Meine Reisen

z.Zt. Daueraufenthalt in Japan

Neuanfang

- Dezember 5, 2015

Das war eine Woche! Ich brauch erst mal Urlaub. Aber den krieg ich hier so einfach nicht, also schreibe ich stattdessen und ordne somit mein Leben.

Erneut bin ich nominiert für den „Viel-zu-kurze-Beziehungen“-Award.
Bin gespannt, wann ich mir den abholen darf. Oder komm ich mit einem Monat schon ins Guinness-Buch der Rekorde?

Nach einem wunderbaren, wunderbaren Wochenende mit Hirasawa und all meinen Freunden, die gemeinsam ueber das langersehnte Konzert weinten, lachten und sich gemeinsam hysterisch kreischend in den Armen lagen (oder so aehnlich) ging es bei mir auf- und ab.

Mein neuer Freund war schon seit Beginn der Beziehung mehr Belastung als Unterstützung und als ich dann nach dem emotionalen Auf- und Ab des Wochenendes noch die schockierenden Nachrichten
über den Tod eines auch mir bekannten Musikers erfuhr, war mein Freund immer noch nicht bereit, mich seelisch oder moralisch zu unterstützen. Ich zitiere „Sorry, ich geh eher schlafen.“

Da war ich dann wieder unabhängige europäische Frau, schmiss den erwachsenen japanischen Mann mit Baby-Gemüt aus meinem Leben und cancelte kurzerhand unser gemeinsam gebuchtes Hotel für Weihnachten.
(Kostenlose Stornierung, als hätte ich damit gerechnet!)

Wie wunderbar. Ich muss nicht diesen japanischen Stereotyp von romantischer Weihnacht mit dem Partner leben. Ich bin darüber weitaus glücklicher als über den Umstand, endlich das grosse Baby los zu werden.
Ich highfive mich kurz selbst. Yay.

So abgebrüht, wie ich das schreibe – so einfach war es dann natürlich nicht. Der gute Mann verliess mich erst nachdem er mir all meine schlechten Charakter-Eigenschaften via LINE mitteilen musste, sehr freundlich, sehr erinnerungswürdig.
Nach einem kleinen Nervenzusammenbruch bekam ich erneut die beste Unterstützung von meinen Freunden und meinen Bands. Komischerweise hatte ich in dem einen Monat mehr Interaktion mit meinen Lieblingsbands als mit meinem vermeintlichen Partner.
Und schon ging es mir am nächsten Tag besser und dem Verlassenen wahrscheinlich auch, den er war mal wieder ganz schnell im Profilbild ändern und Facebook-Löschen.

Japaner können das ganz toll. Von Null auf Hundert. Von inniger Liebe zur kompletten Isolation. Inzwischen bin ich das schon gewöhnt, ja ich erwarte es sogar.
Und deshalb tat es diesmal nur einen halben Tag lang weh. Vorallem, weil mich sein nächtlicher Anruf und mein damit verbundender Heulkrampf um wertvolle Stunden Schlaf gebracht hat. Das war das Tragischste an der ganzen Sache. Schlafmangel bei vollem Arbeitspensum.

Nun fand ich aber am gleichen Tag heraus, dass ich statt des romantischen Hotel-Besuchs zu einem Talk-Event mit Hirasawas Bruder gehen kann und gleichzeitig wurde mir ein Angebot für eine neue Vollzeit-Stelle unterbreitet, die nicht nur mein Visa weiterhin unterstützen würde, sondern auch Kranken- und Sozialversicherung übernehmen würde.

Dieser neue Job ist mehr fordernd und bietet mir Aufstiegschancen, natürlich habe ich sofort zugesagt. Das Gehalt ist etwas geringer, aber dafür kann ich wirklich das machen, was ich will – schreiben, Kundenservice, bloggen, Website-Pflege. Ich bin mehr als zufrieden.

Also kein Freund, keine anstehenden Familienplanungen, aber dafür herausragende Karriere-Chancen, Weihnachten mit meinen Freunden und Hirasawa, sowie Neujahr mit meiner deutschen Familie und meinen japanischen Freunden. Alles in allem bin ich wieder der Gewinner in dieser Situation.
Das Einzige, was ich wohl nie lernen werde ist, dass es ein Problem ist, sich auf japanische Männer einzulassen. Vor allem, da ich genau weiss, was ich will.
Aber vielleicht trifft mich irgendwann nochmal der Blitz der Erkenntnis. Oder zumindest irgendein Blitz. (Gern auch beim Scheissen)

Nun bereite ich mich auf meine kurze Heimkehr vor. Vom 28. Dezember bis 10. Januar bin ich in Deutschland und auch einen Tag in Brüssel. Ich kam nicht drum herum, einen Flug in meine liebste europäische Hauptstadt zu buchen. Egal, wie sich die Situation dort weiter entwickeln wird, ich will auf jeden Fall zurück.
Nun will ich natürlich die meiste Zeit mit meiner Familie verbringen und die ersten Januar-Tage habe ich meine japanischen Freunde bei mir, die einen deutschen Tour-Guide brauchen.

Aber ich will natürlich auch euch alle wiedersehen und deshalb dachte ich, wir starten einen grossen Umtrunk in Berlin, am 5. oder 6. Januar.
Mehr dazu habe ich schon auf Facebook gepostet und sobald die Zeit etwas näher rückt, werde ich genaueres bekannt geben. Auch gerne hier im Blog.

Ein viel größeres Problem sind die Mitbringsel. Wem soll ich was kaufen? Reichen normale Souvenirs oder will jeder noch ein extra Weihnachtsgeschenk?
Nein, sowas fangen wir bitte nicht erst an. Ich bin nur eine arme Lehrerin ohne Geld.. 😛

Ich freue mich auf Deutschland, ich freue mich auf Europa. Viele Japaner haben gerade etwas Angst, überhaupt in den Westen zu fliegen. Ich verfolge die Nachrichten hier täglich über Internet, Inforadio, im Freitag… aber vorstellen kann ich mir gar nichts. Ich will sehen, wie es gerade wirklich in Deutschland zugeht.
Und natürlich freue ich mich auf meine Familie.

Wer braucht schon einen Partner, wenn er so tolle Freunde, so eine wunderbare Familie und ein so erfüllenden Job hat? Ich nicht. Und ich lass mir auch nicht von der japanischen Gesellschaft etwas anderes einreden… 😉

PS. Ein Blog zu meinem Hirasawa-Wochenende folgt gesondert…

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3 responses to “Neuanfang

  1. lnmyschkin sagt:

    Musst dir auch nichts einreden lassen. Freunde und Menschen die dir beistehen und helfen sind immer wichtiger! (Meiner bescheidenen Meinung nach..)

  2. panse sagt:

    Hey ho,
    Keine Ahnung ob das ein Trost für dich ist: Aber den Award müssten wir uns glaube ich teilen 🙂
    Schade so etwas hören/lesen zu müssen, aber wenn man noch nicht einmal bereit ist, seiner Partnerin zur Seite zu stehen, ist hier soweit alles klar (wie Inmyschkin bereits schön formuliert hat).

    Dafür hört sich der Rest jedoch echt super an, sodass sich deine komplette Lage in Japan doch deutlich zum Positiven für dich gewendet hat 🙂
    Daher: Kopf nicht hängen lassen und fleißig am Ball bleiben *Daumen-drück*

    Beste Grüße aus Berlin *wink*

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