Meine Reisen

z.Zt. Daueraufenthalt in Japan

Japanische Arbeitsämter und ein Schritt nach vorne

- Oktober 20, 2014

Es hat sich wirklich und wahrhaftig etwas ergeben.
Nachdem ich heute von 11 Uhr bis 15 Uhr im Job Center für Ausländer saß (in dem übrigens alles, aber wirklich alles auf Japanisch war!) habe ich einige Möglichkeiten, bei denen ich mich von nun an bewerben kann.
Das Job Center war nicht leicht zu finden. Von Shinjuku aus schickte mich ein untersetzter Herr, mit schlechten Zähnen Richtung Nishi-Shinjuku Bahnhof und wollte für diese Leistung gleich meine Handynummer haben. (Ich hab das freundlich Japanisch gelöst und ihm die Nummer von meinem alten, unbrauchbaren deutschen Handy gegeben! ZACK!)
Dann rannte ich dreimal im Kreis und fand die Konzerthalle vom Samstag wieder. Auch nicht schlecht. Dann verirrte ich mich erneut so in Kabuki-cho, dass mir nur noch hübsche, charismatische Hostboys den Weg zeigen konnten (vielleicht hab ich das auch absichtlich gemacht, wer weiß!).
Irgendwann fand ich doch das unscheinbare Gebäude mit der japanischen Aufschrift „Hello work“. Am Empfangsschalter meldete ich mich an und füllte erneut irgendwelche sinnlosen Blätter aus, während die Empfangsdamen hinter mir über mein Japanisch tuschelten.
Anschließend musste ich eine ganze Stunde auf meinen Termin warten. Mein Handy, dass sowieso nicht funktionstüchtig war, war zusätzlich verboten. Also drehte ich Däumchen, bis man mich auf Japanisch ausrief und ich meinen japanischen Antrag auf Japanisch einreichte. Ich betone das so sehr, da ich mit Englisch in einem internationalen Job Center nur auf Unverständnis gestoßen wäre.
Und auf Unverständnis stoße ich bestimmt dadurch auch gerade bei meinen Lesern. Aber glaubt mir – die Monolingualität in diesem Land saugt einen ein und lässt einen nicht mehr los. Entweder man kann Japanisch oder man geht halt langsam strauchelnd unter.
Gott sei Dank hatte ich einen netten, älteren Herren, der mir bei der Jobsuche half. Er konnte die typischen deutschen Begriffe („Bier“, „Wurst“, „Ich liebe dich!“) und wir philosophierten über das Oktoberfest. Wenn er für mich die Anrufe bei den einzelnen Arbeitsstellen tätigte und dann bemerkte, dass „Die Deutsche ein ausgesprochen gutes Japanisch spricht!“, dann wurde ich ganz Stolz und vielleicht auch ein bisschen rot in dem überhitzten Büro.

Nun bin ich wieder zu Hause und sehr müde. Vier Stunden höflich und korrekt auf Japanisch reden hat mich mehr als angestrengt. Da ich nur vulgären Anime-Slang und Bangya-Vokabular gewöhnt bin, muss ich mich auf Ämtern immer stark konzentrieren. Auch wenn ich eine wirklich tolle Unterstützung hatte von dem aufmerksamen Angestellten – ich bin groggy. Nachdem er meine Personalien aufnahm und mich gleich fragte, wie er mich nennen dürfte, ging es zur Sache. Er druckte mir an die 6 Job-Angebote aus, von denen ich zwei von vornherein ablehnte (Einmal Nachtschichten in einer Apotheke, dann nochmal die Kassenkontrolle bei einem Supermarkt. Meine Dyskalkulie lacht sich dabei ins Fäustchen!) und den Rest mit ihm zusammen besprach. Das dauerte wirklich eine halbe Ewigkeit und er nahm sich viel Zeit, damit ich auch alles verstand. Japans Bürokratie ist zwar genau so langsam wie die in Deutschland, aber hier scheint es dafür wenigstens einen vernünftigen Grund zu geben.

Nun habe ich vier Angebote für die engere Auswahl, zu allen habe ich ein Empfehlungsschreiben mitbekommen, dass ich bei der schriftlichen Bewerbung mit eintüten kann.

Job 1Englisch-Lehrerin in einer Sprachschule in Kashiwa. Mit angenehmen Arbeitszeiten von 7 bis 22 Uhr. Mit einer Anfahrt von einer Stunde würde ich in diesem Job auf sehr wenig Schlaf kommen. Find ich gut, hab mich beworben.

Job 2 – IT-Tante bei einem Online-Versandhandel für Otaku- und Akihabara-Kultur. Ich soll also an euch alle, die ihr ständig Merchandise kauft die korrekten Mails in Englisch und/oder Deutsch verfassen. Klingt verlockend, oder? Hab ich angenommen.

Job 3 – Ein Haushaltswarengeschäft mit deutschen Produkten in Shinagawa. Der Name „Prinzessinengarten“ fand ich wie auf mich zugeschnitten. Die Bezahlung ist weniger, als die Fahrtkosten bis zur Arbeit, aber zum Spaß probier ich das einfach mal. Obwohl ich nicht glaube, dass man eine echte Deutsche in einem deutschen Laden will..

Job 4 – Mein Favorit. Deutsch-Unterricht für Erwachsene. Sollte es genug Interessenten geben, bekomme ich eine Klasse zusammen, sollte dem nicht so sein, stehe ich für die Firma auf Abruf zur Verfügung. Donnerstag-Abend habe ich dann eine Art Einstellungs-Test: Ich darf 30 Minuten lang, wie es mir beliebt, Deutsch in einer Erwachsenen-Klasse unterrichten. Natürlich hätte ich mich bei Kindern mehr austoben können, aber ich glaube ich bekomme die liebevoll-verspielte Art der Japaner trotzdem mit ein paar Tricks rum.

Ehrlich, über Nummer 4 habe ich mich am meisten gefreut. Weniger gefreut habe ich mich, dass der nette Herr vom Job-Center mir gleich das Telefon in die Hand gedrückt hat und das ich mit der Dame einen Termin ausmachen sollte. Denn mein höfliches Japanisch ist ein ziemlicher Reinfall und am Telefon sieht man ja sehr schlecht, dass ich eine große, blonde Ausländerin bin, die Fehler machen darf.

Trotzdem war die Dame sehr verständnisvoll und gab mir bereitwillig Donnerstag den Termin. Morgen melde ich mich trotzdem auf der Arbeit meiner Mutter, ich nehme jetzt alles mit, was ich kriegen kann. Noch ist nichts entschieden und was sich zum Schluss herausstellen wird, wird dann auch meinen weiteren Lebensweg hier vor Ort entscheiden. Statt Teilzeit wäre mir Vollzeit-Arbeit am Liebsten, da ich dann auch einen Anspruch auf Visa-Verlängerung bekommen kann. Aber wenn erstmal alle Stricke reißen, mache ich gerne Nebenjobs, um die Urlaubskasse aufzufüllen.
Bei Job Nr. 1 ist die Bezahlung wahnsinnig hoch, aber was nützt mir das, wenn ich jeden Tag von 7 bis 22 Uhr unterwegs bin?
Nun gut, das Geld kann man ja ansparen für… ein weiteres Working Holiday Visa?


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