Meine Reisen

z.Zt. Daueraufenthalt in Japan

Sonntags-Eintrag

- November 16, 2014

Sonntag. Und wieder alle unterwegs. „Frei haben“ nennt man das hier. Glaube ich zumindest.
Aber bei mir ist es gestern auch spät geworden und heute wird es wahrscheinlich wieder spät werden. Und nächste Woche stürze ich mich sinnlos in die Arbeit. Also darf ich heute nochmal genießen. Ab 15 Uhr P-Model-Night in Shibuya. Was sich hier als Nacht-Event verkleidet ist ein Nachmittags-Event bis 22 Uhr. Die letzten Züge fahren in Tokyo gegen Mitternacht, wenn man also noch nach Hause möchte, ist dieses Zeitfenster ideal. P-Model ist Susumu Hirasawas Band aus den 80er Jahren. Und wer meinen Blog aufmerksam verfolgt hat, brauchte diese Erklärung gerade nicht zu lesen.😉

Gleich beginne ich zu erzählen. Aber vorerst will ich einen kleinen, großen Dank an meine Leser aussprechen. Ich habe in den letzten Wochen viel Zuspruch für meinen Blog gefunden und bin darüber durchaus erfreut. Mein Ziel war es nicht nur, Dampf abzulassen und meine Muttersprache nicht zu vergessen, ich freue mich natürlich auch, wenn ich euch unterhalten kann. Und noch mehr wünsche ich mir, dass ihr nicht die gleichen Fehler macht wie ich, solltet ihr jemals in Betracht ziehen, im japanischen Ausland zu arbeiten.

Gestern habe ich mich mit einer Gleichgesinnten getroffen, eine Chinesin, die ursprünglich auch für Musik und Manga-Kultur nach Japan kam. Sie arbeitet nun schon seit 3 Jahren in einer IT-Firma und wohnt in der Nähe von Haneda. Ein sehr nettes Mädchen und ich war froh, dass ich meine Grundkenntnisse in Chinesisch noch einmal anbringen konnte.
Danach trennten sich unsere Wege vor dem Bahnhof in Shibuya, sie ging shoppen, ich suchte den „Club Crawl“. Natürlich wieder ein Konzert. Heute sogar kostenlos, also musste ich nicht mal ein schlechtes Gewissen haben.
Wie immer ein angenehmes Erlebnis, bei meiner Lieblingsband ganz vorne in der ersten Reihe, denn man tauscht mit den Gästen ständig die Plätze. Es wird gefragt, welche Band man mag und danach wird sich dann angestellt. Gestern Abend war es ein bunter Mix aus Pop-Musik, Rock und Punk. Insgesamt traten 5 verschiedene Bands auf und alle waren durchaus gute Entertainer.
Schnell war es dann 22 Uhr und ich kämpfte mich durch die vollen Züge nach Hause.
Heute Abend wieder Shibuya. Etwas ruhiger, ein anderes Publikum. Leider nicht kostenlos, aber dennoch günstig.
Und morgen beginnt dann der Ernst meines japanischen Lebens. (Ich erwarte es zumindest!)

13 Uhr muss ich nochmal nach Shinjuku, mein japanischer Vater hat mich an eine deutsche Reisefirma vermittelt und will, dass ich dort vorstellig werde. Vermittelt heißt, ich werde erwartet und muss ordentlich auftreten. Sonst verliert auch mein Vater sein Gesicht. Also morgen wieder Anzug und Haare zusammenbinden. Meinen Punk-Look verstaue ich erstmal im Schrank. Egal, wie sich das Gespräch entwickeln wird, danach fahre ich gleich weiter in meine Firma nach Akabane und unterschreibe dort meinen Vertrag als Deutsch-Lehrerin. Ab Dienstag bin ich dann in Saitama eingesetzt. In einer Firma, in der die Angestellten nach Deutschland geschickt werden, werde ich wiederum vorbereitend unterrichten.
Freitag letzte Woche war ich dann noch in meiner anderen Arbeitsstelle in Gaienmae, Harajuku. Dort habe ich meine getippten Blog-Texte hochgeladen und sobald die Chefin die Link-Zuordnung und Rechtschreibung kontrolliert hat, wird sie die Texte hochstellen. Natürlich werde ich hier informieren, wenn meine ersten bezahlten Texte online sind. Ich hoffe nur, dass mein Englisch einigermaßen korrekt sein wird, es gibt hier niemanden, der mich kontrollieren könnte. Aber vielleicht reicht es für den Anfang.
Nächsten Freitag hechte ich wieder in diese Firma, so wird das jetzt jede Woche ablaufen. Texte schreiben, Freitags hochladen und dann auf die Freischaltung warten. Die anderen Tage in der Woche werde ich Deutsch unterrichten und Übersetzungen für einige Bands anfertigen. Ich werde am Ende des Monats also ein kleines, aber stetiges Einkommen haben und kann meinen Wochenplan immer noch selbst gestalten.
Mittwoch habe ich noch ein Vorstellungsgespräch bei einer Auto-Firma (keine Ahnung!) in Yokohama. Wer mich kennt, weiß ja, wie viel ich von Autos und Auto fahren halte (haha!), aber natürlich nehme ich auch dieses Gespräch mit. Jeden noch so kleinen Erfahrungswert will ich hier nicht auslassen.

Inzwischen weiß ich auch, dass der Weg zu meinem idealen Job und dem passenden Leben dazu entscheidender ist, als das Ergebnis am Ende. Die Jobsuche habe ich vorerst beendet, da ich mit den zwei Nebenjobs recht ausgefüllt bin. Da in Japan die Schulen und Universitäten im Frühjahr beginnen, suchen die Firmen auch erst im März/April neue Angestellte.
Also werde ich mich vorerst mit meinen Nebenjobs und der verbleibenden Freizeit über Wasser halten und dann im Frühjahr erneut nach etwas suchen, was meinen Aufenthalt verlängert. Klingt das nach einem vernünftigen Plan?

Der Grund, warum ich hier schreibe und ständig hin- und her überlege und mit mir selbst diskutiere ist ein einfacher – niemand kann mir sagen, was richtig oder falsch ist und die wichtigen Entscheidungen muss ich hier alle allein treffen. Das mache ich natürlich auch. Was sollte mir auch anderes übrig bleiben? Aber manchmal fehlt die Zeit zum ruhigen Nachdenken und dann hilft mir nur noch das Schreiben. Auf einem Blatt Papier oder am PC-Bildschirm kann ich meine Gedanken viel besser fassen. Auch wenn sie noch so absurd sind.

Damit wartet eine ausgefüllte Woche auf mich. Vorerst schmeiß ich mich jetzt in meine Abendklamotten und pinne mir mein P-Model-Merchandise an die Klamotten. Schließlich will ich dazu gehören. Wie alle anderen auch.

じゃな。


5 responses to “Sonntags-Eintrag

  1. Hey ho,
    ich finde, das klingt nach einem guten Plan, wenn man mal bedenkt, dass es wahrscheinlich 80% aller anderen erwachsenen Menschen genauso geht!🙂

    Aber letztendlich zählt doch, dass du dich nicht zu 100% an alles anpasst, sondern immer du selbst bleibst!

    • Genau so läuft das. Und ich denke, du hast das in England auch so gemacht?
      Musste heute an dich denken, als ich nach langer Zeit mal wieder einen Engländer getroffen habe und gezwungen war, Englisch zu sprechen.😀
      Gruß von einer Insel zu Anderen!

  2. Oh ja, ich war an Planlosigkeit zwischendurch kaum zu überbieten!😀

    Muss auch immer an dich denken, wenn meine australische Mitarbeiterin anfängt, japanisch zu quatschen (sie hat da mal gearbeitet)!🙂

  3. Mari sagt:

    Hallo!🙂
    Ich finde deinen Blog toll, deswegen dachte ich mir, ich nominiere dich für den Liebster Award (blogger award) auf meinem Blog (http://lifethejapaneseway.wordpress.com/).
    Würd mich freuen, wenn du vorbeischaust und mitmachst! Sorry, dass das hier so nach Spam aussieht lol
    LG aus Tokyo, Mari

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