Meine Reisen

z.Zt. Daueraufenthalt in Japan

Endlich wieder ein Blog!

- Februar 6, 2015

Man hat lange drauf warten müssen und zwischendurch wurde ich mehrfach angefragt und jetzt -endlich- zwischen Frühstück und ich-muss-gleich-wieder-los nehme ich mir die Zeit, um ein paar Zeilen zu tippen.

Erstmal ein frohes neues Jahr, alles Gute zum Geburtstag an mich selbst und vorab schon mal einen schönen Valentinstag und frohe Ostern, denn wer weiß, wann ich erneut zum Bloggen komme.
Jetzt aber bitte kein Mitleid mit mir haben – ich habe mir das Leben hier in Tokyo selber ausgesucht und eine 7-Tage-Arbeitswoche gehört da auch dazu.

Ich bin immer noch dabei zu bloggen, wie eine Irre, leider nicht hier, sondern bei http://blog.ofjapan.jp/. Jede Woche liefere ich da um die 4 bis 5 Texte ab, die man gerne in englischer Sprache lesen kann und ggf. ausdrucken und an die Wand pinnen kann.
Nicht, dass ich das von meinen treuen Fans erwarte. Aber sicherheitshalber schreibe ich die Blog-Adresse hier nochmal hin. http://blog.ofjapan.jp/ Und nochmal. http://blog.ofjapan.jp/ (LEST!)

Dann unterrichte ich wie immer Deutsch, dreimal die Woche, noch immer in Saitama, der gleiche Schüler und seine Fortschritte sind so unglaublich gut, dass ich annehmen muss, dass er mich bald nicht mehr braucht. Seine Feuertaufe hat er in zwei Wochen.
Da fliegt er dann mit seiner Familie zur Vorbereitung ins fränkische Coburg. Ich drück ihm die Daumen und habe ihm meine Adresse und meine Telefonnummer für Notfälle übergeben. Meine Schüler sind mir ja wichtig. Aber er weiss, wie man ein Bier bestellt und das man „Eiskaffee“, statt „Kalter Kaffee“ sagt, also bin ich mir sicher, er wird klar kommen.

Noch bin ich überall als Teilzeit-Kraft beschäftigt – wenig Geld, viel Arbeit, kein Visa.
Dafür kann ich relativ frei meine Tagesplanung angehen und habe auch noch am Wochenende frei. Und dadurch natürlich auch viel Spaß und Zeit für meine Freunde.
Dreimal die Woche bin ich in Shiki, Saitama und erstelle dort Übersetzungen, Reisepläne und Korrespondenzen (von denen ich manchmal selber nichts verstehe) für eine Reisefirma.
Diese Firma mit einem sehr netten Chef und ganz tollen Kollegen ist mir so ans Herz gewachsen, dass ich da sogar an freien Tagen für einen Hungerlohn hinpendel. So japanisch wollte ich nie werden und bin es wohl doch.

Vor zwei Tagen gings dann mit dem Chef auch zum typischen abendlichen Trinken und bei Bier und rohem Fisch wurde dann meine zukünftige Karriere besprochen. Zur Zeit sieht es so aus, als könnte ich im April wirklich fest angestellt werden und damit ein Visa, eine eigene Wohnung und noch mehr Verantwortung bekommen. Aber noch nichts genaues weiss man nicht und ich werde mich hüten, hier Gerüchte in die Welt zu setzen. Vorerst warte ich ab und bleibe bei meiner Gastfamilie.
Die Arbeit macht Spaß, auch wenn das Geld nicht reicht. Jeder bemüht sich um mich und all meine Freunde und auch die Firma unterstützt mich ungemein. Manchmal fühle ich mich hier schon so eingebunden, dass ich mir gar nicht mehr vorstellen kann, irgendwann anders gelebt zu haben.
Ich bin jeden Tag unterwegs, selbst an freien Tagen nutze ich die Zeit und kann zusätzlich die Kälte im eigenen Haus nur schwer ertragen. (Japanische Häuser werden ja nicht beheizt und an Schnee-Tagen ist das ein Grauen!)

Wenn ich nicht gerade arbeite, was mache ich dann?

An Wochenende bin ich öfter mit Hirasawa-Fans unterwegs, die nennen sich „Uma no Hone“. Das ist eine kleine Twitter-Gemeinde, in die ich mich mehr oder weniger heimlich eingeschlichen habe und mit denen ich dann zusammen zum Karaoke, Kochen oder Essen fahre. Nebenbei läuft unserer aller Lieblingsmusik und jeder ist glücklich.

Bei solchen Treffen läuft immer Hirasawas Musik.

Bei solchen Treffen läuft immer Hirasawas Musik.

Einmal die Woche nehm ich noch Japanisch-Unterricht bei meiner ehemaligen Lehrerin, aber zu meiner Schande muss ich zugeben, dass ich das Lernen für den 2. Grad des Japanisch-Testes einfach noch nicht ernst genug nehme. Ich bin 24 Stunden von Japanisch umgeben und bin dann Abends so müde, dass ich mich nicht noch an ein Buch setze. Da fehlt mir dann doch die Disziplin der Japaner. (Zum Hirasawa-DVD gucken reicht meine Kraft aber noch, jaja – Prioritäten!)

Konzerte vernachlässige ich gerade ein bisschen, es gibt nur noch drei, vier Bands, die ich wirklich mag und deren Live-Auftritte waren im Januar sehr begrenzt. Ich bin inzwischen komplett in die New-Wave-Schiene abgedriftet und man findet mich leider nicht mehr auf Visual Kei Konzerten, ausser man hat mich vorher mit viel Alkohol abgefüllt.
Letzte Woche war ich beim Beat Surfers Summit, was wirklich eine tolle Veranstaltung für New Wave und Computer-Musik-Freunde war und im April geht es dann weiter mit „Live Swing“, einer Veranstaltung im ähnlichen Rahmen.

Beat Surfers Summit in Koenji. Ich bin für den älteren Miura Shunichi hin gegangen.

Beat Surfers Summit in Koenji. Ich bin für den älteren Miura Shunichi hin gegangen.

Meinen Geburtstag habe ich am 27. und am 31. gebührend gefeiert. Am 27. war ich mit meiner Englisch-Schülerin beim 6-stündigen Karaoke, danach Fisch essen und zum Abschluss waren wir in einer gemütlichen Sake-Bar. Meine Schülerin hat alles vorher reserviert und bestellt, sodass es in der Sake-Bar sogar noch einen Teller mit „Happy Birthday, Rika“ und viel Früchten und Eis gab.

Da steht mein Name drauf, das ist für mich!

Da steht mein Name drauf, das ist für mich!

Ich war zu Tränen gerührt, weil ich das (vor allem in einer Bar) nicht erwartet habe. Am 31. war ich mit Bangya-Freunden in Shinjuku essen und erneut beim Karaoke. Ja, man kann mir mit Singen viel Freude machen. Vorher gab es viel zu viel gutes Essen im Pasera, eine Art Party-Resort und zu fünft schafften wir nicht mal die Hälfte von all den servierten Speisen.

Davon wurde uns schön schlecht.

Davon wurde uns schön schlecht.

Bis 23 Uhr gings dann mit Bier und lauter Musik weiter und ich musste mich ein bisschen beeilen, um den letzten Zug zu schaffen. Ich wollte erst bei dem Freund meiner besten Freundin übernachten, aber ich hatte am nächsten Tag (wie immer) Termine und hätte mir dann meinen Zeitplan durcheinander geworfen.
Mit Müh und Not hab ich es dann aber doch noch heim geschafft.

Beim Karaoke. Bier-Level 100%.

Beim Karaoke. Bier-Level 100%.

Mit Abstand war das mein bester Geburtstag seit Langem. Alle meine Freunde haben sich unheimlich um mich bemüht und gemeinsam hatten wir so viel Spaß. Mein einziger Wunsch beim Kerzen-Auspusten war, dass ich nächstes Jahr wieder hier in Tokyo feiern kann.
Und ich werde mich bemühen, dass ich das hinbekomme.

Auch meine japanische Familie hat an mich gedacht.

Auch meine japanische Familie hat an mich gedacht.

Wenn ich nicht gerade schreibe, dann lese ich viel. Vor allem in den ewig langen Zugfahrten, die ich manchmal von Adachi bis nach Saitama unternehme. Wenn ich nicht gerade eingequetscht an der Zugtür stehe, dann schaffe ich es immer noch meinen Reader vor die Nase zu halten. Gerade erst habe ich „Hiroshima Diary: The Journal of a Japanese Physician, August 6-September 30, 1945“ von Michihiko Hachiya beendet und habe jetzt wieder angefangen Murakami Ryu zu lesen – „Popular Hits of the Showa Era“. Bei Murakami ist es immer so, dass ich beginne an Japan zu zweifeln und erstmalig die Anstrengung, den Stress und die Mentalität der Menschen hier hinterfrage. Dafür liebe ich seine Bücher. Wiederum treffe ich selten Japaner, die ihn als Autor mögen, da seine Geschichten meist sehr brutal und blutig sind. Und wahrscheinlich kommt auch Japan-Kritik bei Japanern nicht sehr gut an.
Und wenn wir schon von guten Büchern reden, poste ich hier nochmal gute Musik, das Original sollte ja jedem bekannt sein und derjenige, der da ein tolles Cover hinlegt ist Teruo Nakano, auch ein Mitglied der Beat Surfers.

Damit bin ich erstmal am Ende meines kurzen Updates, wenn sich lebensveränderende Entscheidungen ergeben, melde ich mich wieder. Bis dahin pendel ich in Zügen zur Arbeit und gehe Abends mit den Kollegen trinken. Ich lebe also ein kleines Klischee.

Mata ne!

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