Meine Reisen

z.Zt. Daueraufenthalt in Japan

Kurztrip nach Antwerpen und Gotye im Sportpaleis

- November 5, 2012

„Einen Tag lang nach Antwerpen fliegen, die Stadt angucken und abends zu dem Gotye-Konzert im Sportpaleis gehen? Am nächsten Morgen gleich wieder nach Deutschland zurück fliegen und das in aller Frühe? …Klingt verrückt genug – das mach ich!“

Das mir dann Abends beim Konzert der Rücken weh tat und die Füße angeschwollen waren, bemerkte ich erst zwischen den Band-Pausen. Auf dem Rückflug übermannte mich auch ein wenig Müdigkeit. Aber – es hatte sich definitiv gelohnt!

Am Donnerstag, den 1. November stand ich rechtzeitig um kurz vor 4 Uhr auf, um noch einmal den Koffer zu überprüfen und mich für die Reise startklar zu machen. Trotz Doppelchecks vergass ich Zahnbürste und Deo. Aber sowas kommt halt in den besten Reisevorbereitungen vor. Mit dem bequemen Regionalzug ging es dann von Potsdam direkt nach Berlin Schönefeld – so weit so gut.

Eine Stunde vor Abflug schlängelte ich mich durch die Sicherheitskontrollen – Check-In war mit meinem Handgepäck nicht nötig und so ging alles sehr schnell und zügig. Im Handumdrehen sass ich im Flieger, drei Sitze für mich allein, kurz vor 7 Uhr. Vor mir eine Werbung für Leckereien, die man an Bord erwerben konnte – auch belgische Waffeln.
Meine Vorfreude wuchs.
Kurz nickte ich ein, dann wurde der Landeanflug angekündigt und erneut fand ich mich auf dem Brüsseler Flughafen wieder. Das dritte Mal in diesem Jahr, langsam fühle ich mich heimisch in Belgien’s Hauptstadt.

Mit Gepäck dann zum Bahnhof, ein Two-Way-Ticket für Antwerpen erstanden und erneut sass ich reibungslos schnell im Zug. Dort war ich relativ alleine, später fand ich heraus, dass in Belgien Feiertag war und auch deshalb alle Geschäfte geschlossen waren.
Nur 39 Minuten brauchte ich von Brüssel bis nach Antwerpen, dabei sass ich sogar in einem Regional-Zug, der kleine verregnet Stationen mit den lustigen Namen wie Mechelen oder Duffel mitnahm.

Antwerpen begrüßte mich eher mit grauen, trüben Wetter, trotzdem war der Hauptbahnhof wahnsinnig beeindrucken und leicht verwirrend. Touristen-like machte ich gleich Fotos bei meiner Ankunft.
Mit dem GPS-Handy meines Bruders irrte ich drei Runden um den Bahnhofsvorplatz – mein Hotel hätte ich schneller gefunden, wenn ich einmal nach oben auf die Beschriftung der Häuser geachtet hätte, als auf das kleine Display in meiner Hand.
Check-In war noch nicht möglich, das Gepäck konnte ich aber vorerst abgeben (Warum ich für nur einen Tag einen ganzen Koffer mitnahm, bleibt mir auch unerklärlich).
Nebenan gab es ein kleines Cafe, indem man mir ein frisches Käsesandwich mit Cola für nur 3 Euro zubereitete. Das Essen in Belgien ist ausnahmslos gut. Ich wurde noch nie enttäuscht.

In der Touristen-Information am Bahnhof beriet mich ein netter Herr, dass am Feiertag fast alle Museen geschlossen waren und erklärte mir den Weg zum Zentrum. Er gab mir den Tipp, das einzig offene Mode-Museum zu besuchen, „since it’s a girly thing“.
Mit 5 verschiedenen Stadtplänen ausgestattet und voller Elan machte ich mich auf den Weg, vorbei an geschlossenen Diamant-Geschäften, flämischen Kunsthäusern und immer wieder umzingelt von Japanern. Ich lernte viel während meinem Aufenthalt in Antwerpen, da es immer japanische Reisegruppen gab, an die ich mich unauffällig hängen konnte.
20 Minuten brauchte ich vom Bahnhof bis zum Grote Markt in Antwerpen, ein paar Souvenir-Läden waren offen, in denen ich mich mit Schokolade und Postkarten eindecken konnte.
13 Uhr begann die Besichtigung der „Onze lieve Vrouwekathedraal“, bis dahin lernte ich noch ein paar japanische Austauschstudenten kennen, denen ich erklärte, dass Belgien so schön war, weil man hier so viele Japaner antraf.

Ich spazierte zum Fluss Scheldt, um den Grote Markt herum und zurück zur Kirche – inzwischen war es 13 Uhr und ich konnte für 3 Euro in die Kirche und Rubens Meisterwerke besichtigen. Ich verbrachte dort eine Stunde, flankiert von Japanern und zusammen stimmten wir in ein „Oooh!“ und „Toll!“ vor den Darstellungen Christis ein.
Ein paar Minuten ruhte ich mich unter den Augen der Jungfrau Maria aus, dann ging ich weiter durch die Stadt. Selbstverständlich gab es belgische Pommes zum Mittagessen. Nach dem Schreiben von Postkarten und Aufwärmen spazierte ich langsam zum Hotel zurück, um mich auszuruhen. Nach einer heißen Dusche war es schon 17 Uhr, deshalb schlüpfte ich in mein Gotye-Tshirt und machte mich auf den Weg zum Sportpaleis.

Mit der U-Bahn, die aussah wie eine Tram fuhr ich nur 5 Stationen bis zu der Haltestelle „Sport“ – vor einer großen Halle hatten sich schon ein paar Menschen versammelt, die mir auch bestätigten, dass sie für Gotye anstanden. Ich war aufgeregt und freute mich auf Wally wie ein kleines Kind.

Pünktlich gegen 18:30 Uhr wurden die Türen geöffnet, ich stürmte in die Halle und ergatterte einen Platz in der ersten Reihe neben einer netten französisch-sprechenden Belgierin. Ich konnte meinen Mantel und meine Tasche bequem über die Eisenabsperrung hängen und bis 20:30 sass ich, um meinen Rücken zu schonen, auf dem Boden. 5000 Menschen versammelten sich um mich herum in dem Sportpaleis, dass dem Berliner Tempodrom sehr ähnelte. Gegen 20:30 Uhr waren auch alle Plätze auf den Rängen belegt. Die Anspannung stieg.
Der erste Künstler der pünktlich halb neun auftrat war Jonti, der das Publikum mit sehr experimenteller Musik aus Ukulele, Gitarre und Computer unterhielt. Der Bass war etwas übersteuert, aber trotzdem gefiel mir diese Art von Musik. Jonti bedankte sich immer wieder, dass man für ihn extra eher erschienen war, das Publikum verabschiedete sich von ihm mit lautem Applaus. Nach Jonti trat die australische Band PVT auf; nach der langen Wartezeit waren die Menschen um mich herum schon etwas ungeduldig und man spürte Enttäuschung, als Wally immer noch nicht auf der Bühne stand. PVT waren trotzdem sehr gut, ähnlich wie Jonti und Gotye arbeiteten sie mit Computern und Samples, aber auch mit Gitarren und Schlagzeug. Sie erinnerten mich ein wenig an eine australische And One Kopie und der Sänger war sehr sympathisch, da er immer wieder Flämisch einwarf oder australische Stereotypen bediente.
Nach PVT bauten die Techniker die Bühne erneut komplett um, das Publikum startete eine Laola-Welle, in der jeder mit einstimmte. Ich möchte an dieser Stelle auch ein Kompliment für das Antwerpener Publikum aussprechen – kein Kreischen, kein Schreien, kein Drängeln und kein Drücken. Neben mir brach schon bei der zweiten Vorband ein Mädchen zusammen, gemeinsam halfen wir ihr, wieder auf die Beine zu kommen. Das Konzert-Erlebnis war also durch das tolle Publikum besonders angenehm.
Endlich trat Gotye auf – gemeinsam mit seiner Band kam er ganz unspektakulär auf die Bühne und begann den Abend mit „The Only Way“. Das Publikum tobte vom ersten Lied an bis zum Ende.
Es wurden auch ältere Lieder wie „Night Drive“, „What do you want“ oder „Seven hours with a backseat driver“ gespielt, vor allem die Animationen zu den einzelnen Liedern waren wieder beeindruckend. Bei „Somebody that I used to know“ bat Wally uns aus Flämisch Kimbra’s Part zu singen und alle halfen kräftig mit. Wally Flämisch sprechen zu hören war sowieso ein ganz tolles Highlight, für das ich hauptsächlich nach Antwerpen gefahren bin.
Gegen Mitternacht und drei Zugabe-Liedern war das Konzert vorbei, ich fing noch das Plektrum des Bassisten der Band und drängelte mich dann erschöpft mit dem Rest des Publikums nach Hause. Die U-Bahnen waren überfüllt, zweimal stieg ich falsch aus, weil ich noch völlig verwirrt-glücklich auf mein Plektrum starrte. Freundliche Belgier wiesen mich aber immer wieder darauf hin, dass ich noch nicht am Hauptbahnhof war.
Erschöpft erreichte ich gegen 1 Uhr mein Hotel und fand nur drei Stunden Schlaf. Immer wieder wachte ich mit der Vorahnung auf, ich würde mein Flieger verpassen. Die Bauplane vor dem Hotelfenster klatschte regennass gegen das Glas und erinnerte mich daran, dass ich nicht zu Hause war. Um 5 Uhr gab ich das Schlafen auf, ging duschen und begab mich zum Check-Out. Obwohl ich das Hotel rechtzeitig verließ, schickte man mich am Bahnhof mehrmals in die Irre, sodass ich meinen Zug verpasste und einen anderen Zug nehmen musste. Ein hübscher junger Schaffner mit niedlichem Akzent zeigte mir endlich den richtigen Zug und wünschte mir viel Erfolg. Mein Umstieg, der in Mechelen statt finden sollte, missglückte auch und ich sass gegen 7:55 Uhr immer noch am Bahnhof fest. Das Gate würde um 8:20 Uhr schließen. Erneut halfen mir nette Belgier, das richtige Gleis zu finden.
8:05 Uhr fuhr mein Zug ein, 8:16 erreichte ich den Flughafen und noch nie hatte ich mich selbst so schnell mit einem Koffer rennen gesehen. Insgeheim hoffte ich, den Flug zu verpassen und länger in Belgien bleiben zu können.

Unwirsch drängelte ich mich durch die Sicherheitskontrolle und rannte zum Gate, kurz vorm Boarding schaffte ich es noch, den Flieger zu erreichen. Schade eigentlich.

Erschöpft und mit wirren Haaren liess ich mich in den Flugzeug-Sessel plumpsen. Neben mir saßen zwei freundliche Belgier, die ihr Deutsch für Berlin übten „Ich mag Sauerkraut.“.
Müde wechselte ich ein paar Worte und die Telefonnummer mit ihnen, dann schlief ich ein.

Als ich Berlin erreichte, wurde ich ein wenig traurig. Obwohl in Deutschland die Sonne schien, erschien es mir trister als Antwerpen im Regen. Vielleicht lag das an den Gesichtern der Menschen um mich herum.

Nächstes Jahr möchte ich nach Brügge fahren, denn schon jetzt vermisse ich die Freundlichkeit der Belgier und die kulinarischen Köstlichkeiten des Landes. Belgien war erneut inspirierend und abwechslungsreich. Das Gotye-Konzert war -wie erwartet – einfach großartig. Am Samstag lag ich etwas erschöpft und krank im Bett, doch der ganze Aufwand hatte sich definitiv gelohnt.
Wally selbst eröffnete sein Konzert am Abend mit den Lyrics aus „The only way“:

„Calm down now baby, the end of the journey’s in sight.
You traveled so far, love, now all of the stars are aligned…“

 

Im Nachhinein bin ich mir sicher, dass er mich damit meinte.

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