Meine Reisen

z.Zt. Daueraufenthalt in Japan

Aufarbeitung meiner Reise – Teil 2 – Die Maikos

- März 3, 2012

Wie schon vorher erwähnt hatte ich richtig Glück, Izumi als neue Freundin gefunden zu haben. Sie schenkte mir nämlich eine Maiko-Foto-Session zum Geburtstag und das war auch der besondere Ort, an den wir uns jetzt begaben – ein Foto- und Ankleide-Studio.

Nach dem Mittag-Essen liefen wir an den kleine Geschäften von Arashiyama den Weg zurück, den wir gekommen waren und erreichten einen unscheinbaren Eingang, der mit ganz vielen Fotos beklebt war – Fotos von Leuten, die sich schon vorher als Maikos verkleidet hatten.

Eine Maiko ist das, was wir im Westen unter „Geisha“ verstehen – eine Unterhaltungsperson, keine Prostituierte, die eine harte Ausbildung über sich ergehen lassen muss, um mehrere Instrumente spielen zu können, die hohe Kunst der Konversation beherrschen muss und auch tanzen und singen lernen muss. Eine Maiko ist noch die auszubildene Geisha, eine Geisha ist dann sozusagen die Maiko mit Diplom! 😉 Ich selber habe den Begriff „Geisha“ aber noch nie in Japan gehört, manchmal denke ich sogar, dieser Begriff ist nur westlich geprägt.. Wer genaueres weiß kann mich ja gern aufklären! 🙂
Natürlich gab es in der alten Hauptstadt Heian damals auch Prostituierte, das waren dann eine sogenannte Oiran, die ihren Kimono auch ganz anders trägt, als eine Maiko.

Eine Maiko trägt weisses Make-up, rote Lippen und schwarzen Lidstrich. Ihr Kimono ist am Nacken offen, aber dafür vorne fest verschlossen. Die Obi-Schleife, also die Gürtel-Schleife befindet sich am Rücken.

Der Kimono der Oiran ist lockerer gebunden, vorne offener und gibt manchmal auch den Blick aufs Dekolleté frei. Die Schleife sitzt vorne. Das Make-up ist freier und kann auch verführerischer sein – auch die Haare können variieren. Das Outfit einer Maiko ist mehr an Konventionen gebunden, als das einer Oiran.

Izumi und ich wurden Maikos, während unsere dritte Freundin im Bunde sich für das Outfit der Oiran entschied. Und schon ging es los.

Wir mussten einen Fragebogen bzgl. Allergien ausfüllen und wurden dann in einen kleinen Umkleideraum geführt. Dort mussten wir alles ablegen, Strümpfe, Pullover, Rock und bekamen einen weißen „Unterkimono“, der sich bei mir kaum binden ließ, aufgrund des „Oberweiten-Unterschieds“. Ich hörte, die Japanerinnen vor Eifersucht seufzen, mir war es eher unangenehm, dass dieses Kleidungsstück nicht passt. Danach bekamen wir „Tabi“ – weiße Socken, die zum Kimono getragen werden und einen Schlitz zwischen großen Zeh und den restlichen Zehen vorweist.

Nach dem Umziehen wurden wir auf Stühle gesetzt und das Schminken begann. Meine Haaren wurden zurück gebunden und in weniger als einer halben Stunde hatten die geschickten Hände der Japanerin mich in eine weiße Maiko verwandelt. Zur erst wurde mein Gesicht mit Öl eingerieben, damit sich das Make-up später besser abwaschen ließ. Danach wurde mit Spachtel und Pinsel großzügig Weiß aufgetragen, dabei wurde darauf geachtet, dass mein ganzes Gesicht weiß war, auch Lippen und Augen, nur der Nacken wurde frei gelassen. Das ist bei Maikos so üblich.

Dann wurde Puder aufgetragen, damit die weiße Farbe sich auch hielt. Meine Augenbrauen wurden mit rot und braun Tönen nach gemalt, dann wurde der schwarze Lidstrich mit roten Akzenten gezogen. Zum Schluss die roten Lippen – perfekt wurden sie nachgezogen und ausgefüllt.

Meine Haare wurden mit einem Haarnetz festgehalten und nur die vorderen Partien und der Pony wurde heraus gekämmt. Dann setzte man eine Perücke auf, die vorderen Partien wurden auf die Perücke zuruückgekämmt und mit Wachs und Haarnadeln befestigt. Die Perücke war sehr schwer und wurde mit Watte ausgestopft, um besseren Halt zu bekommen. Ich liess meine vorderen Haare blond, damit ich den Eindruck einer „ausländischen Maiko“ bestärken konnte. Man hätte sie auch kurzzeitig schwarz färben können.

Dann wurden wir in ein weiteres Ankleide-Zimmer geführt, dort durften wir uns die Kimonos selber aussuchen und auch die passenden Obis und den Schmuck dazu. Ich entschied mich für einen grün-goldenen Kimono, ich wollte schon immer einen grünen Kimono tragen. Sehr geübt und wieder mit einer unglaublichen Geschwindigkeit wurden die Kimonos gebunden – normalerweise ist das sehr anstrengend und schwer, man muss alle Lagen einzeln legen, es gibt auch eine Vorschrift, wie jede Falte zu liegen hat. Man bekam einen extra-Kragen und einen weiteren „Unterkimono“ unter dem eigentlichen Kimono, darüber dann das eigentliche Kleidungsstück, der Obi wurde mehrfach herum gewickelt und zur Schleife gebunden. Darüber kam Schmuck und eine Brosche. Ich glaube man kann sich vorstellen, dass es sehr schwer war, sich in all dem zu bewegen. Die Perücke war schon eine Herausforderung, und der Kimono tat sein übriges.

Danach noch Getas – die passenden Sandalen zum Kimono. Beim Haarschmuck entschied ich mich für weiße Blüten – mein Kimono war schon auffällig genug deshalb sollte mein Haar eher „zurückhaltend“ sein.

Fertig!

Meine Freundin Izumi hatte sich für einen roten Kimono entschieden und sah einfach nur klasse aus. Ich bin ja der Meinung, dass diese Art von Make-up nur am besten zu einer Japanerin passt. Zusammen schossen wir dann unzählige Fotos und hatten sogar noch einen professionellen Fotoshoot vor einer Leinwand.

Uns wurde sogar erlaubt, mit dem Kimono durch Arashiyama zu fahren – es regnete und deshalb durften wir nicht mit den kostbaren Seidenkleidern herum laufen, aber uns wurde eine Rikscha bestellt und wir wurden durch Arashiyama gezogen und bekamen dazu noch eine ausführliche Erklärung zu allen Tempeln und Schreinen, an denen wir vorbei fuhren.

Ich genoss sichtlich die Aufmerksamkeit der ansässigen Japaner und der herumlaufenden Touristen. Der Rikscha-Fahrer war sehr charmant und so hatten wir einen Riesen-Spaß.

Mit allem drum und dran dauerte das Ganze an die 4 Stunden, auch das Abschminken war ganz schön kompliziert. Vor dem eigentlich Abwaschen mit Wasser mussten wir erneut alles mit Öl einreiben, damit die Farbe besser abging, wir entfernten Lippenstift und Augen-Make-up extra mit Wattepads und wuschen dann das gesamte Gesicht und den Nacken. Das dauerte vielleicht eine halbe Stunde, bis wirklich alles Weiß abgewaschen war. Die Haare wuschen wir auch und dann zogen wir uns wieder um.

Ich bin Izumi immer noch so dankbar für diese Erfahrung, die ich an diesem Tag gemacht hatte. Wir bekamen die Fotos vom Shooting dann ausgedruckt und auch auf CD und bedankten uns mehrfach bei dem Team des Fotostudios.

Eine wunderbare Sache, die ich jedem nur empfehlen kann, wenn er mal nach Kyoto fährt. Als Ausländer wäre es ganz hilfreich ein bisschen Japanisch zu verstehen, vor allem, wenn man Anfangs die Fragebögen ausfüllen muss. Oder man nimmt sich gleich eine japanische Begleitung mit, die einem hilft.

In die Kimonos passt man aber allemal, ich bin 180 cm groß und auch etwas kräftiger und hatte keine Schwierigkeiten. 🙂

Und hier ein paar Fotos…


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