich durch die vollen Züge nach Hause.
Heute Abend wieder Shibuya. Etwas ruhiger, ein anderes Publikum. Leider nicht kostenlos, aber dennoch günstig.
Und morgen beginnt dann der Ernst meines japanischen Lebens. (Ich erwarte es zumindest!)

13 Uhr muss ich nochmal nach Shinjuku, mein japanischer Vater hat mich an eine deutsche Reisefirma vermittelt und will, dass ich dort vorstellig werde. Vermittelt heißt, ich werde erwartet und muss ordentlich auftreten. Sonst verliert auch mein Vater sein Gesicht. Also morgen wieder Anzug und Haare zusammenbinden. Meinen Punk-Look verstaue ich erstmal im Schrank. Egal, wie sich das Gespräch entwickeln wird, danach fahre ich gleich weiter in meine Firma nach Akabane und unterschreibe dort meinen Vertrag als Deutsch-Lehrerin. Ab Dienstag bin ich dann in Saitama eingesetzt. In einer Firma, in der die Angestellten nach Deutschland geschickt werden, werde ich wiederum vorbereitend unterrichten.
Freitag letzte Woche war ich dann noch in meiner anderen Arbeitsstelle in Gaienmae, Harajuku. Dort habe ich meine getippten Blog-Texte hochgeladen und sobald die Chefin die Link-Zuordnung und Rechtschreibung kontrolliert hat, wird sie die Texte hochstellen. Natürlich werde ich hier informieren, wenn meine ersten bezahlten Texte online sind. Ich hoffe nur, dass mein Englisch einigermaßen korrekt sein wird, es gibt hier niemanden, der mich kontrollieren könnte. Aber vielleicht reicht es für den Anfang.
Nächsten Freitag hechte ich wieder in diese Firma, so wird das jetzt jede Woche ablaufen. Texte schreiben, Freitags hochladen und dann auf die Freischaltung warten. Die anderen Tage in der Woche werde ich Deutsch unterrichten und Übersetzungen für einige Bands anfertigen. Ich werde am Ende des Monats also ein kleines, aber stetiges Einkommen haben und kann meinen Wochenplan immer noch selbst gestalten.
Mittwoch habe ich noch ein Vorstellungsgespräch bei einer Auto-Firma (keine Ahnung!) in Yokohama. Wer mich kennt, weiß ja, wie viel ich von Autos und Auto fahren halte (haha!), aber natürlich nehme ich auch dieses Gespräch mit. Jeden noch so kleinen Erfahrungswert will ich hier nicht auslassen.

Inzwischen weiß ich auch, dass der Weg zu meinem idealen Job und dem passenden Leben dazu entscheidender ist, als das Ergebnis am Ende. Die Jobsuche habe ich vorerst beendet, da ich mit den zwei Nebenjobs recht ausgefüllt bin. Da in Japan die Schulen und Universitäten im Frühjahr beginnen, suchen die Firmen auch erst im März/April neue Angestellte.
Also werde ich mich vorerst mit meinen Nebenjobs und der verbleibenden Freizeit über Wasser halten und dann im Frühjahr erneut nach etwas suchen, was meinen Aufenthalt verlängert. Klingt das nach einem vernünftigen Plan?

Der Grund, warum ich hier schreibe und ständig hin- und her überlege und mit mir selbst diskutiere ist ein einfacher – niemand kann mir sagen, was richtig oder falsch ist und die wichtigen Entscheidungen muss ich hier alle allein treffen. Das mache ich natürlich auch. Was sollte mir auch anderes übrig bleiben? Aber manchmal fehlt die Zeit zum ruhigen Nachdenken und dann hilft mir nur noch das Schreiben. Auf einem Blatt Papier oder am PC-Bildschirm kann ich meine Gedanken viel besser fassen. Auch wenn sie noch so absurd sind.

Damit wartet eine ausgefüllte Woche auf mich. Vorerst schmeiß ich mich jetzt in meine Abendklamotten und pinne mir mein P-Model-Merchandise an die Klamotten. Schließlich will ich dazu gehören. Wie alle anderen auch.

じゃな。

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