Meine Reisen

z.Zt. Daueraufenthalt in Japan

8. November 2014. Fast schon ein Monat.

- November 8, 2014

Ich habe mich eine Weile nicht gemeldet, getippt habe ich trotzdem jeden Tag. Wenn es nicht hier ist, dann in anderen Blogs oder ich schreibe Mails oder ich notiere irgendwas in mein Tagebuch mit dem guten Vorsatz, es dann hier zu posten… Nun, den guten Vorsatz habe ich sehr oft, aber ich setze ihn selten in die Tat um. Ich arbeite auch intensiv an einem Prosa-Text, aber wer weiß, in welchem Leben ich den beenden werde…

Was ich aber schon auf Facebook geschrieben habe und hier auch nochmal offiziell bekannt machen will – ich habe einen kleinen, aber feinen Nebenjob. Ich bleibe die Exilautorin, die ich werden wollte.
Ab jetzt werde ich nicht nur hier bloggen, sondern auch hier. Und ich werde sogar dafür bezahlt. Pro Text bekomme ich 3000 Yen, das ist in meiner Rechnung ein Konzert + Drink-Ticket. Also kein schlechter Erwerb.
Zudem ist es etwas, was ich sehr gerne mache – schreiben. Zwar auf Englisch und bestimmt nicht fehlerfrei, aber die Recherche macht Spaß und auch das Zusammenfügen der Bilder ist eine schöne Herausforderung. Die Firma, für die ich arbeite ist ein sehr kleines Unternehmen, welches noch in den Kinderschuhen steckt, aber von der ich einen sehr guten Eindruck hatte. Ich werde ab jetzt Ausländern wie mir helfen, indem ich Tipps und Ratschläge in den oben genannten Blog schreibe. Natürlich dürft ihr da auch ab- und zu reinschnuppern.

Ich helfe also Ausländern hier in Tokyo Fuß zu fassen. Was ich fast schon ulkig finde, denn wirklich einen Fuß gefasst habe ich arbeitstechnisch ja auch noch nicht. Nächste Woche bin ich schon einen ganzen Monat hier und ich werde nicht damit anfangen aufzuzählen, was ich erreicht habe. Denn dann würde ich mich erneut nur noch mehr unter Druck setzen. Und meine japanischen Freunde meinen, ich soll mir Zeit lassen. Und auf die höre ich ja. (Sollte ich!)

Und ich arbeite daran. Und ich arbeite an mir.
Meine ehemalige Japanisch-Lehrerin will mich jetzt einmal die Woche für 2000 Yen die Stunde im höflichen Japanisch unterrichten, also Business-Level Japanisch, welches mir noch fehlt, um hier in der Arbeitswelt anzukommen. Das merke ich immer wieder und es deprimiert mich sehr. Diese Facette der japanischen Sprache will sich mir einfach nicht erklären.
Denn egal, wie gut ich mich verkaufen will, sobald ich über einfache Höflichkeitsregeln stolpere, will mich keine Firma haben. Das habe ich in den letzten Wochen immer wieder gemerkt. Ich verstehe höfliches Japanisch, nur richtig darauf zu reagieren fällt mir sehr schwer. „Japaner können das auch nicht“ heißt es hier immer wieder. „Mach dir keine Sorgen, Rika-chan!“
Das habe ich schon verstanden, aber trotzdem wird es von mir verlangt. Also muss ich da durch. Und ich gebe ja nicht auf.

Gestern habe ich nach fast zwei Jahren eine meiner besten Freundinnen wieder getroffen. Tarama-chan wohnt in Ibaraki und ich habe sie damals bei meinem allerersten GalapagosS-Konzert kennen gelernt. Das Wiedersehen war auf meiner Seite ziemlich emotional. Aber sowas zeigt man natürlich nicht. Nicken und Winken. Reicht.
Gegen 15 Uhr mit etwas Verspätung trafen wir uns am Tokyoter Hauptbahnhof und ich war über ihre Anwesenheit mehr als glücklich.

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Japanische Purikura mit verstörend großen Augen. Sowas muss einfach sein.

Stress ist eine Sache, aber eine Einsamkeit, die man mit niemanden teilen kann, ist besonders schlimm. Meine japanische Familie ist liebevoll und fürsorgend, aber auch sehr beschäftigt. Wenn ich allein durch Tokyo hetze, dann vergesse ich natürlich, welche Erwartungen ich an mich selber habe. Aber wenn ich dann Abends alleine in der Küche sitze und meine Familienmitglieder kommen auch noch nicht um 21 Uhr nach Hause, dann fällt mir wieder ein, dass ich als Einzige noch keine Arbeit habe und in diesem Land, in dem Zusammenhalt so wichtig ist, als einzige Individualistin da stehe.
Deshalb war ich sehr froh Tarama-chan wieder zu treffen und den Nachmittag mit ihr zu verbringen.
Wir fuhren von Tokyo direkt nach Nakano, in einen New Wave Laden, den wir beide schon lange mal besuchen wollten. Ich blieb natürlich bei den Susumu Hirasawa Sachen kleben, Tarama-chan fand auch für sich Bands und T-Shirts. Wir kauften dennoch nichts, sondern genossen nur und kicherten wir die Fangirls, die wir ja leider sind.

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Ich vor dem „Shop Mecano“ neben einem Hirasawa-Poster. Unglaublich glücklich.

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Deutsche Musik in Japan. Ich hab mich gefreut.

Dann fuhren wir zurück nach Shimokitazawa, dort sollte 18:00 Uhr das Konzert statt finden, für das wir beide unsprünglich auch in Tokyos Zentrum gefahren sind. In einem Cafe nahmen wir schnell ein kleines Abendessen zu uns, tauschten Geschenke aus und frischten unser Make-up auf. Wir hatten einen Zeitrahmen von 30 Minuten. Da hieß es, keine Zeit zu verlieren.

Ich nenne das "Abendessen". French Toast.

Ich nenne das „Abendessen“. French Toast.

Tarama-chan, die aus Ibaraki stammt und damit im Heimatort meiner Lieblingsspeise, fermentierte Sojabohnen, wohnt hat mir eine Riesen-Tüte mit selbigen mitgebracht.
Das schleppte ich natürlich überglücklich bis zur Konzert-Halle und erntete dort viele fragende Blicke.
Einen Konzert-Bericht erspare ich meinen fleißigen Lesern. Denn das ist nicht das, wofür viele zu diesem Blog kommen. 😉
Aber ich hatte Spaß, es gab gutes Bier und die Bands waren alle durchaus fantastisch. Tarama-chan und ich standen als die größten Anwesenden in der ersten Reihe. Da sind wir ziemliche Arschlöcher. 😛

Mit etwas Verspätung, gegen 22:30 Uhr verließen Tarama-chan und ich die Halle, wir sputeten uns, nach Shibuya zu kommen, damit wir unseren letzten Zug noch erwischten.Tarama-chan musste noch zurück nach Ibaraki, sie hatte mit dem Bus höchstwahrscheinlich den längsten Weg.
Wir verabschiedeten uns in Shibuya, ich bestand auf eine deutsche Umarmung. Dann fuhr ich heim, schaffte meine letzten Züge und war müde und glücklich gegen Mitternacht zu Hause.

Von ihren mitgebrachten Geschenken kann

Von ihren mitgebrachten Geschenken kann ich mehrere Monate leben. Bestimmt.

Heute beschränke ich mich den ganzen Tag auf meine Homeoffice Arbeit. Ich werde die Blog-Texte für die Firma tippen (die Texte sind vorgegeben) und noch ein paar Mails beantworten. Montag und Dienstag habe ich zwei weitere Vorstellungsgespräche. Ich bin genau so gespannt wie ihr, wie sich das alles entwickeln wird.
Aber ich weiß, ich bin nicht allein. Und dafür bin ich sehr dankbar.


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