Meine Reisen

z.Zt. Daueraufenthalt in Japan

Arbeitsalltag

- Dezember 2, 2014

Außer Alltag erlebe ich gerade nichts Spannendes, deshalb sind meine Einträge gerade etwas spärlich gesät.
Neben Deutsch- und Englisch-Unterricht, sowie dem Bloggen über japanische Gepflogenheiten schreibe ich jetzt auch noch ab- und zu Artikel über Tokyo und arbeite in einer Reisefirma. „Wow“, werdet ihr jetzt denken. „Die muss ja 24 Stunden beschäftigt sein.“
Aber leider habe ich immer noch viel zu viel Freizeit.

„Leider“ nur, weil mir meine Gastfamilie schon ein bisschen aufs Dach gestiegen ist. Man denkt, ich verlümmel hier nur meine Zeit und bespaße mich Abends bei Konzerten. (Was ja fast auch stimmt. Aber nur fast.)
Aber durch die ganzen Nebenjobs habe ich einfach keinen geregelten Tagesablauf und ich muss flexibel sein. Ich hänge also nicht von 9 bis 18 Uhr in einer Firma, sondern bin halt mal hier und mal dort. Und ich glaube, das ist für viele Japaner nicht ganz so selbstverständlich. Vor allem erfordern meine Arbeiten auch viel Vorbereitung zu Hause. Das Blog-Tippen oder Artikel schreiben geht natürlich ganz allein auch am heimischen Schreibtisch. Aber ein Sprachen-Unterricht muss man auch vorbereiten. Und wenn ich Artikel über Tokyo schreibe, dann brauche ich auch Zeit zum Recherchieren.

Letzteres macht mir gerade unheimlich Spaß. Vorgestern habe ich erst über meinen Wohnort, Adachi-ku geschrieben. Was alle Japaner wissen und viele Ausländer eher nicht – Adachi-ku ist das Ghetto von Tokyo. Das Dreckspflaster. Das Arbeiterviertel. Das Neukölln Tokyos. ;D
Ich übertreibe vielleicht ein wenig, aber es gibt sogar Mütter die zu ihren Kindern sagen „Wenn du nicht artig bist, dann kommst du auf eine Schule in Adachi!“ 😉
Ich wohne schon ewig hier, auch als ich 16 Jahre alt war, habe ich mich hier wahnsinnig wohl gefühlt. Von irgendwelchen Kriminellen, Yankees oder sonstigen Jugendbanden bemerke ich nichts. Es gab in der Vergangenheit einige Verbrechen, die in dieser Gegend passiert sind und durch ihre besondere Grausamkeit oder Brutalität aufgefallen sind. Aber das waren Einzelfälle und diese haben trotzdem ein ziemlich schlechtes Bild hinterlassen.
Deshalb habe ich in meinem Artikel erstmal alles revidiert und immer wieder bestätigt, wie schön es hier ist. Die Weihnachtsbeleuchtung in Takenotsuka, eine Station weiter, soll sehr schön und in Tokyo besonders berühmt sein. Als Deutsche finde ich das ganze Geblinke und Gebimmel ein bisschen kitschig, aber ich bin halt Striezelmarkt-verwöhnt.
In Adachi lässt es sich auf jeden Fall gut leben. Wenn der Artikel veröffentlicht wird, geb ich euch Bescheid. (Und dann werdet ihr alle nach Adachi kommen wollen, bestimmt!)

Auf jeden Fall schreibe ich unheimlich viel und meine Gastfamilie sieht den Aufwand dahinter nicht.
Ich nehme an, dass auch in Japan das Schreiben nicht als Beruf anerkannt wird, deshalb gelte ich vielleicht als Faulenzer oder sogar als Neet.

Hiermit möchte ich aber meinen Ruf retten und sagen – nein, ich hab den Arsch voll von Terminen, aber ich regel sie einfach anders. Mein typischer Wochenplan sieht zur Zeit so aus –
Montags bin ich von 9 bis 17 Uhr in einem Reisebüro und übersetze japanische Flyer ins Englische. Klingt total spannend, ist es aber leider nicht. Aber im Büro ist es warm, die Kollegen sind nett und der Stuhl ist auch bequem. Da kann man also gut mehrere Stunden rumsitzen.
Dienstags unterrichte ich ab 14 Uhr Deutsch. Mit Anfahrt und Vorbereitung mache ich meist so gegen 10 Uhr los und bin dann bis 16 Uhr eingespannt. Abends fahre ich von Saitama dann zurück nach Tokyo, um dort meine Lehrerin zu treffen. Erst unterrichte ich Deutsch, dann werde ich wieder Schülerin und nehme Japanisch-Unterricht.
Mittwochs fahre ich immer nach Gaienmae um meine getippten Blogs abzugeben und neue Themen mit den Kollegen zu besprechen. Das ist dann auch immer gegen 14 Uhr, manchmal bis open end. Morgen unterrichte ich aber ab 16 Uhr Englisch, das heißt in Gaienmae bleibt mir nicht viel Zeit. Blog hochladen, kurz überprüfen lassen und dann gleich wieder los fahren. Meeting mit den Kollegen dann meist über Google Hangout.
Donnerstag dann wieder Deutsch-Unterricht. Die Taktung bis 16 Uhr gefällt mir ganz gut, wenn ich dann noch einen Express nach Ikebukuro zurück schaffe, kann ich manchmal sogar noch Konzerte besuchen. Obwohl ich das jetzt eher einschränken sollte. Vielleicht. Mal sehen.
Freitag dann wieder 9 bis 17 Uhr Flyer übersetzen in der Reisefirma. Das schlaucht dann auch so sehr, dass ich sehr froh bin, wenn ich Abends nichts mehr machen muss. (Außer ein paar anspruchslose Spielesendungen gucken.)

Was ich täglich erledige ist das Arbeiten an einigen Texten, die ich nächstes Jahr bei kleineren Literatur-Wettbewerben einreichen will. Zusätzlich hat meine Lehrerin mir aufgetragen, jeden Tag Tagebuch auf Japanisch zu schreiben. Die Zeit nehme ich mir, auch wenn das manchmal nur eine Seite wird. Meine Lehrerin korrigiert die Einträge dann und zusammen reden wir über eventuelle Fehler. Genau so unterrichte ich wiederum Deutsch und Englisch. Vor allem meine Englisch-Schülerin hat schon ein hohes Niveau, dass ich ihr die selbe Aufgabe gestellt habe.
Bei meinem Deutsch-Schüler dauert das noch eine Weile, aber es gibt sich sehr viel Mühe und die Aussprache fällt ihm auch nicht allzu schwer. Alles in allem bin ich also mit meinem Unterricht zufrieden. 😉

Über angehende und bereits besuchte Konzerte werde ich hier vorerst nicht berichten, denn ich bin ja fleißig und gewissenhaft. 😉

In meinem Aschenbrödel-Kalender habe ich gestern das erste Türchen aufgemacht. Weihnachtlich wird mir hier bei 18 Grad nicht unbedingt, aber an gewissen Traditionen halte ich gerne fest.
Euch allen eine schöne Vorweihnachtszeit.

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