Meine Reisen

z.Zt. Daueraufenthalt in Japan

Sprachen, Schreiben, Lehren.

- November 22, 2014

Hier bin ich wieder, es wird ja auch mal Zeit. Werde ich schon vermisst? Oder reichen meine sporadischen Twitter- und Facebook-Updates? 😉

Ein kleinen Dank an dieser Stelle an Matthias Reich von Tabibito, der mich in seinen Blog-Radar aufgenommen hat. Seitdem schießen nicht nur meine Klicks nach oben, ich habe auch durch den Verteiler ein paar interessante Blogs entdeckt. Schaut doch auch mal rein, es gibt noch mehr, die hier leben und darüber schreiben! 😉

Manche haben es ja schon bemerkt: ich bin jetzt Deutsch-Lehrerin. Zweimal die Woche fahre ich ziemlich, sehr, viel, unmöglich weit weg um dort in eine Firma Deutsch zu unterrichten. Der Anfahrt-Weg ist fast genau so lang wie meine Unterrichts-Einheit, dafür macht die Arbeit so viel Spaß, dass mich das gar nicht stört.
Ich fahre bis nach Kamifukuoka, in Saitama. Von mir aus ist das eine gute Stunde mit dreimal umsteigen und zum Schluss sogar noch eine kleine, aber feine Busfahrt.

So sieht es da aus, wenn man an einem schönen Tag auf den Bus wartet.

So sieht es aus, wenn man an einem schönen Tag auf den Bus wartet.

Ich befinde mich dann so weit außerhalb von Tokyo, dass ich fast schon denke, ich bin zurück in Brandenburg.
Neben der Firma, in die ich dann geschleust werde, gibt es eine Grundschule, von der aus ich von den Kleinsten wie ein Alien angestarrt werde. Es scheint dort nicht viele blonde Ausländer zu geben.
In der Firma erhalte ich dann professionell ein Schildchen, auf dem „Deutschlehrer“ drauf steht. Das zeige ich dann immer ganz stolz rum, wenn ich in Anzug und Pumps über das Gelände stöckel. Auch, damit man mich nicht als Eindringling aus der Firma verweist. 😉

Deutschlehrerin. Das bin dann wohl ich.

Deutschlehrerin. Das bin dann wohl ich.

Mein Schüler ist ein Firmenangestellter, der nächstes Jahr nach Deutschland geschickt wird. Auch wenn ich ihm gerade erstmal von Grund auf die vier deutschen Diphtonge einprügel und die Aussprache der Umlaute vermitteln will, interessiert er sich viel mehr dafür, in Deutschland irgendwie überleben zu können. Und das kann ich ihm nicht verübeln, denn manchmal wünschte ich mir, ich hätte auch so eine Vorbereitung für Japan gehabt.
Das Material wurde mir von meiner Sprachschule gestellt. Das Buch ist nicht allzu schlecht, da es komplett auf Deutsch ist, gute Grundlagen bietet und die Bilder auch ganz unterhaltsam sind.
Nur die CD lässt ein bisschen zu wünschen übrig, aber ich arbeite sowieso lieber mit dem Material, was ich im Internet finde oder mir selbst zusammenstelle.

Deshalb bereite ich jetzt täglich Unterrichtsmaterialien vor und recherchiere auch solche Kleinigkeiten wie Kindergarten-Anmeldung, Mietpreise in der Stadt, in die mein Schüler ziehen wird, Zugverbindungen und und und. Dabei lerne ich auch noch einiges, man merkt also – ich habe viel Spaß.
Wöchentlich muss ich dann einen Bericht an meinen Arbeitgeber schreiben, Ende Januar, wenn der Unterricht abgeschlossen ist, gibt es sogar noch einen letzten Test und einen Abschluss-Bericht, den ich auf Japanisch einreichen werde. Das finde ich, ehrlich gesagt, klasse. Genau in diese Richtung wollte ich gehen und das ich es so weit geschafft habe, macht mich sehr stolz.

In der japanischen Arbeitswelt nur mit Anzug.

In der japanischen Arbeitswelt nur mit Anzug.

Diese Aufgabe füllt meine Woche ganz gut aus, nebenbei ist auch mein erster Englisch-sprachiger Blog eingestellt. Leider wurde er im Nachhinein noch einmal so verändert, dass ich schon gar nicht mehr von „meinem“ Blog reden möchte. (Mal abgesehen von den Fehlern, die jetzt drin sind!) Aber ich werde dafür bezahlt, also kann es mir ja eigentlich egal sein.

Zusätzlich habe ich noch eine japanische Schülerin, die Englisch lernen will. Sie hat sich bei mir über eine Internet-Anzeige gemeldet und wir haben uns letzte Woche in der Ginza getroffen. Da sie drei Jahre in Amerika gelebt hat, hat sie sehr gute Grundlagen. Fast schon so gut, dass ich ihr gesagt habe, dass ich ihr Englisch nicht versauen möchte und sie sich lieber einen Muttersprachler suchen soll. 😉 Trotzdem fand sie mich scheinbar ganz gut und bestand darauf, dass ich die neue Lehrerin werde. Trotzdem verlange ich nicht viel Geld. Da ich keine Muttersprachlerin bin, mache ich wahrscheinlich auch Fehler oder kann ihr bestimmte grammatische Konstruktionen nicht erklären. Was ich ihr gerade anbiete ist eine wöchentliche Hausaufgabe in Form eines Essays oder ein paar Fragen, die sie beantworten muss. Gemeinsam gehen wir diese Hausaufgabe dann durch und sprechen darüber auf Englisch. Das macht nicht nur Spaß, sondern ich traue mir auch zu, sie ggf. zu korrigieren. Zusätzlich hat sie die Möglichkeit zu sprechen. Und was gibt es Wichtigeres beim Sprachenlernen als das Sprechen?

Für Konzerte und Live-Events bleibt trotzdem noch genug Zeit.
Das P-Model Event war einfach klasse und auf Facebook habe ich dazu ja schon einige Fotos und Video geteilt.
Vorgestern war ich noch bei einem DVD-Release-Event von GalapagosS, zu diesem Anlass habe ich Naomi wiedergesehen und gemeinsam waren wir Sushi essen. Nächste Woche freue ich mich auf ein Event in Takadanobaba, bei dem ich Milly Bison und Kotaro wieder sehen werde. Zwei Künstler, die ich schon seit März treffen möchte. Die Band, für die ich hier Übersetzungen anfertige, wird auch vor Ort sein. Es wird also eher ein großes Treffen mit Freunden als ein Live-Konzert.

Gestern Abend habe ich mit einer Quallen-Gesichts-Maske entspannt. Ja, sowas macht man hier.

Gestern Abend habe ich mit einer Quallen-Gesichts-Maske entspannt. Ja, sowas macht man hier.

Heute bin ich zur Abwechslung mal wieder Schülerin. Gegen 14 Uhr treffe ich mit mit meiner Lehrerin und pauke höfliches Japanisch. Danach fahren wir zu ihrer Mutter, dort lerne ich Japanisch kochen.
Grundsätzlich hatte ich ja immer die Absicht, einen Japaner zu heiraten, aber ohne Kochkenntnisse nimmt mich hier keiner. Das bestätigen mir jedenfalls immer wieder meine Freunde. 😉 Die Mutter meiner Lehrerin will jedoch unbedingt Englisch lernen und so haben wir einen Deal ausgemacht – Kochkenntnisse gegen Sprachkenntnisse.
Das wollen wir jetzt auch noch einmal pro Woche machen, ich weiß jedoch noch nicht, wie das in meinen engen Zeitplan passt.

So komm ich hier ganz gut über die Runden. Ich schreibe viel, ich unterrichte und beschäftige mich dadurch mit den Dingen, die ich am meisten mag – Sprachen und Literatur. Ab- und zu gönne ich mir meine Lieblingsbands und esse dazu ausnahmslos gutes Essen. Ich möchte fast sagen, ich lebe hier wie im Himmel.

Das Wichtigste ist jedoch, dass ich gerade in allen Bereichen sehr viel Erfahrung sammel. Ich spreche viel, ich reflektiere viel, vor allem meine eigene Sprache und Kultur. Ich merke auch, was mir immer wichtiger wird und worauf ich nach- und nach verzichten kann. Das macht mir fast noch mehr Spaß, als die ganzen Pflichten, die ich hier zu erfüllen habe.
Japan tut mir gut. Und ich werde weiter darüber berichten.

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3 responses to “Sprachen, Schreiben, Lehren.

  1. der panse sagt:

    Hui, Glückwunsch Frau Deutschlehrerin 🙂
    頑張ってください。(??) ^^

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