Meine Reisen

z.Zt. Daueraufenthalt in Japan

The Business of Tokyo

I’m featured on Tokyo Interlopers, an amazing project about Tokyoites and their stories. Find my interview here. 🙂

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Ich bin dann mal kurz in Europa..

Nach einer etwas laengeren Nacht, die ich irgendwie ueberlebt habe und in der ich, trotz mehrfachen Reiswein-Konsums, irgendwie heim gefunden habe, fliege ich heute zurueck nach Deutschland.
In meinem verkaterten Zustand heute frueh fand ich meinen Reisepass nicht – ein wirklich panisches Gefuehl, wenn man in seinem winzigen Tokyoter Zimmer nicht mal seine sieben Sachen zusammen halten kann.

Jetzt kann es aber los gehen, der Reisepass ist da, ich hab immer noch nen Kater und bin hundemuede. Vielleicht die besten Voraussetzungen, um im Flieger Schlaf zu finden.

Heute weiss ich auch, dass ich nicht fliegen will. Ich freue mich auf meine Familie und meine Freunde. Abr mir wird das Hatsumode fehlen und das Neujahrsessen mit meiner Gastfamilie.
Es sind nur zwei Wochen, die ich in Deutschland verbringen werde, aber haette ich eine Wahl, wuerde ich auch gerne hier bleiben und meine Familie stattdessen herholen. Nun hab ich aber den Koffer gepackt, Geschenke gekauft, jetzt gehts los.

Die naechsten paar Tage werde ich nicht so oft auf FB und Twitter sein, da ich nur mein altes Handy mitnehmen werde und mein Tablet kann ich in Deutschland nur nutzen, wenn ich unterwegs ein paar Wifi-Hotspots finde.. (haha!).

Wer also was will – anrufen kann man mich ab dem 29. Dezember.

Ich werd dann mal zum Flughafen duesen. Bis spaeter. Und einen guten Rutsch…!

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Deutschland-Vorbereitungen

Ab morgen kann ich sagen „In einer Woche bin ich zurueck in Deutschland.“
Und ich habe mich immer wieder gefragt, ob ich mich freue.
Ja, ich freue mich sehr auf meine Familie und damit meine ich meine wunderbaren Eltern, meinen lieben Bruder, meine liebe Oma, die jetzt bei uns in der Naehe wohnt.
Und ich freue mich auch auf meine Freunde, ich werde auf jeden Fall meine allerliebste Freundin in Rostock treffen und ich werde auch all meine wichtigen Wegbegleiter in Berlin sehen.

Und ich freue mich auf Kleinigkeiten. Auf eine beheizte Wohnung, auf Broetchen und Joghurt, auf Schwarzbrot, auf meine ganzen Haustiere. Ich freue mich auf deutsches Bier, aber ich freue mich auch darauf, nicht den Zwang haben, trinken zu muessen, um Spass zu haben.
Ich freue mich auf das Ausschlafen, auch wenn ich einen engen Zeitplan habe. Ich freue mich darauf, zeitig ins Bett gehen zu koennen.

Ich freue mich auf leere oeffentliche Verkehrsmittel, aufs Autofahren (oder besser aufs Herumgefahren werden), auf deutsche Schokolade, auf Schuhe in meiner Groesse und auch Unterwaesche, die mir passt.
Ich freue mich darauf, meine Muttersprache benutzen zu koennen, die ich fast schon vergessen habe.

Ich bin froh, Neujahr in Deutschland verbringen zu koennen. Aber ich weiss auch, dass ich Japan vermissen werde. Obwohl es nur zwei Wochen sind. Haette ich die Wahl, wuerde ich meine Familie viel lieber hierher holen, statt zurueck zu fliegen. Nicht, dass ich mich in Deutschland nicht wohl fuehle, aber ich denke, dass meine Freunde, meine Community hier in Tokyo groesser ist, als in Deutschland.

Trotzdem wird mir ein Kurzurlaub gut tun.
Fuer all diejenigen, die mich treffen wollen, fuer die veroeffentliche ich meinen Plan. Aenderungen vorbehalten.

28. Dezember Abflug Tokyo, 21 Uhr
29. Dezember Ankunft in Berlin gegen Mittag 13 Uhr
30. Dezember Treff mit meinen japanischen Freunden, die mir nachfolgen in Berlin zum Shoppen und Sightseeing
31. Silvester-Party mit meinen japanischen Freunden und meinem Bruder und Pawel (hihi) in Berlin
1. Januar Entspannen, Abends Neujahrskonzert
2. Januar Treff mit meinem japanischen Schueler in Potsdam
3. Januar Treff mit Helene in Zernsdorf
4. Januar Arzt-Termine in Potsdam
5. Januar Umtrunk in Berlin
6. und 7. Januar Zeit mit der Familie verbringen
8. Januar 7 Uhr Flug nach Belgien, 21 Uhr Flug zurueck nach Berlin
9. Januar 8 Uhr Abfahrt nach Rostock, 18:00 Rueckfahrt nach Berlin
10. Januar Abflug nach Japan

Wenn ich mir den Plan so ansehe, dann merke ich wieder, dass ich eigentlich keinen Urlaub sondern ein bisschen viel Stress vor mir habe.
Aber immerhin beibt mir der lange Flug zum Schlafen.. 😉

Vielleicht ergeben sich noch kleine Aenderungen, aber die Belgien- und die Rostock-Reise sind fest eingeplant. Auch die Neujahrsfeier steht felsenfest.
Alle weiteren kleinen Aenderungen nehme ich dann vor Ort vor.

Egal, wie Deutschland wird, ich freue mich trotzdem auf euch alle.

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Neuanfang

Das war eine Woche! Ich brauch erst mal Urlaub. Aber den krieg ich hier so einfach nicht, also schreibe ich stattdessen und ordne somit mein Leben.

Erneut bin ich nominiert für den „Viel-zu-kurze-Beziehungen“-Award.
Bin gespannt, wann ich mir den abholen darf. Oder komm ich mit einem Monat schon ins Guinness-Buch der Rekorde?

Nach einem wunderbaren, wunderbaren Wochenende mit Hirasawa und all meinen Freunden, die gemeinsam ueber das langersehnte Konzert weinten, lachten und sich gemeinsam hysterisch kreischend in den Armen lagen (oder so aehnlich) ging es bei mir auf- und ab.

Mein neuer Freund war schon seit Beginn der Beziehung mehr Belastung als Unterstützung und als ich dann nach dem emotionalen Auf- und Ab des Wochenendes noch die schockierenden Nachrichten
über den Tod eines auch mir bekannten Musikers erfuhr, war mein Freund immer noch nicht bereit, mich seelisch oder moralisch zu unterstützen. Ich zitiere „Sorry, ich geh eher schlafen.“

Da war ich dann wieder unabhängige europäische Frau, schmiss den erwachsenen japanischen Mann mit Baby-Gemüt aus meinem Leben und cancelte kurzerhand unser gemeinsam gebuchtes Hotel für Weihnachten.
(Kostenlose Stornierung, als hätte ich damit gerechnet!)

Wie wunderbar. Ich muss nicht diesen japanischen Stereotyp von romantischer Weihnacht mit dem Partner leben. Ich bin darüber weitaus glücklicher als über den Umstand, endlich das grosse Baby los zu werden.
Ich highfive mich kurz selbst. Yay.

So abgebrüht, wie ich das schreibe – so einfach war es dann natürlich nicht. Der gute Mann verliess mich erst nachdem er mir all meine schlechten Charakter-Eigenschaften via LINE mitteilen musste, sehr freundlich, sehr erinnerungswürdig.
Nach einem kleinen Nervenzusammenbruch bekam ich erneut die beste Unterstützung von meinen Freunden und meinen Bands. Komischerweise hatte ich in dem einen Monat mehr Interaktion mit meinen Lieblingsbands als mit meinem vermeintlichen Partner.
Und schon ging es mir am nächsten Tag besser und dem Verlassenen wahrscheinlich auch, den er war mal wieder ganz schnell im Profilbild ändern und Facebook-Löschen.

Japaner können das ganz toll. Von Null auf Hundert. Von inniger Liebe zur kompletten Isolation. Inzwischen bin ich das schon gewöhnt, ja ich erwarte es sogar.
Und deshalb tat es diesmal nur einen halben Tag lang weh. Vorallem, weil mich sein nächtlicher Anruf und mein damit verbundender Heulkrampf um wertvolle Stunden Schlaf gebracht hat. Das war das Tragischste an der ganzen Sache. Schlafmangel bei vollem Arbeitspensum.

Nun fand ich aber am gleichen Tag heraus, dass ich statt des romantischen Hotel-Besuchs zu einem Talk-Event mit Hirasawas Bruder gehen kann und gleichzeitig wurde mir ein Angebot für eine neue Vollzeit-Stelle unterbreitet, die nicht nur mein Visa weiterhin unterstützen würde, sondern auch Kranken- und Sozialversicherung übernehmen würde.

Dieser neue Job ist mehr fordernd und bietet mir Aufstiegschancen, natürlich habe ich sofort zugesagt. Das Gehalt ist etwas geringer, aber dafür kann ich wirklich das machen, was ich will – schreiben, Kundenservice, bloggen, Website-Pflege. Ich bin mehr als zufrieden.

Also kein Freund, keine anstehenden Familienplanungen, aber dafür herausragende Karriere-Chancen, Weihnachten mit meinen Freunden und Hirasawa, sowie Neujahr mit meiner deutschen Familie und meinen japanischen Freunden. Alles in allem bin ich wieder der Gewinner in dieser Situation.
Das Einzige, was ich wohl nie lernen werde ist, dass es ein Problem ist, sich auf japanische Männer einzulassen. Vor allem, da ich genau weiss, was ich will.
Aber vielleicht trifft mich irgendwann nochmal der Blitz der Erkenntnis. Oder zumindest irgendein Blitz. (Gern auch beim Scheissen)

Nun bereite ich mich auf meine kurze Heimkehr vor. Vom 28. Dezember bis 10. Januar bin ich in Deutschland und auch einen Tag in Brüssel. Ich kam nicht drum herum, einen Flug in meine liebste europäische Hauptstadt zu buchen. Egal, wie sich die Situation dort weiter entwickeln wird, ich will auf jeden Fall zurück.
Nun will ich natürlich die meiste Zeit mit meiner Familie verbringen und die ersten Januar-Tage habe ich meine japanischen Freunde bei mir, die einen deutschen Tour-Guide brauchen.

Aber ich will natürlich auch euch alle wiedersehen und deshalb dachte ich, wir starten einen grossen Umtrunk in Berlin, am 5. oder 6. Januar.
Mehr dazu habe ich schon auf Facebook gepostet und sobald die Zeit etwas näher rückt, werde ich genaueres bekannt geben. Auch gerne hier im Blog.

Ein viel größeres Problem sind die Mitbringsel. Wem soll ich was kaufen? Reichen normale Souvenirs oder will jeder noch ein extra Weihnachtsgeschenk?
Nein, sowas fangen wir bitte nicht erst an. Ich bin nur eine arme Lehrerin ohne Geld.. 😛

Ich freue mich auf Deutschland, ich freue mich auf Europa. Viele Japaner haben gerade etwas Angst, überhaupt in den Westen zu fliegen. Ich verfolge die Nachrichten hier täglich über Internet, Inforadio, im Freitag… aber vorstellen kann ich mir gar nichts. Ich will sehen, wie es gerade wirklich in Deutschland zugeht.
Und natürlich freue ich mich auf meine Familie.

Wer braucht schon einen Partner, wenn er so tolle Freunde, so eine wunderbare Familie und ein so erfüllenden Job hat? Ich nicht. Und ich lass mir auch nicht von der japanischen Gesellschaft etwas anderes einreden… 😉

PS. Ein Blog zu meinem Hirasawa-Wochenende folgt gesondert…

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Nudeln, Punk und wenig Schlaf in Kyushu

Ich war das erste Mal in Kyushu und wahrscheinlich war es eines der besten Erlebnisse, die ich je hatte.
Samstag frueh hin, Montag Mittag zurueck nach Tokyo, auf die suedliche Insel Japans, mit dem Flugzeug 1.5 Stunden.
Um 11 Uhr war ich am Flughafen Narita, dort traf ich gleich meine Freundin Mari, mit der ich zusammen im Terminal 3 Platz nahm.
Zu uns stiessen noch Miki und Nami, die ich am Flughafen das erste Mal traf und waehrend der Tour unheimlich lieb gewann.
Zu viert assen wir noch schnell ein Mittag, da wir es bei der Ankunft nicht schaffen wuerden, Abendbrot essen zu gehen.
Fuer mich gab es Udon-Nudeln mit Asari-Muscheln und Pilzen, Miki bestellte Nagasaki Chanpon, Mari Curry und Nami
einen Hamburger.
13 Uhr gings ins Flugzeug, wir waren alle vier bester Stimmung und aufgeregt, im Flugzeug schliefen wir aber sofort alle ein,
da wir wussten, dass wir Kraft brauchen wuerden.

Dann 15:30 Ankunft in Fukuoka Flughafen, gleich weiter mit der Bahn nach Tenjin, von dort mit einem lokalen Zug nach Kurume.
Fukuoka ist laendlich, wenn auch genau so praktisch und Metropole wie Tokyo. Es wird weniger gedraengelt, man hat das Gefuehl, die Menschen
sind entspannter.
Selbst unser Zug sah aus wie ein aelteres Model aus einem Ghibli-Film.

In Kurume angekommen, liess ich meine Begleitung schon vor zur Konzert-Halle laufen, die wollten ihr Gepaeck im Auto der Band einschliessen.
Mein Hotel lag gleich neben der Halle, da mein Freund, dessen Konzert ich besuchen wuerde, die Haelfte meiner Reiseplanung fuer mich uebernommen hatte.
Kurz eingecheckt, Gepaeck abgestellt und dann gleich zur Halle.

Ein sehr grosses, ordentliches Haus mit viel Platz zum Abrocken, einer provisorischen Bar und einer uebersichtlichen Buehne.
Beim Eintritt wird man begruesst und gruesst zurueck, inzwischen bin ich kein Fan mehr, sondern Freundin geworden.
Das erste Bier wird gleich geoeffnet, man stoesst an, die die man noch nicht kennt, stellen sich untereinander vor.
Ich treffe Menschen aus Yamaguchi, aus Okinawa, aus Osaka, aus Fukushima. Alles hat sich hier im Sueden versammelt, um drei Tage Punk-Musik zu geniessen.

Die ersten drei Bands sind aus Kyushu, ein Mix aus Limp Bizkit, danach Hardcore Punk und zum Schluss feinster Hardrock.
Dann geht es los mit GalapagosS. Nach dem Konzert habe ich Hunger, meine Mitstreiter auch und der Staff lotst uns durch einen Hintereingang aus der Halle.
Wiedereintritt war diesmal verboten, also schmuggeln wir uns durch das Vorbereitungszimmer der Bands nach draussen.
Drei Strassen weiter riecht es herrlich nach Yakisoba. Und dort esse ich das erste Mal die allerbesten Bratnudeln mit rohem Ei.
Inoken-san, der in Kyushu wohnt, zeigt uns dieses besondere Restaurant. Hinter einer fleckigen Theke nehmen wir alle Platz, das Restaurant ist voll von Punkern, die alle durch den Hintereingang gefluchtet sind. Ein einzelner Herr dreht die Bratnudeln auf der grossen heissen Platte um und verteilt die vollen Teller und das Bier. Alles ist guter Laune. Und das Essen schmeckt herrlich.

Nach dem tollen Mahl schleichen wir uns zurueck in die Halle, rechtzeitig fuer Momojiri Tokyo Television, Ryuketsu Blizzard und zum kroenenden Abschluss The Digital City Junkies. Harry-Ken ist sehr aufgeregt. Seine ganze Familie, seine Freunde plus Kinder sind da.
Zwischen Punks mit Lederjacken und Nieten rennen Dreijaehrige mit Baseballschlaegern umher. Das ganze erinnert an ein anarchistisches Familien-Fest.
Harry-Ken verspricht den Kleinen „ein schoenes Feuerwerk“ und damit weiss ich, dass er auch heute wieder die halbe Bude anzuenden wird.

Gesagt, getan. Ryuketsu Blizzard sauen den Boden mit Nudeln, Brot und Marmelade ein, Yuda-sama ist wie immer nackt und ich bekomme die Haelfte von seiner rotz-gruenen Spucke ab. Dann spielen schon The Digital City Junkies, noch vor dem Konzert klatschen alle Fans ein und wir wissen, was das heisst – ab jetzt wird ruecksichtslos gemosht, „sorry, wenn ich dich umhaue.“
Wie versprochen folgt dann Harry-Kens Feuerwerk – an die Pappstatur eines Polizeibematen sind ueber 50 Knaller angebracht.
Erst koepft Harry-Ken den armen Polizei-Beamten, dann zuendet er die Knaller in der Halle an und loest damit den Feueralarm aus.
Der Polizist brennt lustig auf dem Boden weiter und alles rennt in Panik raus.
Harry-Kens Papa hat Anfangs noch gefilmt, am Ende des Konzerts kann ich ihn nicht mehr finden.

Irgendwann hat sich der Rauch etwas gelegt, ich huste in mein Handtuch und umarme Yuda-sama zum Abschied. Dann verlasse ich die Halle und warte draussen auf meine Band, The Digital City Junkies.
Nach rund einer Stunde Reinigung und Entschuldingungs-Reden an die Hallen-Inhaber verlassen meine Jungs die Halle und gemeinsam
latschen wir zum Hotel. Momojiri, Ryuketsu, Digital City Junkies und ich – wir alle uebernachten auf dem gleichen Flur.
Ich helfe beim Instrumente-Tragen, dann treffen wir uns alle in der Lobby wieder und begeben uns zum Uchiage – zur After-Show-Party.
Maiki, die fuer The Digital City Junkies arbeitet ist meine beste Freundin geworden und obwohl ich mich bei einem Band-Umtrunk nicht wohl fuehle, folge ich hier.
Wir quatschen bis 2 Uhr, Harry-Ken und ich trinken mehrere Bier, dann bin ich muede und stolper mit Maiki zurueck ins Hotel.
Die anderen Bands hoere ich im Halbschlaf noch ins Hotel zurueck kommen. Irgendwann zwischen 4 und 5 Uhr morgens. Mein Kopf haemmert vor Schlaflosigkeit.

Das Fruehstueck verschlafe ich, dann geht es schon um 10 Uhr weiter, mit dem Tour-Bus, der uns vom Hotel abholt zu einem Udon-Restaurant, weil keiner von uns Kraft fuer ein Fruehtsueck fand. Ausser Yuda-sama. Sein Foto ist gewaltig.

Erneut enttaeuscht uns unser Restaurant-Fuehrer Inoken nicht, wir essen die besten Udon-Nudeln ever. Ohne Scheiss. Ich bestellte Wakame Udon und fuehlte mich nach dem Fruehstueck fast schon wieder lebendig.
Dann geht es weiter von Kurume nach Hakata. Im Auto hoeren wir The Digital City Junkies, sind alle guter Dinge, es wird bunt durcheinander gequatscht und trotz Muedigkeit sind alle gespannt auf die Halle am Abend in Hakata.
In Kurume gab es Aerger vom Staff, dass gekokelt und rumgeschmutzt wurde. Heute schien es so, als duerften wir alles machen, was uns im Sinn stand, da die Hallenbesitzer selber Punks alter Schule waren.

Gegen 12 Uhr erreichten wir Hakata, stiegen aus, begutachten kurz die Halle, gruessten alle und jeden und dann fuhren wir weiter zum Bahnhof Hakata. Dort trennten wie uns alle kurzzeitig voneinander. Heute hatte jeder einen anderen Schlafplatz gefunden, sodass wir uns Zeit nahmen, einzeln einzuchecken.
Ich uebernachtete in einem sehr schoenen, sauberen Hostel, 8 Gehminuten vom Hakata Bahnhof entfernt. Der Staff war sehr nett, war wahrscheinlich Franzose und sprach fliessend Englisch.
Ich lieh mir ein Handtuch, gab mein Gepaeck ab und marschierte dann zurueck zum Bahnhof. Dort traf ich mich erneut mit Mari, Nami und Miki und gemeinsam schlenderten wir ueber einen deutschen Weihnachtsmarkt, der vor dem Bahnhof aufgebaut war. Ich sah Stollen, Warsteiner Bier, Gluehwein und sogar echten Erzgebirger Weihnachtsschmuck. Trotz 20 Grad fuehlte ich mich fast schon weihnachtlich.

Dann ging es zurueck in den Bahnhof und wir bestellten echte Hakata-Ramen, eine regionale Spezialitaet. Eigentlich genossen wir nur die Freizeit bis zum Konzert, assen gutes Essen und hatten einfach nur Urlaub.
Zum Abschluss goennten wir uns alle noch einen Kaffee, dann war es fast schon so weit, zur Halle zu fahren. 17 Uhr sollte es los gehen.
Mit dem Bus kamen wir langsam voran, aber nicht zu spaet.

Die Halle diesmal war so klein, so eng, selbst fuer japanische Verhaeltnisse war das fast untragbar.
Diesmal ging es gleich los mit GalapagosS, die wie immer eine tolle Show ablieferten. Spaeter standen Sharaku und Gokimi im Gang und ich kam nicht drum herum, immer wieder absichtlich oder unabsichtlich in sie reinzulaufen. (Hihi.)
Die Enge in der ganzen Einrichtung wurde irgendwann zum Witz. Igirisujin, die sowieso fuer am meisten Party sorgen, standen irgendwann versammelt um das einzige Klo und riefen immer wieder „Irrasshaimase, Willkommen. Wie viele wollen auf Toilette? Drei? Bitte hinten anstellen, da wo kein Platz ist!“
Das ganze war so absurd und komisch, aber wir alle machten das beste draus.

Ryuketsu hielten sich diesmal zurueck. Ein bisschen Nudeln, ein bisschen Brot, Yuda-sama und Benimaru waren nackt.
Yuda-sama griff mich waehrend des Konzerts an und warf mich zu Boden, mein weißes T-Shirt war gleich mit Marmelade versaut.
Aber das war nichts. Das war gar nichts. Solche Aggressionen konnte ich noch ab.

Denn dann kam The Digital City Junkies. Und diesmal dachte ich wirklich, ich muesste Angst um mein Leben haben.

Harry-Ken sprang von der Buehne in einen Haufen Bier-Dosen, die er vorbereitet hatte. Mit seinem Baseballschlaeger schlug er einige der Dosen ins Publikum und da man keine Ausweichmoeglichkeit in der kleinen Halle hatte, wurde man mehr oder minder getroffen. Auf den Dosen rutschte man immer wieder aus, aber Harry-Ken hielt das nicht auf, 10 Packungen Eier ins Publikum zu werfen. Ich bekam eine ganze Packung ab und stank fuer den Rest des Abends sehr roh.
Zusaetzlich regnete es Kokos-Flocken, der Boden wurde ein glitschiges Unterfangen und trotzdem moshten wir immer weiter, mit Harry-Ken in unserere Mitte, der immer wieder auf dem Boden zusammenbrach und sich Eier an den Kopf schlagend „Violence Junkie“ sang.

Der Hoehepunkt war erneut ein Feuerwerk. In der winzigen Halle wahnsinnig gefaehrlich. Ohne Ruecksicht warf Harry-Ken das Zeug ins Publikum. Ich schaffte es noch, meine Augen schuetzend abzudecken. Dazu zerfetzte er noch 5 Feder-Kissen, die zusammen mit dem Rauch eine undurchdringliche Wand bildeten. Durch die rohen Eier blieben tausende Federn an mir haften, ich konnte kaum atmen vor Rauch und Daunen.
Irgendwann war das Konzert vorbei, eine Zugabe konnte nicht gegeben werden, da Harry-Ken bewegungslos auf dem Boden lag. Neben ihm ein Fahrrad, weiss der Teufel wie das Ding da hin gekommen war.
Ich verliess voll mit Ei, Marmelade und Federn die Halle und stand noch drei Stunden draussen mit Ryuketsu Blizzard, unschluessig wie man sich nach solch einer Nacht verhalten sollte.

Mit meinen dreckigen Klamotten und mit Federn beklebten Schuhen war mir auch nicht nach After-Show-Party.
Wir knipsten noch ein paar Fotos, dann umarmten wir uns alle und ich schlich dreckig zurueck in mein Hostel, wo ich alle durch mein naechtliches Auftreten weckte.
Aber das war mir egal.

Von Harry-Ken hab ich bis jetzt noch keine NAchricht, aber ich weiss, dass es ihm gut geht.
Am naechsten Tag nach einer erstaunlich guten erholsamen Nacht fuhr ich zurueck zum Flughafen, nur 16 Minuten vom Hakata Bahnhof entfernt. Mit meinem restlichen Geld kaufte ich noch einige Mitbringsel und ich wurde sentimental bei den wundervollen Nachrichten, die mir meine neuen Freunde aus Kyushu zum Abschied schrieben.

Das Essen war wunderbar. Die Musik war toll. Die Menschen waren einzigartig. Das ganze Spektakel war unheimlich gefaehrlich und spannend und spassig.
Ich wuerde es sofort wieder tun!

15 Uhr war ich zurueck im regnerischen Tokyo. Das erste Mal, dass ich nicht nach Tokyo zurueck wollte, sondern gerne woanders geblieben waere.

Danke an Harry-Ken fuer das Organisieren dieser Reise, fuer das Hotel und fuer die wunderbaren Abende zusammen. Danke an Maiki, die sich immer um mich gekuememmert hat.

Danke an Mari, Miki, Nami. Ihr wart eine tolle Begleitung im Flugzeug, im Zug und beim Essen.
Danke an Igirisujin, die mich so toll unterhalten haben. Danke an Yura-shi, der mir seine schicke Brille geliehen hat. 😀
Danke an Inoken fuers Herumfuehren, danke an Kouji fuers Fahren des Busses. Danke an Ryuketsu fuer die tolle Unterhaltung, an Yuda-sama fuer die Umarmung, fuer das tolle Foto, fuer die lieben Worte.
Danke an Sexy-san fuer die Streicheleinheiten. (LOL)
Danke an Benimaru fuer die tollen Fotos.
Danke. Danke. Danke an alle, die diese Tour so besonders gemacht haben. Bis zum naechsten Mal. Auf jeden Fall wieder.

 

Anmerkung: Fotos folgen, sobald ich wieder Internet habe. Meine Verbindung ist zur Zeit nur ein Provisorium. Aber ich bin bald wieder 100% verfuegbar.

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Was fehlt.

Es hat zwei Monate gedauert, aber seit Anfang August habe ich endlich Internet. Es ist viel passiert und dieser Blog ist wirklich nicht mehr auf dem neusten Stand.
Was sich aber nicht verändert hat, ist das Land, in dem ich mich befinde – nach wie vor lebe ich in Japan, sogar Tokyo habe ich nicht verlassen. (Das wärs noch!)
Aber seit Anfang Juni lebe ich nun in Kita-ku, in der nördlichsten Stadt Tokyos, gleich neben dem großen Bahnhof Akabane. Das ich ein wunderbares (für Tokyoer Verhältnisse) sehr großes Apartment gefunden habe, verdanke ich meiner Immobilienfirma, bei der ich immer mehr Aufgaben übernehme. Ende Mai wurde ein Wohnungswechsel nötig und Hals über Kopf entschied ich mich für ein kleines hübsches Zimmerchen im ersten Stock in einer sehr ruhigen, aber praktischen Lage. Ich habe sogar einen Garten. Mein verdammter Garten mit einem Hibiskus und einer Gerbera ist mein ganzer Stolz.

Eingekesselt zwischen Tempel, 24-Stunden-Supermarkt, japanischem IKEA und Bahnhof mit Express-Zügen in Richtung Kanagawa und Saitama möchte ich mich wirklich nicht über meine neue Wohnsituation beschweren. Ganz im Gegenteil.
Manche Japaner schauen etwas entsetzt, wenn ich ihnen sage, wie sehr ich Tokyo Downtown – Shitamachi – liebe. Aber warum sollte ich viel Geld für eine fancy Wohngegend ausgeben, wenn ich es genau so gemütlich zwischen Schrein und Einfamilienhäusern haben kann?
Mein Arbeitsweg ist immer noch der Gleiche – 40 Minuten, mit einmal umsteigen. Das Umsteigen ist zwar in der Sommerhitze mehr als lästig und auch der Weg zum Bahnhof jeden Morgen (10 Minuten) kann bei anhaltenden 35 Grad zur Qual werden.
Aber wenn man sich drei Handtücher um den pumpenden Körper wickelt, dann kann man das Zerfließen wenigstens etwas aufhalten. Manchmal.

Tokyo ist heiß.
Ich habe vergessen, wie unangenehm der japanische Sommer ist, weil ich ihn nur kurzzeitig mit 16 Jahren erlebt habe und damals alles so spannend und toll fand, dass ich dachte – ständig schwitzen und zerfließen gehört nun mal dazu.
Anfangs war das alles auch noch ganz lustig, jetzt reichen mir schon drei Minuten außerhalb einer klimatisierten Räumlichkeit, um die japanische Sonne leise zu verfluchen.
Manchmal fahre ich nach Kamakura ans Meer, um mich abzukühlen. Dann liege ich in dem etwas grauen Sand, schwimme ein paar Runden im Meer, dass so salzig ist, dass einem die Augen brennen und dann fahre ich heim, zurück in die Großstadt, einen halben Tag lang erfrischt.

Nächste Woche ist dann Obon – buddhistisches Totenfest und die nächste große Ansammlung von Feiertagen für die japanische Bevölkerung steht bevor. Da gehöre ich ja (noch) nicht dazu, also arbeite ich fleißig weiter. Ich bin noch immer Englisch-Lehrerin in Shinjuku, ab- und zu Deutsch-Lehrerin in Higashi-Koganei in West-Tokyo und sehr oft Immobilienmaklerin und Bloggerin/PR-Dame (:D) für unsere Ferienhäuser und Appartements.
So sehr mir Unterrichten auch Spaß macht, meine „Karriere“ als Lehrer ist ziemlich festgefahren und wie alles, was ich für ein zwei Monate gemacht habe – fühle ich mich schon wieder gelangweilt. Da lobe ich mir die Immobilienschiene. Ich bin ständig unterwegs, düse durch Tokyo, besichtige Wohnungen, übergebe Schlüssel für Ferienwohnungen, treffe Menschen, schreibe Berichte. Das ist abwechslungsreich und bleibt dadurch immer spannend.
Manchmal erwische ich mich selber dabei, wie ich gähne, während ich den immer gleichen englischen Text vorlese und meine Schüler dazu animiere, mir nach zusprechen. Das tut mir natürlich Leid. Vor allem für meine Schüler.

Jetzt ist es schon August, ich habe mich gut eingelebt, gut eingearbeitet und ich bin sogar so gut im Geschäft, dass ich mir ein japanisches Sparkonto einrichten konnte. Manchmal erinnere ich mich noch daran, dass mir irgendwann das Bafög im Nacken sitzen wird. Und da kann man nie früh genug anfangen zu sparen.

Noch fast drei Monate und mein Visum läuft ab. Meine Firma hat mir alle Unterlagen für die Beantragung eines neuen Visums zurecht gelegt und Ende dieses Monats werde ich mich zur Einwanderungsbehörde nach Shinagawa begeben. Viele meiner Freunde meinten, ich solle mir ein gutes Buch mitnehmen – man kann da schon mal einen ganzen Tag verbringen.

Nun wollten es alle immer wissen – wird sie bleiben, oder nicht? 😉
Die Chancen, dass ich hier bleiben kann stehen sehr gut.
In Prozent wären das vielleicht 99%. Ich hab alle nötigen Unterlagen meiner Firma, ein Empfehlungsschreiben und damit einen Bürgen.
Ich habe einen Arbeitsvertrag, der bis nächstes Jahr gilt, ich darf also gar nicht eher abhauen, ich muss noch meinen Soll ableisten. 😉

Die Chancen, dass wir uns also im Oktober wiedersehen ist sehr gering, aber ich werde trotzdem weiter schreiben und natürlich weiterhin online verfügbar bleiben.
Weihnachtsferien gibt es hier nicht und bevor ich kein neues Visum erhalte, darf ich sowieso nicht ausreisen. Aber Mitte Oktober weiß ich meinen Status und dann kann ich auch einen eventuellen Kurzurlaub in Deutschland planen. Bezahlten Urlaub (7 Tage!!!) darf ich ab November beantragen (nach 6 Monaten in der Firma). Die werden aber leider für das kommende Hirasawa-Konzert im Tokyo Dome City draufgehen… (Sorry, Prioritäten und so.. :/)

Was aber jedem frei steht ist es, mich zu besuchen. Einzelpersonen kann ich jederzeit in meiner bescheidenen Wohnung aufnehmen, für alles andere bin ich gerne bereit seht schöne Ferienwohnungen zu vermitteln. Nicht, dass ich da Profit raus schlagen möchte. Nein, nein. 😛
Ich habe es so weit geschafft, da werde ich jetzt leider nicht zurück kommen, egal wie sehr mich manchmal das Heimweh plagt.

Natürlich vermisse ich meine Familie, ich vermisse mehr als einen Tag frei in der Woche zu haben und ich vermisse auch das ganze ungesunde Essen (Sauerkraut, Quark mit Kartoffeln, alle Arten von Pasta mit Pizza, mit echtem Käse, richtig echtem Käse und Brot). Ich vermisse die langweiligen Tatorte am Sonntag-Abend, die so schön einschläfernd waren, weil man auch einschlafen konnte, weil man vor 20 Uhr zu Hause war.

Mir fehlt das Abendessen mit der Familie, auch wenn das Essen nicht schmeckt, nicht warm ist – das Bier vermisse ich, denn das hier in Japan ist nur gut, wenn es teuer ist.

Ich vermisse die leere S-Bahn in Berlin (im Vergleich zu Tokyos Zügen ist jede S-Bahn leer), ich vermisse das Berliner Ensemble und ich vermisse es sehr in Bibliotheken und Bücherläden zu schmökern. Mir fehlt die Literatur in meiner Sprache, auf die ich jederzeit Zugriff haben kann. Mir fehlt das Wort auf Papier (hätte ich das Internet nicht, wäre es schlimmer).

Mir fehlen meine Haustiere, meine Schreibmaschine, Feiertage, die Feiertage sind und mir fehlt das Gefühl sich nicht schlecht fühlen zu müssen, wenn man mal frei macht oder nichts macht.

Mir fehlt mein Bruder.

Mir fehlt der Platz der Einheit West, die Eisdiele neben dem Park, in der man so schön entspannen konnte, die Waschbar, selbst die Uni fehlt mir. Der „Stress“, den ich während meines Studiums hatte, erscheint mir jetzt als reinster Urlaub.
Mir fehlt die Freiheit, sich in einen Park zu setzen, Bier zu trinken, sich zu entspannen, weil es okay ist – weil Entspannen wichtig ist. Mir fehlt die Spree, der M41 (ja, dieser verdammte Bus fehlt mir), die dreckige U-Bahn, der Hermannplatz, die verhipsterten Kneipen, die netten Gespräche über Revolution und über Pseudo-Revolution. Mir fehlt die Oase, das Chagall und abendliche Lesungen mit freundlichen Twitter-Persönlichkeiten.

Mir fehlt so ein bisschen deutsche Gemütlichkeit in dem bunten Gewirr, dass mich täglich umgibt. Das fällt mir manchmal ein, wenn ich deutsches Radio höre. Wenn ich deutsche Nachrichten sehe. Wenn ich mich wirklich intensiv daran erinnere, woher ich eigentlich komme. Aber meistens bin ich selbst dafür zu beschäftigt.

Und trotzdem würde ich mich nicht für einen Rückzug entscheiden.
Noch lange nicht. Dafür habe ich hier jeden Tag viel zu viel Spaß.

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Englisch-Unterricht und Twitter

Hier bin ich wieder. Meine Updates sind spärlich gesät, aber ich will meine Leser auch nicht zu sehr verwöhnen. 😛 Man findet mich trotzdem ständig schreibend im Internet – einfach meinen Blogroll durchklicken – irgendwo poste ich bestimmt gerade wieder einen Artikel in irgendeiner Sprache. 🙂

Ich habe schon viel über meine Arbeit geschrieben, aber noch nicht über die Firma, bei der ich nun fest angestellt bin und wöchentlich meine 8 Stunden am Tag ableisten muss. Und heute habe ich endlich Zeit dafür, da ein Schüler für meine nächste Stunde abgesagt hat – also nichts wie ran an das Update meines täglichen Lebens in Japan! 😉

Seit Anfang April bin ich Englisch-Lehrerin in einem Sprach-Studio in Shinjuku. Neben einer Ukrainerin bin ich die einzige Nicht-Muttersprachlerin, all meine anderen Kollegen sind sehr nette Briten oder Amerikaner oder Australier. Das Sprachstudio liegt zentral gelegen, nur 2 Minuten vom Bahnhof Shinjuku. Mit meinem Zug von Kinshicho kann ich direkt bis Shinjuku durchfahren, also habe ich früh immer einen entspannten Arbeitsweg von nur 40 Minuten. Und mit “früh” meine ich – 7 Uhr Arbeitsanstritt, 4:30 Uhr aufstehen.

Mein Körper gewöhnt sich aber schnell an alles und ich liebe die Morgenschichten hier – nur wenige-, aber dafür sehr gewissenhafte Schüler, ich als einzige Lehrerin und meine Lieblingskollegin arbeitet vorne an der Rezeption. Wir beide zählen dann immer hungrig die Stunden bis zur Mittagspause. Alles in allem ein sehr entspannter Job.

Meine Unterrichts-Einheiten sind 40 Minuten lang, Material, Power-Point Präsentationen, CDs und PCs stellt die Schule. Ich bin dazu befähigt Grundkenntnisse (sog. Foundation) bis Level 3 (intermediate speaker) zu unterrichten. Alles Andere überlässt man den Muttersprachlern und dafür bin ich auch sehr dankbar. Nicht, dass ich mir advanced English nicht zutrauen würde, aber ich glaube die Englisch-sprachigen Lehrer können da mit mehr Hintergrund-Wissen aufwarten und dadurch die Schüler besser unterhalten.

So eine Stunde beginnt mit 5 Minuten Smalltalk, 15 Minuten Text-Lesen & Text-Verständnis und nochmal 15 Minuten Gelerntes anwenden und üben. In den letzten 5 Minuten werden Fragen gestellt oder noch ein bisschen geplaudert – je nachdem, wie gesprächig meine Schüler sind. Ich erkläre grammatische Besonderheiten, korrigiere die Aussprache oder wir reden über wichtige Wendungen in der englischen Sprache. Das macht Spass und ist easy.

Da wir ein Sprachstudio sind, habe ich die unterschiedlichsten Schüler. Neben Studenten, Jobsuchenden, Angestellten oder Hausfrauen habe ich manchmal sogar Unternehmer oder Restaurant-Besitzer als Kunden. Die Motivation, warum Englisch erlernt wird, ist bei jedem unterschiedlich. Am meisten macht es mir Spass, Foundation – Grundkenntnisse zu vermitteln. Obwohl es mir untersagt ist, Japanisch zu sprechen, helfe ich manchmal leise aus, wenn meine Schüler gar nichts verstehen. Vor allem beim Grundkenntnis-Level kommt man manchmal nicht drum herum. Aber japanische Schüler sind stets motiviert und gut vorbereitet. Nicht alle, aber zumindest 90% meiner Kunden enttäuschen mich nicht..

Das Arbeiten hier ist ganz angenehm, auch wenn es wenig abwechslungsreich ist. Ich konsumiere gerade unheimlich viele Bücher und deutsche Nachrichten, sonst habe ich manchmal das Gefühl, dass ich “intellektuell ein wenig verkomme”. Die Unterrichts-Einheiten für eine Woche sind fest vorgeschrieben, das heisst ich unterrichte ein- und das selbe Material eine ganze Woche lang, 8 Stunden am Tag. Manchmal fühlt man sich ein bisschen wie ein Roboter.
Die Kollegen sind nett, auch wenn ich mit den japanischen Angestellten besser arbeiten kann, als mit den europäischen Kollegen. (Weiss der Teufel, was bei mir falsch gelaufen ist.) Da wir eine Überzahl an Briten haben, höre ich hier täglich nur britisches Englisch, was ich als sehr angenehm empfinde im „American English übersteuerten Japan“.

Das Gehalt ist gut und zur Zeit warte ich nur noch darauf, dass meine Visums-Unterlagen durchgewunken werden. Ob das alles so reibungslos klappt, ist noch eine andere Frage, aber darüber werde ich demnächst berichten, wenn sich mehr ergibt.

Weiterhin habe ich jetzt den Twitter-Account von http://enterjapan.me/ übernommen. Man bat mich aufgrund meiner „exzellenten SNS-Präsenz“ (ohne Witz!) jeden Tag ein bisschen für dieses Projekt zu twittern. Das macht mir nicht nur unheimlich viel Spass, es wird mir auch gut bezahlt. Alles, was also seit über einer Woche auf https://twitter.com/enterjapan_pro erscheint, ist von mir ausgewählt und eingefügt. Seit ich das Ruder übernommen habe, sind wir erstmals über die 300-Follower-Grenze gestiegen, also 50 Follower mehr in nur einer Woche. Mein Chef hat das gleich mit einer Gehaltserhöhung belohnt, über die ich mich auch gefreut habe. Ich danke an dieser Stelle auch der Uni Potsdam für die vielen, langatmigen Lesungen, in denen ich mich intensiv mit Twitter beschäftigen konnte, um meine Kenntnisse bis zur SNS-Expertin ausbauen zu können. ;P

Und an dieser Stelle gilt auch – wer noch nicht folgt, darf das gerne tun und wer kein Twitter besitzt darf auf jeden Fall trotzdem bei enterjapan reinschauen – es gibt viele spannende Artikel über Japan’s (dunkle) Geschichte und wunderschöne japanische Holzschnitte, Ukiyo-e.

Wer in Japan lebt und gern Englisch lernen will, ist natürlich auch jederzeit willkommen, mich hier in Shinjuku zu besuchen. 😉 Ich bin fast täglich vor Ort und wenn gerade kein Schüler an meinem Tisch sitzt (so wie jetzt) kann man mich beim intensiven Blog-Tippen beobachten. 😛

Weitere Updates folgen, wenn sich mein Aufenthalt in Japan in irgendeiner Art und Weise dauerhaft verlängert hat. Ich arbeite daran. Bis dahin – bleibt gesund und bleibt mir treu!

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