Meine Reisen

z.Zt. Daueraufenthalt in Japan

Nudeln, Punk und wenig Schlaf in Kyushu

- November 27, 2015

Ich war das erste Mal in Kyushu und wahrscheinlich war es eines der besten Erlebnisse, die ich je hatte.
Samstag frueh hin, Montag Mittag zurueck nach Tokyo, auf die suedliche Insel Japans, mit dem Flugzeug 1.5 Stunden.
Um 11 Uhr war ich am Flughafen Narita, dort traf ich gleich meine Freundin Mari, mit der ich zusammen im Terminal 3 Platz nahm.
Zu uns stiessen noch Miki und Nami, die ich am Flughafen das erste Mal traf und waehrend der Tour unheimlich lieb gewann.
Zu viert assen wir noch schnell ein Mittag, da wir es bei der Ankunft nicht schaffen wuerden, Abendbrot essen zu gehen.
Fuer mich gab es Udon-Nudeln mit Asari-Muscheln und Pilzen, Miki bestellte Nagasaki Chanpon, Mari Curry und Nami
einen Hamburger.
13 Uhr gings ins Flugzeug, wir waren alle vier bester Stimmung und aufgeregt, im Flugzeug schliefen wir aber sofort alle ein,
da wir wussten, dass wir Kraft brauchen wuerden.

Dann 15:30 Ankunft in Fukuoka Flughafen, gleich weiter mit der Bahn nach Tenjin, von dort mit einem lokalen Zug nach Kurume.
Fukuoka ist laendlich, wenn auch genau so praktisch und Metropole wie Tokyo. Es wird weniger gedraengelt, man hat das Gefuehl, die Menschen
sind entspannter.
Selbst unser Zug sah aus wie ein aelteres Model aus einem Ghibli-Film.

In Kurume angekommen, liess ich meine Begleitung schon vor zur Konzert-Halle laufen, die wollten ihr Gepaeck im Auto der Band einschliessen.
Mein Hotel lag gleich neben der Halle, da mein Freund, dessen Konzert ich besuchen wuerde, die Haelfte meiner Reiseplanung fuer mich uebernommen hatte.
Kurz eingecheckt, Gepaeck abgestellt und dann gleich zur Halle.

Ein sehr grosses, ordentliches Haus mit viel Platz zum Abrocken, einer provisorischen Bar und einer uebersichtlichen Buehne.
Beim Eintritt wird man begruesst und gruesst zurueck, inzwischen bin ich kein Fan mehr, sondern Freundin geworden.
Das erste Bier wird gleich geoeffnet, man stoesst an, die die man noch nicht kennt, stellen sich untereinander vor.
Ich treffe Menschen aus Yamaguchi, aus Okinawa, aus Osaka, aus Fukushima. Alles hat sich hier im Sueden versammelt, um drei Tage Punk-Musik zu geniessen.

Die ersten drei Bands sind aus Kyushu, ein Mix aus Limp Bizkit, danach Hardcore Punk und zum Schluss feinster Hardrock.
Dann geht es los mit GalapagosS. Nach dem Konzert habe ich Hunger, meine Mitstreiter auch und der Staff lotst uns durch einen Hintereingang aus der Halle.
Wiedereintritt war diesmal verboten, also schmuggeln wir uns durch das Vorbereitungszimmer der Bands nach draussen.
Drei Strassen weiter riecht es herrlich nach Yakisoba. Und dort esse ich das erste Mal die allerbesten Bratnudeln mit rohem Ei.
Inoken-san, der in Kyushu wohnt, zeigt uns dieses besondere Restaurant. Hinter einer fleckigen Theke nehmen wir alle Platz, das Restaurant ist voll von Punkern, die alle durch den Hintereingang gefluchtet sind. Ein einzelner Herr dreht die Bratnudeln auf der grossen heissen Platte um und verteilt die vollen Teller und das Bier. Alles ist guter Laune. Und das Essen schmeckt herrlich.

Nach dem tollen Mahl schleichen wir uns zurueck in die Halle, rechtzeitig fuer Momojiri Tokyo Television, Ryuketsu Blizzard und zum kroenenden Abschluss The Digital City Junkies. Harry-Ken ist sehr aufgeregt. Seine ganze Familie, seine Freunde plus Kinder sind da.
Zwischen Punks mit Lederjacken und Nieten rennen Dreijaehrige mit Baseballschlaegern umher. Das ganze erinnert an ein anarchistisches Familien-Fest.
Harry-Ken verspricht den Kleinen „ein schoenes Feuerwerk“ und damit weiss ich, dass er auch heute wieder die halbe Bude anzuenden wird.

Gesagt, getan. Ryuketsu Blizzard sauen den Boden mit Nudeln, Brot und Marmelade ein, Yuda-sama ist wie immer nackt und ich bekomme die Haelfte von seiner rotz-gruenen Spucke ab. Dann spielen schon The Digital City Junkies, noch vor dem Konzert klatschen alle Fans ein und wir wissen, was das heisst – ab jetzt wird ruecksichtslos gemosht, „sorry, wenn ich dich umhaue.“
Wie versprochen folgt dann Harry-Kens Feuerwerk – an die Pappstatur eines Polizeibematen sind ueber 50 Knaller angebracht.
Erst koepft Harry-Ken den armen Polizei-Beamten, dann zuendet er die Knaller in der Halle an und loest damit den Feueralarm aus.
Der Polizist brennt lustig auf dem Boden weiter und alles rennt in Panik raus.
Harry-Kens Papa hat Anfangs noch gefilmt, am Ende des Konzerts kann ich ihn nicht mehr finden.

Irgendwann hat sich der Rauch etwas gelegt, ich huste in mein Handtuch und umarme Yuda-sama zum Abschied. Dann verlasse ich die Halle und warte draussen auf meine Band, The Digital City Junkies.
Nach rund einer Stunde Reinigung und Entschuldingungs-Reden an die Hallen-Inhaber verlassen meine Jungs die Halle und gemeinsam
latschen wir zum Hotel. Momojiri, Ryuketsu, Digital City Junkies und ich – wir alle uebernachten auf dem gleichen Flur.
Ich helfe beim Instrumente-Tragen, dann treffen wir uns alle in der Lobby wieder und begeben uns zum Uchiage – zur After-Show-Party.
Maiki, die fuer The Digital City Junkies arbeitet ist meine beste Freundin geworden und obwohl ich mich bei einem Band-Umtrunk nicht wohl fuehle, folge ich hier.
Wir quatschen bis 2 Uhr, Harry-Ken und ich trinken mehrere Bier, dann bin ich muede und stolper mit Maiki zurueck ins Hotel.
Die anderen Bands hoere ich im Halbschlaf noch ins Hotel zurueck kommen. Irgendwann zwischen 4 und 5 Uhr morgens. Mein Kopf haemmert vor Schlaflosigkeit.

Das Fruehstueck verschlafe ich, dann geht es schon um 10 Uhr weiter, mit dem Tour-Bus, der uns vom Hotel abholt zu einem Udon-Restaurant, weil keiner von uns Kraft fuer ein Fruehtsueck fand. Ausser Yuda-sama. Sein Foto ist gewaltig.

Erneut enttaeuscht uns unser Restaurant-Fuehrer Inoken nicht, wir essen die besten Udon-Nudeln ever. Ohne Scheiss. Ich bestellte Wakame Udon und fuehlte mich nach dem Fruehstueck fast schon wieder lebendig.
Dann geht es weiter von Kurume nach Hakata. Im Auto hoeren wir The Digital City Junkies, sind alle guter Dinge, es wird bunt durcheinander gequatscht und trotz Muedigkeit sind alle gespannt auf die Halle am Abend in Hakata.
In Kurume gab es Aerger vom Staff, dass gekokelt und rumgeschmutzt wurde. Heute schien es so, als duerften wir alles machen, was uns im Sinn stand, da die Hallenbesitzer selber Punks alter Schule waren.

Gegen 12 Uhr erreichten wir Hakata, stiegen aus, begutachten kurz die Halle, gruessten alle und jeden und dann fuhren wir weiter zum Bahnhof Hakata. Dort trennten wie uns alle kurzzeitig voneinander. Heute hatte jeder einen anderen Schlafplatz gefunden, sodass wir uns Zeit nahmen, einzeln einzuchecken.
Ich uebernachtete in einem sehr schoenen, sauberen Hostel, 8 Gehminuten vom Hakata Bahnhof entfernt. Der Staff war sehr nett, war wahrscheinlich Franzose und sprach fliessend Englisch.
Ich lieh mir ein Handtuch, gab mein Gepaeck ab und marschierte dann zurueck zum Bahnhof. Dort traf ich mich erneut mit Mari, Nami und Miki und gemeinsam schlenderten wir ueber einen deutschen Weihnachtsmarkt, der vor dem Bahnhof aufgebaut war. Ich sah Stollen, Warsteiner Bier, Gluehwein und sogar echten Erzgebirger Weihnachtsschmuck. Trotz 20 Grad fuehlte ich mich fast schon weihnachtlich.

Dann ging es zurueck in den Bahnhof und wir bestellten echte Hakata-Ramen, eine regionale Spezialitaet. Eigentlich genossen wir nur die Freizeit bis zum Konzert, assen gutes Essen und hatten einfach nur Urlaub.
Zum Abschluss goennten wir uns alle noch einen Kaffee, dann war es fast schon so weit, zur Halle zu fahren. 17 Uhr sollte es los gehen.
Mit dem Bus kamen wir langsam voran, aber nicht zu spaet.

Die Halle diesmal war so klein, so eng, selbst fuer japanische Verhaeltnisse war das fast untragbar.
Diesmal ging es gleich los mit GalapagosS, die wie immer eine tolle Show ablieferten. Spaeter standen Sharaku und Gokimi im Gang und ich kam nicht drum herum, immer wieder absichtlich oder unabsichtlich in sie reinzulaufen. (Hihi.)
Die Enge in der ganzen Einrichtung wurde irgendwann zum Witz. Igirisujin, die sowieso fuer am meisten Party sorgen, standen irgendwann versammelt um das einzige Klo und riefen immer wieder „Irrasshaimase, Willkommen. Wie viele wollen auf Toilette? Drei? Bitte hinten anstellen, da wo kein Platz ist!“
Das ganze war so absurd und komisch, aber wir alle machten das beste draus.

Ryuketsu hielten sich diesmal zurueck. Ein bisschen Nudeln, ein bisschen Brot, Yuda-sama und Benimaru waren nackt.
Yuda-sama griff mich waehrend des Konzerts an und warf mich zu Boden, mein weißes T-Shirt war gleich mit Marmelade versaut.
Aber das war nichts. Das war gar nichts. Solche Aggressionen konnte ich noch ab.

Denn dann kam The Digital City Junkies. Und diesmal dachte ich wirklich, ich muesste Angst um mein Leben haben.

Harry-Ken sprang von der Buehne in einen Haufen Bier-Dosen, die er vorbereitet hatte. Mit seinem Baseballschlaeger schlug er einige der Dosen ins Publikum und da man keine Ausweichmoeglichkeit in der kleinen Halle hatte, wurde man mehr oder minder getroffen. Auf den Dosen rutschte man immer wieder aus, aber Harry-Ken hielt das nicht auf, 10 Packungen Eier ins Publikum zu werfen. Ich bekam eine ganze Packung ab und stank fuer den Rest des Abends sehr roh.
Zusaetzlich regnete es Kokos-Flocken, der Boden wurde ein glitschiges Unterfangen und trotzdem moshten wir immer weiter, mit Harry-Ken in unserere Mitte, der immer wieder auf dem Boden zusammenbrach und sich Eier an den Kopf schlagend „Violence Junkie“ sang.

Der Hoehepunkt war erneut ein Feuerwerk. In der winzigen Halle wahnsinnig gefaehrlich. Ohne Ruecksicht warf Harry-Ken das Zeug ins Publikum. Ich schaffte es noch, meine Augen schuetzend abzudecken. Dazu zerfetzte er noch 5 Feder-Kissen, die zusammen mit dem Rauch eine undurchdringliche Wand bildeten. Durch die rohen Eier blieben tausende Federn an mir haften, ich konnte kaum atmen vor Rauch und Daunen.
Irgendwann war das Konzert vorbei, eine Zugabe konnte nicht gegeben werden, da Harry-Ken bewegungslos auf dem Boden lag. Neben ihm ein Fahrrad, weiss der Teufel wie das Ding da hin gekommen war.
Ich verliess voll mit Ei, Marmelade und Federn die Halle und stand noch drei Stunden draussen mit Ryuketsu Blizzard, unschluessig wie man sich nach solch einer Nacht verhalten sollte.

Mit meinen dreckigen Klamotten und mit Federn beklebten Schuhen war mir auch nicht nach After-Show-Party.
Wir knipsten noch ein paar Fotos, dann umarmten wir uns alle und ich schlich dreckig zurueck in mein Hostel, wo ich alle durch mein naechtliches Auftreten weckte.
Aber das war mir egal.

Von Harry-Ken hab ich bis jetzt noch keine NAchricht, aber ich weiss, dass es ihm gut geht.
Am naechsten Tag nach einer erstaunlich guten erholsamen Nacht fuhr ich zurueck zum Flughafen, nur 16 Minuten vom Hakata Bahnhof entfernt. Mit meinem restlichen Geld kaufte ich noch einige Mitbringsel und ich wurde sentimental bei den wundervollen Nachrichten, die mir meine neuen Freunde aus Kyushu zum Abschied schrieben.

Das Essen war wunderbar. Die Musik war toll. Die Menschen waren einzigartig. Das ganze Spektakel war unheimlich gefaehrlich und spannend und spassig.
Ich wuerde es sofort wieder tun!

15 Uhr war ich zurueck im regnerischen Tokyo. Das erste Mal, dass ich nicht nach Tokyo zurueck wollte, sondern gerne woanders geblieben waere.

Danke an Harry-Ken fuer das Organisieren dieser Reise, fuer das Hotel und fuer die wunderbaren Abende zusammen. Danke an Maiki, die sich immer um mich gekuememmert hat.

Danke an Mari, Miki, Nami. Ihr wart eine tolle Begleitung im Flugzeug, im Zug und beim Essen.
Danke an Igirisujin, die mich so toll unterhalten haben. Danke an Yura-shi, der mir seine schicke Brille geliehen hat. 😀
Danke an Inoken fuers Herumfuehren, danke an Kouji fuers Fahren des Busses. Danke an Ryuketsu fuer die tolle Unterhaltung, an Yuda-sama fuer die Umarmung, fuer das tolle Foto, fuer die lieben Worte.
Danke an Sexy-san fuer die Streicheleinheiten. (LOL)
Danke an Benimaru fuer die tollen Fotos.
Danke. Danke. Danke an alle, die diese Tour so besonders gemacht haben. Bis zum naechsten Mal. Auf jeden Fall wieder.

 

Anmerkung: Fotos folgen, sobald ich wieder Internet habe. Meine Verbindung ist zur Zeit nur ein Provisorium. Aber ich bin bald wieder 100% verfuegbar.


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